Christliche Themen für jede Altersgruppe

Raum für den Zorn Gottes

Römer 12,17–21 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist‘s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): „Die Rache ist mein; ich will vergelten spricht der Herr.“ Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln“ (Sprüche 25,21–22). Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Impuls zum Predigttext für den 4. Sonntag nach Trinitatis: Römer 12,17–21.  

Sandra Baier ist Pfarrerin in
Nellingen/Alb im Kirchenbezirk
Blaubeuren.

„Na, warte! Rache ist süß!“ – so mag mancher selbst schon gedacht haben, wenn ihm jemand bewusst Steine in den Weg gelegt hat. Doch zum Glück ist Rache in unserer Gesellschaft meist nur ein Gedanke. Wut, Ärger und die Lust, es dem anderen Mal so richtig zu zeigen, das kennen wir, aber ob wir dann wirklich Rache verüben? Wir ziehen eher mit unserem Groll umher und sind uns nicht mehr ganz Freund. Das ist gewiss auch keine Lösung.

In anderen Ländern ist Rache ein fester Bestandteil der Mentalität. Gewalt gebiert dort Gewalt und am Ende gibt es nur Verlierer.

Eine Geschichte aus Papua-Neuguinea hat mich da fasziniert: In der Hitze der Stadt hockt ein älterer Mann vor seiner Hütte und schnitzt mit einem Messer an einem Stück Holz. Es ist Linu. Ein Passant setzt sich zu ihm und sieht  seiner Arbeit zu. Das Holz nimmt allmählich Gestalt an. Er erzählt: „Gestern haben wir meinen Sohn begraben. Er war ein guter Sohn.“

Linu war mit seiner Familie vom Land gekommen. Sie hofften auf Arbeit und ein besseres Leben in der Stadt. Dann geschah das Unglück: Ein Mitglied seines Stammes überfuhr eine alte Frau. Sie war einfach in das Auto gelaufen. Doch das Blut der Frau schrie nun nach Rache.

Und wieder musste ein Mensch sinnlos sterben: Linus Sohn wurde erschlagen. Auch sein Blut verlangt nach  Rache. So ist das seit eh und je.

Während Linu stockend erzählt, schnitzt er weiter. Er schnitzt aus dem Holz ein Kreuz heraus, und mehr und mehr erkennt man den Körper des gekreuzigten Christus. Dann ist er fertig und sieht mich erstmals an: „Meine Trauer steckt in diesem Holz. Mein Sohn war ein guter Sohn, aber wir sind Christen. Wir müssen nicht immer töten.“

Dieser Geschichte liegt ein Text des  „Vorlesebuchs Ökumene“ von Jochen Lay zugrunde. An sie musste ich denken, als ich im Predigttext gelesen habe, dass wir Gott Raum für seinen Zorn lassen sollen. Wir müssen nicht jedes Unrecht selbst sühnen, doch Wut, Zorn und Rachegedanken aus unserem Leben auszuklammern wäre auch nicht der richtige Weg. Wir sind Menschen, und es gibt eben auch diese dunklen Gefühle in unserem Leben.

Gerade wenn ich an Menschen denke, die viel Unrecht und Gewalt in ihrem Leben erfahren haben, dann sind diese Gefühle für mich absolut verständlich. Gerade auch diese dunklen Gefühle können wir Gott offenbaren, der uns kennt und versteht, was uns umtreibt. Er ist der Gott der Gerechtigkeit und es wird gut tun, ihm Raum für seinen Zorn zu lassen.

Das Bild des lieben Gottes, das die meisten von uns von klein auf in sich tragen, hilft in diesen Momenten oft nicht. Ich denke, das allein ist irgendwie auch ein verzerrtes Bild. Gott ist mehr, als wir uns vorstellen können. Es gibt auch den gerechten Gott, der einen Weg findet, um Opfern wie Tätern angemessen zu begegnen.

Sicherlich kein einfacher Weg, aber wenn es gelingt, alle Wut, angestaute Aggression und Rachegedanken ihm zu übergeben, dann befreit das von innen heraus und eine neue Lebensqualität wird spürbar, ohne dass wir dabei unser Gesicht verlieren. Wir können dabei nur gewinnen, zumindest den Frieden mit uns selbst. Ein jüdisches Sprichwort besagt: „Die beste Rache ist ein glückliches Leben.“ Darum: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem, indem du dich Gott öffnest und seiner Gerechtigkeit traust.

 

Ihr Gebet

Ich gebe dir, Gott, meine dunklen Gefühle.
Erbarme dich meiner und zeig mir dein Licht.

Ich gebe dir, Gott, meine quälenden Ängste.
Erbarme dich meiner und richte mich auf.

Ich gebe dir, Gott, auch mein Herz, das verletzt ist.
Erbarme dich meiner und schaffe mich neu.
Amen.

Luthers-Familienzeit

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