Christliche Themen für jede Altersgruppe

Menschenfreundlichkeit

1. Thessalonicher 4,1–8 Weiter, liebe Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus – da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut –, dass ihr darin immer vollkommener werdet. Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über das alles, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.


Impuls für den 20. Sonntag nach Trinitatis:  1. Thessalonicher 4,1–8.  Von Martin Weeber


Der promovierte Theologe Martin Weeber ist Pfarreran der Petruskirche in Gerlingen.



Wir leben mit Menschen zusammen, zu denen wir in einer persönlichen Beziehung stehen. Und wir leben mit Menschen zusammen, zu denen wir nur ein sachliches und kein persönliches Verhältnis haben. Wir leben privat und wir leben öffentlich. Und in beiden Bereichen sollen wir gut mit den Menschen umgehen, mit denen wir es zu tun haben. Das ist die Aufforderung des Apostels.

Die eigene Frau (oder der eigene Mann): Das ist der Mensch, mit dem wir aus eigenen und freien Stücken zusammenleben und den wir lieben, weil er so ist, wie er ist. Mit seinen Vorzügen, aber auch mit seinen Schwächen. Für diesen Menschen gilt, um es mit einer Liedzeile des Sängers Billy Joel zu sagen: I love you just the way you are – Ich liebe dich gerade so, wie du bist.

Zu anderen Menschen ist unser Verhältnis hingegen dem Grundsatz nach gar nicht persönlich gefärbt: Mit ihnen „treiben wir Handel“, mit ihnen gehen wir sachlich um. So darf es ja (um ein Beispiel zu nennen) keine Rolle spielen, ob ich der Verkäuferin in der Bäckerei sympathisch bin oder nicht: Sie verkauft mir die Brötchen, wie jedem anderen auch.

Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich unser Verhältnis zu anderen Menschen: persönlich oder sachlich, natürlich mit vielerlei Abstufungen und Übergängen. Manche unterscheiden da: Freundlich sind sie zu denen, die ihnen nahe stehen. Fordernd bis ruppig gehen sie mit denen um, an denen sie nur ein sachliches Interesse haben.

Wie angenehm ist es aber, wenn wir es mit Menschen zu tun haben, die nach Möglichkeit jede Begegnung mit jedem Menschen freundlich und respektvoll gestalten. Das macht das Leben schön und erfreulich.

Ganz sicher meint Paulus mit Heiligung mehr als nur einen freundlichen und zugewandten Umgang mit allen Menschen. Aber gewiss gefällt Gott solche zugewandte Freundlichkeit. Denn solche Freundlichkeit spiegelt die Menschenfreundlichkeit Gottes auf das Schönste wider.

Das Gegenteil wäre ein „gieriger“ Umgang mit anderen Menschen. Der benutzt sie wie Gegenstände. Da macht es dann nicht viel Unterschied, ob es um Lustgewinn oder um Geldgewinn geht. Gegen diesen ausbeuterischen Umgang mit anderen Menschen setzt Paulus das Programm der Heiligung.

Ich vermute, dass vielen Zeitgenossen der Ausdruck „Heiligung“ ganz fremd geworden ist. Und wenn sie sich noch etwas darunter vorstellen können, dann kaum etwas Verlockendes. Heiligung: Das klingt allzu sehr nach sauertöpfischem Verzicht. Aber Paulus verwendet ja noch einen anderen Ausdruck, und der erläutert ganz gut, was er meint: Ehrerbietung. Klingt auch altmodisch. Meint aber einfach „Respekt“ oder „Wertschätzung“. Und das ist gar nichts Altmodisches.

Ein Sammelband mit frühen Erzählungen des Schriftstellers John Updike trägt den Titel „Werben um die eigene Frau“. Paulus formuliert es ganz ähnlich: „Dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung.“ Eine großartige Idee: Nicht nur am Beginn der Beziehung zu werben um den Anderen, die Andere, sondern dauerhaft. So wie auch Gott dauerhaft um uns wirbt.

Und auch die, mit denen wir nur „Handel treiben“, freuen sich, wenn wir sie nicht verachten, sondern respektieren – geleitet von Gottes Heiligem Geist.


Gebet

Gott, du Quelle des Lebens,
du hast uns Menschen geschaffen
und zur Gemeinschaft berufen.
Wir bitten dich: Segne unser Leben
und erneuere unsere Liebe
durch Jesus Christus, deinen eigenen Sohn.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

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