Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ökumene als Lerngemeinschaft

Epheser 4,2–6 Ertragt einer den andern in Liebe und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Impuls zum Predigttext für den 17. Sonntag nach Trinitatis: Epheser 4,1–6. 

Albrecht Nuding ist Pfarrer in Schönaich im Kirchenbezirk Böblingen.

Die christlichen Kirchen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten spürbar aufeinander zu bewegt, auch wenn die Ungeduldigen auf beiden Seiten zu viel Stillstand und zu wenig Fortschritt in der Annäherung beklagen. Die Älteren werden bestätigen können, dass es im Miteinander von Evangelischen und Katholischen in den vergangenen 50 Jahren eine deutliche Entwicklung zum Besseren gab und gibt.

Es ist ein Glück, dass Feindseligkeiten zwischen Gläubigen der getrennten Kirchen heute in der Regel der Vergangenheit angehören. Ehepartner, die verschiedenen Konfessionen angehören, können sich heute viel leichter als früher jeweils zu ihrer Kirche halten, so dass diese Paare in den Gemeinde inzwischen ganz besonders konfessionsverbindend wirken.

Auch die Kirchenleitungen suchen, wo immer das möglich ist, den Schulterschluss und treten mit gemeinsamen Stellungnahmen und Initiativen an die Öffentlichkeit. Dadurch ist das Miteinander der Kirchen in der Ökumene für die Jüngeren eine Selbstverständlichkeit geworden.

Allerdings wächst erst seit einigen Jahrzehnten weltweit die Erkenntnis zwischen den christlichen Konfessionsfamilien, dass die Aufspaltung der Christenheit in verschiedene gegeneinander arbeitende Konfessionen nicht auf Dauer Bestand haben darf. Wer diesen Text nach Jahrhunderten gegenseitiger Verdammung und Verurteilung zwischen den Kirchen liest, kann nicht mehr leugnen, dass die Trennung und Spaltung der Christenheit in getrennte Kirchen, nicht dem entspricht, wozu wir berufen sind.

Christen sind zur Einigkeit im Geist aufgerufen und deshalb bei allen Unterschieden besonders daran gebunden, einander in Liebe zu ertragen und einander im Frieden zu begegnen. Der tiefere Grund dafür ist, dass wir als Christen alle auf demselben Fundament stehen und leben: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.

Der Grund, auf dem wir stehen, ist uns vorgegeben. Nicht wir bestimmen über ihn, sondern er erschließt sich uns immer wieder neu; auch so, dass die Christen voneinander lernen und verstehen, dass das, was unsere Kirchen trennt, viel weniger ist als das, was uns verbindet. Weil das Vertrauen zwischen den getrennten Kirchen gewachsen ist, können wir nicht nur bei ökumenischen Bibelwochen voneinander und miteinander lernen, die Bibel neu zu verstehen.

Einander gegenseitig den Glauben abzusprechen, ist einfach und schnell geschehen. Sich gegenseitig der Irrlehre zu zeihen und die Kirchengemeinschaft zu kündigen, ist leichter, als in Liebe und Frieden wieder zusammenzufinden in dem einen Leib.

Die Annäherung der Kirchen in der ökumenischen Bewegung war und ist ein durchaus mühsamer Lernprozess. Und doch können die meisten Kirchen heute inzwischen die eine Taufe, den  einen Herrn und den einen Gott und Vater aller bekennen.

Auch in der einen Hoffnung auf Gottes Reich und die Auferstehung der Toten sind wir uns einig. Bei allen Unterschieden im Kirchenverständnis und in der Organisation der Kirche ist unübersehbar, dass die Kirchen in der Ökumene auf denselben Grund bauen, nämlich auf Jesus Christus.

Im Vertrauen auf Jesus Christus können und sollen wir Christen einander auch über die Grenzen der verfassten Kirchen hinweg vertrauen und uns in Geduld miteinander auf den Weg des Glaubens machen. Wo die Christenheit nicht mehr mit verschiedenen Zungen spricht, sondern vereint die Stimme erhebt, bleibt ihre Botschaft an die Welt unüberhörbar eindeutig und laut.

Daran wird deutlich: Einigkeit ist kein Selbstzweck – auch nicht in der Ökumene. Wenn wir aber wollen, dass die gute Botschaft von Jesus Christus, in der ganzen Welt gehört werden kann und gehört wird, ist Einigkeit notwendig.

 

Ihr Gebet

Gebet

Herr, gib allen, die dich suchen,
dass sie dich finden,
und allen, die dich gefunden haben,
dass sie dich aufs Neue suchen,
bis all unser Suchen und Finden
erfüllt ist in deiner Gegenwart.

Hermann Bezzel. In: Evangelisches Gesangbuch, Seite 523.

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