Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sehnsucht nach Freiheit

Römer 8,18–22 Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und in Wehen liegt.


Impuls für den Vorletzten Sonntag im Kirchenjahr: Römer 8,18–25.  Von Klaus Anthes

In der Verfilmung von Astrid Lindgrens Madita sieht man die Magd Alva in der Küche sitzen. Tief atmet sie ein. Dann atmet sie lange aus und lässt dabei einen Seufzer hören. „Warum seufzt du denn?“, fragt Madita die Magd. „Weil ich so schrecklich verliebt bin.“ „In wen?“ „In den Schornsteinfeger, er kann so gut tanzen.“ „Aber der ist doch verheiratet und hat fünf Kinder“, sagt Madita entsetzt. „Ich weiß“, antwortet die Magd lächelnd, „deshalb bin ich auch nur noch bis Mittwoch in ihn verliebt.“
Seufzen ist Ausdruck einer Sehnsucht. Alva, die Magd, sehnt sich nach Liebe und nach einem guten Tanz für ihr Leben. Es gibt etwas, das sie erhofft. Sie weiß, dass da noch etwas Wichtiges zur Erfüllung in ihrem Leben fehlt. Der Seufzer drückt diese Sehnsucht aus.
Wenn wir seufzen, zeigt das aber nicht nur die Sehnsucht nach einem besonders erfüllenden Leben an. Der Seufzer ist auch Ausdruck für einen Kummer, den man mit sich trägt, oder eine große Belastung, der man ausgesetzt ist. Der Esel aus den Bremer Stadtmusikanten seufzt unter der Last der Säcke, die er zur Mühle tragen muss. „Das Leben ist schwer“, drückt sein Seufzer aus. Wie viele mögen da gerne mit einstimmen, in diesen Seufzer vom schweren, bedrückenden Joch, das man tragen muss? Wie viele Menschen gehen seufzend zu Bett, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen? Und wenn wir den Blick über Europa hinaus lenken: Wie viele Kinder seufzen vor Not, weil sie Hunger leiden? Wie viele Menschen seufzen unter der unsäglichen Last von Terror und Gewalt?
„Die ganze Schöpfung seufzt mit uns“, sagt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Rom. Die Seufzer der Menschen bringen große Not und große Sehnsucht vor Gott. Paulus zieht den Kreis der Seufzenden aber noch größer. Es ist ein unglaublich kühner Gedanke, den der Apostel hier im Vorbeigehen äußert. Er sieht die ganze Schöpfung mit einstimmen in das Seufzen vor Gott. Nicht nur der Mensch hat das Recht und die Würde, sein Leiden vor Gott zu bringen. Gott hat vielmehr auch ein Ohr für das Seufzen der belebten und unbelebten Natur. Er hört das Seufzen der Tiere, die Qualen leiden. Er hört das Seufzen der Böden, die zugepflastert und versiegelt werden und das Seufzen der Meere, die mit Plastikmüll verseucht werden. Tiere, Pflanzen und Steine sind nach biblischer Auffassung nicht einfach wesenlose Dinge, die dem Menschen zur Verfügung stehen und die von ihm rücksichtslos ausgebeutet werden dürfen. Sie sind auch Schöpfung Gottes und haben deshalb an seiner Heiligkeit Anteil. Gott hört das Seufzen der ganzen Schöpfung.
Mit dem Seufzen ist eine Sehnsucht verbunden. Die Belastung soll wegfallen. Die Knechtschaft der Vergänglichkeit soll an ihr Ende kommen. Die Schöpfung soll befreit aufatmen können – Mensch und Tier und Stein. Für den Apostel Paulus hängt die Befreiung der Schöpfung an der Offenbarung von Gottes Herrlichkeit. Es ist wie am Ostermorgen. Gottes Herrlichkeit zeigt sich im Licht der Auferstehung Jesu, die den Tod und allen Kummer überwindet. Diese Osterhoffnung weitet Paulus auf die ganze Schöpfung aus. Alle Kreatur, die heute noch vor Kummer seufzt, soll einmal in den Genuss der „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ kommen.
Als Kinder Gottes haben die Menschen einen besonderen Auftrag von Gott. Sie können schon heute einen kleinen Vorgeschmack auf die zukünftige Herrlichkeit in die Welt bringen. Durch den Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Aber auch durch jedes kleine Zeichen der Liebe, ein Wort, das befreit, und jeden Tanz, der eine traurige Magd froh macht. Dann hört man unter den vielen Seufzern der Schöpfung auch Seufzer der Erleichterung und des Glücks.

Gebet

Gott, du hörst das Seufzen der ganzen Schöpfung
und du weckst in uns die Sehnsucht
nach deinem Reich.
Wir bitten dich:
hilf uns, einander das Leben leichter,
nicht schwerer zu machen
und zu tun, was dem Frieden dient.









Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.