Christliche Themen für jede Altersgruppe

Nachdenken über Jesus

Johannes 12,12–19 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem  Eselsfüllen.“ Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.


Impuls zum Predigttext für den Sonntag Reminiszere: Johannes 11,46–12,19  Von Frank Zeeb

Der promovierte Theologe Frank Zeeb ist Kirchenrat und leitet das Referat "Theologie, Kirche und Gesellschaft" im evangelischen Oberkirchenrat.


Wer ist Jesus? Das Bekenntnis ist klar: Er ist der wahre Mensch und der wahre Gott, ist beides ganz, und die beiden Naturen dürfen nicht miteinander vermischt werden. Sieht man aber genauer hin, dann ist es nicht so einfach: Grundschulkinder sehen in Jesus oft die göttliche Natur. Sie haben keine Schwierigkeiten damit, dass Jesus Wunder tut oder Dinge anspricht, die er gar nicht wissen kann, denn: „Jesus ist ja Gott.“ Konfirmandinnen und Konfirmanden fasziniert oft die Menschlichkeit Jesu – wie er sich den Schwachen, Leidenden, Ausgestoßenen zuwendet und so als unser Bruder Vorbild für ein gutes Leben wird.
Beides ist natürlich richtig, aber beides verkürzt die Wirklichkeit Jesu – wenn man nicht jeweils das andere mitdenkt.
Mit dem Sonntag Reminiszere beginnt eine Besonderheit in unserer Landeskirche: Den Predigten von Reminiszere bis Ostern liegen die Texte der Passionsgeschichte nach Johannes zugrunde. Wir werden also in den kommenden Wochen dem Weg Jesu ans Kreuz nachsinnen, gleichsam die Passionswoche wie in einem Vergrößerungsglas über die gesamte Passionszeit hinweg betrachten – und dazu gehört auch die Wahrnehmung sowohl der menschlichen Natur als auch der göttlichen, wenngleich Johannes eher die göttliche betont.
Der Abschnitt vom Einzug Jesu in Jerusalem ist im Kirchenjahr zweimal beheimatet: einmal am Palmsonntag, der seinen Namen ja von den Palmzweigen hat und zum anderen am 1. Advent. Beidesmal geht es darum, dass in Jesus der Sohn Gottes, die zweite Person der Dreieinigkeit kommt: im Advent als Vorbereitung auf Weihnachten und auf den ewigen Advent am jüngsten Tag, in der Passionszeit als Vorbereitung auf Kreuz und Auferstehung. Beidesmal kommt es darauf an, den wahren Gott und den wahren Menschen in den Geschichten zu erkennen, denn nur so können wir erahnen, warum Jesus gekreuzigt wird, und was dieser Sühnetod für uns bewirkt.
Schon damals in Jerusalem war es unter den Menschen umstritten, wie man mit dieser Wahrheit und dem, der sie verkörpert, umgehen soll. Zwei Gruppen gibt es: die Verantwortlichen, die ihre Macht gefährdet sehen und versuchen, mit wenig sympathischen (aber rechtlich und politisch unanfechtbaren) Mitteln, den „Unruhestifter“ zu beseitigen. Dagegen steht das Volk, das dem „Superstar“ zujubelt. Sie rufen ihn zum messianischen König aus – aber wissen sie, was sie tun?
Ein Schlagwort unserer Zeit lautet: „Wir sind das Volk.“ Die Frage ist erlaubt: Wem laufen wir nach? Den wohlfeilen Parolen? Wen erheben wir zu Meinungsführern, ohne recht zu wissen, was wir tun?
Gerade in Zeiten der schnellen und demagogischen Meinungsbildung wird es gut tun, sich zu erinnern, dass Jesus im Johannesevangelium eine Richtschnur nennt: die Liebe und den Dienst am Nächsten. Wer Jesus in seiner göttlichen Königsherrschaft anerkennt, wird in seinem Namen menschlich handeln, wird den Geringsten unter den Mitmenschen dienen, gerade den Geflüchteten, Verachteten, Fremden und Andersdenkenden.

Gebet

Himmlischer Vater,
wir werden in diesen Wochen besonders an den Tod
deines Sohnes Jesus Christus erinnert, um ihn als
das Heil der Welt zu verkündigen. Du weißt: Es fällt
uns schwer, dies zu verstehen und zu erfassen. Sei
mit uns durch deinen Heiligen Geist, dass wir deiner
Liebe begegnen und davon überwältigt werden.

Luthers-Familienzeit

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THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

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