Christliche Themen für jede Altersgruppe

Pause für alle

Markus 1,32–39  Am Abend aber, da die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür. Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus und ließ die Dämonen nicht reden; denn sie kannten ihn. Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort. Und Simon und die bei ihm waren, eilten ihm nach. Und da sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Orte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.

Impuls zum Predigttext für den 19. Sonntag nach Trinitatis: Markus 1,32-39.  Von Frank Dettinger 


Frank Dettinger ist Pfarrer zur Dienstaushilfe im Kirchenbezirk Ditzingen.



Jesus macht Pause. Verdientermaßen. Nach vielen Krankenheilungen und Dämonenaustreibungen. Kapernaum ist der Ort des Geschehens, die kleine Stadt am See Genezareth, aus der Petrus und sein Bruder Andreas stammen. Bei ihnen, seinen Jüngern, ist Jesus zu Gast. Aber von einem ruhigen Besuch kann keine Rede sein. Die ganze Stadt ist auf den Beinen. Es herrscht Ausnahmezustand. Und Jesus ist der Grund dafür.
Die Menschen aus Kapernaum sind uns auch heute noch sehr nahe. Es sind Menschen mit Nöten und Sehnsüchten. Sie leiden an körperlichen und seelischen Krankheiten und suchen Hilfe und Heilung von allem, was ihr Leben bedrückt. Erlösung von diesen Bedrückungen erhoffen sie sich und erleben das Unglaubliche: Jesus heilt sie ganz konkret von ihren Leiden.

Es wäre auch heute Ausnahmezustand, wenn so praktisch und direkt die Nöte und Sehnsüchte von uns Menschen gestillt werden würden. Wo dies der Fall wäre, wäre auch die ganze Stadt auf den Beinen, wären alle Kranken dort und das Gedränge wäre groß.

Jesus kümmert sich um viele. Er ist mittendrin und lässt sich auf die Menschenmassen ein. Daher ist es verständlich, dass er sich in den frühen Morgenstunden aus Kapernaum davonmacht. Verdientermaßen macht er eine Pause, könnten wir sagen. Es ist wohltuend, am Morgen mit den Vogelstimmen den neuen Tag zu erwarten. Jesus wusste scheinbar um diese Kraft des frühen Tages, die auch der Psalmbeter kennt: „Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken“ (Psalm 5,4). „Lass mich am Morgen hören deine Gnade; denn ich hoffe auf dich“ (Psalm 143,8).

Ein Innehalten, ein Durchatmen vor Anbruch des betriebsamen Tages, der auf Jesus wartet. Verdientermaßen nach dem vorherigen langen Tag in Kapernaum.

Jesus bleibt nun aber nicht allein. Seine Jünger suchen ihn und finden ihn schließlich. Vorwurfsvoll klingen sie: „Jedermann sucht dich.“ Die Pause scheint Jesus nicht vergönnt von den Menschen. Er soll weiter heilen, ihre Nöte und Sehnsüchte stillen. Aber Jesus möchte einmal Abstand gewinnen, sich zurückziehen. Und damit zeigt er auch uns, wie wohltuend es sein kann, sich vor Anbruch des Tages zum Gebet allein zurückzuziehen.

Aber ohne dass die Menschenmassen es bemerken, gönnt Jesus schließlich auch ihnen eine Pause. Die Menschen aus Kapernaum mit all ihren Nöten und Sehnsüchten werden vor den Kopf gestoßen. Sie werden scheinbar von Jesus allein gelassen, und damit schließlich auch zu einer Pause und zum Innehalten gebracht.

Was könnten sie nun denken? Zuerst ist die Empörung sicher groß. Warum heilt Jesus nicht weiter? Warum folgt auf den spektakulären Tag nicht ein weiterer? Vielleicht hilft die unverhoffte Pause und das unfreiwillige Innehalten aber auch zum Weiterdenken und Umdenken. Vielleicht erkennen die Menschen in Kapernaum: Wer Jesus begegnet, soll Gottes Nähe und Liebe spüren. Wer Jesus begegnet, sei es im Wort oder in einer Heilung, der soll erfahren, dass Gott es gut meint mit den Menschen. Jesus hat den Menschen in Kapernaum einen Gott gezeigt, der die Nöte der Menschen erkennt und ernst nimmt. Dass es so einen Gott gibt, das muss Jesus auch in anderen Städten weiter predigen, ja überall. Dazu ist er gekommen, wie er den Jüngern erklärt.

Gebet
Herr Jesus Christus,
schenke mir die Ruhe des frühen Tages.
Lass mich die Stille hören,
die Gelassenheit spüren, den Frieden atmen.
Schenke mir dein Wort und deine Kraft,
die Heilung schenkt.
Lass mich Linderung erfahren,
nimm dich meiner Nöte an, mache mich neu.
Schenke mir den Glauben an deine Liebe.
Lass mich staunen.
Amen.


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