Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sehnsucht nach Heimat

Philipper 3, 17+20+21 Folgt mir, liebe Brüder, und seht auf die, die so leben, wie ihr uns zum Vorbild habt. Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann.

Impuls für den 23. Sonntag nach Trinitatis: Philipper 3,17+20+21.

Wo bin ich zu Hause? Wo ist meine Heimat? Heimat, das ist für viele einfach das Dorf oder der Stadtteil, in dem sie aufgewachsen sind. Heimat ist dann ein Ort und zugleich ein starkes Gefühl. Das merken wir, wenn wir in die Straße einbiegen, in der wir lange gelebt haben. Vertrautheit geht von Häusern und Gegenden aus. Doch ist das nicht eine Utopie?

Fragt man Menschen in Esslingen und anderswo: ‚Wo kommst du her? Wo ist deine Heimat?‘, dann werden zum Teil Orte genannt, die weit entfernt liegen. Ein Schüler in der dritten Klasse sagt: Ich weiß nicht. Wir lebten früher in Südafrika, bevor mein Vater seine Stelle wechselte. Jetzt arbeitet er in London, und wir wohnen in Esslingen. Eine Dame im Seniorenkreis sagt: Meine Heimat ist Schlesien. Da war mein Vater Pfarrer. Dann kam der Krieg… Und Omar, der in einem der Container in der Weststadt lebt, sagt: In Gambia lebt meine Mutter. Aber ich kann da nicht leben. Ich habe dort keine Zukunft. Ich suche eine neue Heimat. Uns Menschen eint eine tiefe Sehnsucht nach Heimat. Es ist aber immer auch ein Ort, der einmal war, nicht mehr ist, aber von uns gesucht wird.

Paulus war ein Heimatloser über die meiste Zeit seines Lebens. Als Jude verfügte er über das römische Bürgerrecht. Es gab ihm äußere Sicherheit bis hinter die Mauern des Gefängnisses und ersparte ihm doch Anklage und Folter nicht. Aus dem Gefängnis heraus schreibt er Christinnen und Christen in Philippi. Er schreibt in seinem Brief über seine Sehnsucht nach der himmlischen Heimat, nicht aus Todessehnsucht heraus, sondern weil sie sein Lebensziel ist, nach dem er sich ausstreckt, wie ein unsteter Flüchtling.

Paulus vermutet, dass andere Christen sich ähnlich fremd fühlen, da, wo sie trotz mancher äußeren Sicherheit leben. Er könnte ihnen Vorbild sein. Sie könnten, wie er, erkennen, dass sie im Grunde alle Himmelsbürger sind. Und verstehen, welche Freiheit ihnen ihr Glaube schenkt.

Martin Luther berief sich im Wesentlichen auf Gedanken des Apostels Paulus, als er im Jahr 1520 „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ schrieb. An Papst Leo X. gerichtet, der ihn mit dem Bann belegt hatte, entfaltet er darin Freiheit als innere Freiheit des Glaubens von aller Sünde und Angst und zugleich als Freiheit zur Übernahme für konkrete Verantwortung in der Welt und zu diakonischem Handeln. Diese Freiheit gründet für ihn im Evangelium von Jesus Christus. Luther fasst zusammen: „Der Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und zugleich ein dienstbarer Knecht aller Dinge.“

Glaube schenkt uns Freiheit, vor Gott zur Ruhe zu kommen. Wir lernen uns selbst neu zu denken. Im Licht des Evangeliums erkennen wir, wo wir gebraucht werden als „dienstbare Knechte und Mägde aller Dinge“. Da fängt einer an, sich im Begegnungscafé um Flüchtlinge zu kümmern. Da schenkt eine einen Teil ihrer Zeit dem Besuchsdienst ihrer Kirchengemeinde.

Heimat steht für die tiefe Sehnsucht in uns Menschen nach einem Ort, an dem wir sein können, wer wir sind. Das muss nicht unbedingt unser Herkunftsort sein. Der kann zuweilen auch einengen. So hat es Hermann Hesse empfunden, wenn er in „Unterm Rad“ auf seine Heimatstadt und sein Elternhaus blickt. Heimat ist ein Hoffnungsort. Ein Ort, an dem  ich alle Enge, alle Entfremdung, alles Funktionierenmüssen hinter mir lassen kann. Es kann ein ferner Urlaubsort sein, ein Ort der Freiheit.

Unser himmlisches Bürgerrecht befreit und verwandelt uns nachhaltig: Wir müssen unser Heil nicht an Karriere, Haus oder Geld hängen. Als von Christus erlöste, befreite Menschen gehört uns Heimat, die weiter reicht als alle Orte, an denen wir bisher gelebt haben. Himmlisches Bürgerrecht ist mehr als ein Gefühl. Es ist im Glauben geschenkte Freiheit.

Gebet
Jesus Christus, du hast uns
den Himmel aufgeschlossen.
Fremde finden Heimat.
Suchende kommen ans Ziel.
Kranke Körper werden heil.
Einsame erleben Gemeinschaft.
Obdachlose werden Bürger.
In der Freiheit unseres Glaubens
sind wir alle dein. Amen.

Luthers-Familienzeit

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