Christliche Themen für jede Altersgruppe

Noch eine kleine Weile

Jesaja 29,17–21 Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden. Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels. Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten, welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor, und beugen durch Lügen das Recht des Unschuldigen.

Zum Predigttext für den 12. Sonntag nach Trinitatis: Jesaja 29,17–21.  Von Albrecht Conrad



Albrecht Conrad ist geschäfts­führender Pfarrer in Stuttgart-Degerloch.

Diese Worte springen einen an in ihrer politischen Aktualität. Sie klingen, als seien sie geschrieben mit Blick auf die derzeitigen Entwicklungen in der Türkei, in Russland und in anderen Ländern, die in Richtung Diktatur unterwegs sind. Wie oft berichten uns die Nachrichten von Machthabern, die vor allem eines zu wollen scheinen: Unheil anrichten. Sie lassen Menschen gefangen nehmen ohne jede Gerichtsverhandlung.

Sie dulden andere Meinungen nicht und unterdrücken jede Kritik mit Gewalt. Sie scheren sich nicht um Recht und Unrecht und finden für alles und jeden einen Schuldigen, mag der noch so unschuldig sein. Sie spotten über die Politikerinnen und Politiker vormals befreundeter Staaten, sollten diese sich kritisch äußern.

So scheinen diese Worte aus dem Jesaja-Buch die schwierige politische Lage unserer heutigen Zeit zu beschreiben.

Welche Hoffnung haben wir in dieser Lage? Wie steht es mit der Opposition in diesen Ländern? Sorgt politischer oder wirtschaftlicher Druck von außen für einen Wandel?

Die Worte des Propheten Jesaja sind voller Hoffnung. Sie hoffen auf nicht weniger als auf ein Wunder. Gott selbst sorgt für dieses Wunder. Er setzt dem Wirken der Gewaltherrscher ein Ende.

So wandelt Gottes Eingreifen auf wunderbare Weise das Schicksal derer, die den Tyrannen zum Opfer fallen: Die Elenden und die Ärmsten werden wieder fröhlich sein. Wie wunderbar!

Ach, wenn es doch endlich so weit wäre! Ach, wenn der Text doch beschriebe, wie Gott diesen Wandel herbeiführt. Dann könnten wir nach aktuellen Zeichen dafür schauen.

Hoffnungszeichen, vielleicht gerade im Wirken der Opposition oder in Einflüssen von außen! Doch leider bleibt der Bibeltext uns eine genaue Auskunft schuldig, wann genau und wie Gott eingreift.

Doch eine Zusage wagt er gleich zu Beginn: „Noch eine kleine Weile“. Das macht Hoffnung. Auch die mächtigsten Gewaltherrscher regieren nicht für immer.

Wir gewöhnen uns daher nicht an ihre Untaten. Wir halten ihr unseliges Wirken nicht für den Normalzustand unserer Welt. Wir resignieren nicht, als würde sich niemals etwas ändern. Nein, wir erwarten Gottes Eingreifen. Wir hoffen auf einen grundsätzlichen Wandel.

So hören wir diese Worte als Hoffnungsworte auch für unsere Zeit. Selbst wenn wir völlig verständnislos die Entwicklungen in manchen Ländern verfolgen, so verstehen wir doch eines: Die Hoffnung geht uns nicht aus. Von Gott erwarten wir Wunder. Wir wissen nicht genau, wie Gott es macht. Und offen bleibt auch die Frage, wann Gott endlich eingreift.

Doch eines wissen wir von Anfang des Textes an: Bald schon! Dann sind die Spötter, Gewaltherrscher, Rechtsbrecher und Tyrannen am Ende. Wir werden uns noch sehr wundern darüber, wie wunderbar er wirkt, der Gott Israels.

Gebet


Singt, singt dem Herren neue Lieder,
er ist’s allein, der Wunder tut.
Seht, seine Rechte sieget wieder,
sein heilger Arm gibt Kraft und Mut.
Wo sind nun alle unsre Leiden?
Der Herr schafft Ruh und Sicherheit;
er selber offenbart den Heiden
sein Recht und seine Herrlichkeit.

Matthias Jorissen


Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 47/2017

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