Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sich Atempausen gönnen

Epheser 5,15–21 (in Auszügen) So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Impuls zum Predigttext für den 18. Sonntag nach Trinitatis: Epheser 5,15–21.  Von Frank Banse

Frank Banse ist Pfarrer an der Stadtkirche in Schwenningen.

„Lebt als Kinder des Lichtes!“ Das ist die große Einladung des Epheserbriefes.

Kinder des Lichtes blicken aufgeweckt in die Welt. Kein Tunnelblick, der rechts und links nur schwarz sieht und sich deshalb auf den kleinen Ausschnitt in der Mitte konzentriert. Kein Augen zu und durch, irgendwie wird das schon klappen – zur Not mit dem Kopf durch die Wand! Kinder des Lichtes sehen sorgfältig darauf, wie sie ihr Leben führen – nicht als Unweise, sondern als Weise. Kinder des Lichtes gebrauchen ihre Augen und ihren Verstand.

„Denken ist erlaubt, vielen bleibt es erspart“, sagt der Schauspieler und Schriftsteller Curt Goetz einmal. Wer sein Leben weise führen will, kann sich das Denken – um Gottes Willen – nicht ersparen. Wer sein Leben weise führen will, muss seinen Verstand nutzen, so gut er kann. In dem göttlichen Licht, in dem die Kinder des Lichtes leben, können sie nicht im Dunkeln gut munkeln. In dem göttlichen Licht, in dem die  Kinder des Lichtes leben, können sie nicht im Dunkeln einfach mitlaufen oder dunkle Geschäfte machen.

Kinder des Lichtes sehen mit den erleuchteten Augen des Herzens (Epheser 1,18). Und die Augen des Herzens sehen viel mehr – und manchmal ganz anders – als die Augen, die wir im Kopf haben. Das ist ja das Geheimnis, dass der Fuchs dem Kleinen Prinzen verrät: „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar, man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Das Leben der Christen – ein Leben, in dem sie all ihren Verstand gebrauchen und mit ihren Herzen sehen. Das ist Leben, ein weises Leben in Liebe, ein Leben in liebevoller Weisheit.

„Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit.“ Heißt das „Ihr Christen, macht das Beste draus“? Heißt das: Ihr Christen, holt aus der bösen Zeit das Beste raus! Guckt dass ihr mitschwimmt – wenn’s geht mit denen vorne! Kauft die Zeit aus! Das klingt so harmlos vertraut. Heißt das „Zeit ist Geld – also die Ärmel hochgekrempelt und in Glaube, Hoffnung und Liebe tatkräftig zugepackt“? Heißt das „Nutzt die Zeit“? Holt noch mehr aus der Zeit heraus?

„Kauft die Zeit aus.“ Im griechischen Urtext steht hier ein Wort, das heißt wörtlich übersetzt: Nehmt weg vom Marktplatz! Nehmt heraus vom Markt!

„Kauft die Zeit aus“ heißt dann: Nehmt die Zeit weg vom Markt! „Kauft die Zeit aus“ könnte dann heißen: Nehmt euch die Zeit zurück, die ihr auf den Markt gegeben habt. Nehmt eure Zeit zurück von dem Markt, auf dem Zeit Geld ist, der Mensch ein Kostenfaktor, und die Freude des Lebens der Tanz um das Goldene Kalb. Nehmt eure Zeit weg vom Markt, der das Leben nur in Kosten und Nutzen aufteilt, in dem es überall und immer nur Gewinner und Verlierer gibt. Nehmt eure Zeit weg vom Markt des höher, schneller und weiter, weg vom (Jahr-)Markt der Eitelkeiten. Nehmt eure Zeit weg vom Markt, der euch und eure Zeit auspresst, bis ihr die Luft zum Atmen und die Lust zu leben verliert.

„Kauft die Zeit aus“ könnte dann heißen: Macht Gottes Zeit wieder zu eurer Lebenszeit. Gebraucht euren Verstand. Schaut mit den Augen eures Herzens, mit ihnen seht ihr, was wichtig und was unwichtig ist. Gönnt euch Atempausen. Nehmt euch Zeit, darüber nachzudenken und mit anderen zu sprechen, was Gott von euch will. Geht sorgfältig mit eurem Leben um. Zeit ist Lebensmittel aus Gottes Hand – nicht Geld.

Gottes Zeit ist die Zeit, in der ihr nichts erreichen, nichts vermehren und nichts gewinnen wollt – außer euer Leben. Gottes Zeit ist die Zeit, in der ihr Gottes Dienst feiert, geistliche Lieder singt und Gott, dem Vater, allezeit für alles dankt. Auch dafür, dass er euch Verstand gegeben hat und Augen des Herzens. Oder für alle die, die nicht so gerne singen: Zeit, einfach einmal gar nichts zu machen, zu tanzen, zu malen, den Wolken nachzuschauen oder Fahrrad zu fahren – Zeit zu leben.

 

Ihr Gebet

Gebet

Lieber Vater im Himmel,
wir danken dir 
für den Verstand, den du uns geschenkt hast,
dafür, dass wir uns und die Welt
mit den Augen des Herzens sehen können
und in dem Licht deines Lebens
und deiner Liebe leben dürfen.
Amen.

Evangelisches Gemeindeblatt

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