Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ouvertüre für die Vollendung

Johannes 2,1–11 Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Impuls zum Predigttext für den 2. Sonntag nach Epiphanias: Johannes 2,1–11.  Von Albrecht Knoch

Albrecht Knoch ist geschäfts­führender Pfarrer in Sigmaringen und Codekan des Kirchenbezirks Balingen.


Im Anfang ist das Ganze schon verborgen, wie schon in der Ouvertüre einer Symphonie die Motive des Finales anklingen. Die Vollendung steht zwar noch aus, aber die Ouvertüre trägt alles schon in sich.

In den Allgäuer Krippen gehört als letzte Szene die Hochzeit zu Kana zur Weihnachtsdarstellung. Sie will ja nicht so recht ins Bild passen, und erst auf den zweiten Blick erkennen wir, warum sie dazu gehört. Die Krippen zeigen die Ouvertüre des Weges Jesu, die schon auf die Durchführung verweist: Jesus kommt zur Welt – unter den Armen und Heimatlosen, weil er in seinem Leben und in seinem Sterben ganz bei den Menschen sein will und wird.

Die Hochzeit zu Kana aber ist die Ouvertüre für die Vollendung, für das kommende Reich, in dem Gottes Liebe überfließt und ein Fest ohne Ende gefeiert wird.

Das Johannes-Evangelium kennt keine Geburtsgeschichte, sondern erzählt zunächst von Johannes dem Täufer, der Taufe Jesu und den ersten Jüngern. Dann beginnt Jesus seinen Weg, tut das erste sichtbare Zeichen. Es soll die Menschen darauf aufmerksam machen, was alles zu erwarten ist, ja, was schon anbricht, wenn Jesus kommt.

Dieser Hinweis versteckt sich in den ersten drei Worten der Erzählung: „Am dritten Tage“ ist Hochzeit, feiert Jesus mit den Menschen. Hier klingt die Erinnerung an das große Finale an: Es wird der Ton des Ostermorgens von vornherein angeschlagen, um auszudrücken, dass die Herrlichkeit des Neuen Tags in dem verborgen ist, was Jesus tut.

Wenn beim Fest in Kana der Wein ausgeht, wird deutlich, dass die menschliche Freude begrenzt ist, wir nicht einfach aus uns selbst heraus froh werden oder leicht über schwere Ereignisse des Lebens hinweggehen. Und da wird der Gast Jesus nicht mehr bedient, sondern gebraucht. Im Keller finden sich die mehrere hundert Liter Wasser fassenden Krüge. Eine solche Menge an Wasser braucht es, damit die Menschen sich für Gott bereit machen, um abzuwaschen, was unrein ist und sich so Gott nähern können.

Jesus wandelt das Wasser in Wein, in guten Wein. Obwohl es aussieht wie Massenware, ist es ein Wein mit dem Prädikat, das der Speisemeister erteilt.

Genauso umgekehrt wird auch der Weg zu Gott: Gott nähert sich den Menschen, Jesus offenbart seine Herrlichkeit. Am Dritten Tag beginnt die Auferstehungsfreude, auf die er mit dieser Unmenge an Wein hinweist, es ist ein Fest ohne Ende. Gott selbst macht uns bereit dazu, er braucht nicht unsere Vorbereitung, sondern holt uns herein, überzeugt uns mit dem köstlichen Geschmack und nicht mit Gewalt: Du bist eingeladen, komm herein zu diesem Fest ohne Ende.

Es gilt dir schon heute, schon jetzt, in deinem Glauben, und dann, ganz und gar. Mit seinem Wort bewirkt Jesus diese Veränderung, diese Freude, anders als wir selbst es könnten.

Und dann gilt es umso heftiger, umso mehr: Gottes Fest ist ohne Ende, und unsere Freude darf es auch sein.

 

Ihr Gebet

Gebet

Gott der Barmherzigkeit,
du hast Jesus, deinen Sohn, in die Welt gesandt,
damit er durch sein Licht die Dunkelheit vertreibe.
Wandle unseren Mangel in Fülle
und unsere Klagen in Lobgesang über deine Hilfe.
Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, unsern
Heiland und Erlöser.
Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, S. 277.


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