Christliche Themen für jede Altersgruppe

So lange die Erde steht

1. Mose 8, 21–22 (in Auswahl)  Und der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Impuls zum Predigttext für den 20. Sonntag nach Trinitatis: 1. Mose 8,15-22.  Von Wolfgang Marquardt

Wolfgang Marquardt ist Pfarrer in Stuttgart-Gaisburg

Wie ist Ihnen Noah in Erinnerung? Nur aus Kindergarten und Grundschule?
Ein Konfirmand sah das Bild der Arche in unserer Kirche und meinte erstaunt: „Ach, die Arche Noah steht in der Bibel – ist das nicht von den Brüdern Grimm?“ Unvergessen auch das Radiohörspiel von Richard Stöckle und Walter Schultheiß als schwäbische Komödie beim Südwestfunk Landesstudio 1984.
Viel monumentaler war dann der Kinofilm mit Russell Crowe 2014. Ein Jugendlicher meinte zu diesem Film über die Arche Noah: „Das ist ja gar keine so harmlose Geschichte, wie ich sie in Erinnerung habe.“

Ein sinkendes Schiff, unsere Erde – und alle sitzen in einem Boot. Aber das Boot ist voll. Beschreibt das unser Lebensgefühl? Jeder denkt nur an sich, nur ich denk an mich und wenn alle an sich denken, dann ist an alle gedacht?
Die Erinnerung an die große Flut hat sich der Menschheitserinnerung eingeprägt. Eine Flut, die wirklich alles wegspült und in der man rein gar nichts mehr festhalten kann. Tsunami, Hochwasser und Vulkanausbrüche, so schrecklich sie sind, sind dagegen überschaubar. Hier ist ein Weltende in Sicht. Ein Untergang alles Bestehenden. Tohuwabohu wie einst am Anfang, bevor Gott die Welt erschuf und sein Geist über den Wassern lag. Das Ende der Menschheit.  Nur Noah und die Seinen mitsamt allen Tieren sind geborgen in einer kleinen Nussschale auf dem Wasser.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit war es möglich, dass Menschen die Welt zerstören. Heute ist es nicht nur möglich, sondern sogar eher wahrscheinlich.

Beschwören wir selbst eine Sintflut herauf? Sicher nicht mit Absicht, aber aus Blindheit und Dummheit. Wird schon werden, irgendwie ging es immer gut, meinen einige. Aber drohender Atomkrieg, Klimawandel, vergiftete und vermüllte Mitwelt, Atommüll, Diktatoren, Despoten und Populismus setzen uns zu und schnüren uns den Atem ab. Auch die Hoffnung? Hoffentlich nicht. Aber woher soll sie denn kommen, die Zuversicht, dass es nicht nur gerade noch einmal irgendwie gut geht, sondern wirklich anders und besser wird.  Und dass wir Menschen wirklich unsere Sinne erneuern und umkehren in die offenen Arme Gottes!

Mir ist nicht wichtig, ob man am Berg Ararat wirklich Bruchstücke der Arche Noahs gefunden hat. Wichtiger sind mir Bruchstücke der Hoffnung und eine unbändige Freude an der Umkehr von falschen Wegen. Je mehr Zeit, Geld und Energie wir in falsche Wege investieren, umso schwerer wird es, umzukehren.

Der Regenbogen steht für den Bund Gottes und für seine Gebote.
Christen sind Menschen des neuen Wegs.
Wir gehen diesen Weg, stehen zusammen und setzen uns auseinander, denn keiner hat der Weisheit letzten Schluss.

Angst vor Flüchtlingen, Energiewende, soziale Gerechtigkeit, militärische Bedrohung, so viele Fragen und keiner hat die eine einzige richtige Lösung.
Aber einer hat die Welt in seiner Hand: „He’s got the whole world in his hand“.
Im April 1986 beim Tschernobyl Atom­unfall wurde dieser alte Gospelsong für mich vom Kinderlied zum Erwachsenentrost.

Jetzt 2017 kommen von hilflosen Politikern alberne Ratschläge zum Schutz vor Atomangriffen im Pazifik. Mitten hinein in unsere bedrohte Welt klingt für mich dieses Bekenntnis Gottes: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören… und ich will hinfort nicht mehr schlagen, alles, was da lebt … so sprach Gott in seinem Herzen“.

Im Herzen des gerechten Gottes siegt die Liebe.
Verträumte Erinnerung an selige Kindergartentage wacht auf zu unbändiger Hoffnung für unsere Welt.
„Yes, we can?“ Mag sein, ich weiß es nicht.
Aber Gott kann, Gott sei Dank!

Gebet
Herr, unser Gott, lieber Vater im Himmel, du hältst die ganze Welt in deiner Hand.

Halte auch mich, meine Hoffnung und meine Angst, meine Kraft und meine Schwachheit,

und schenke uns ein neues Herz, das dich sucht und deine Welt erhält.

Amen.

 

 

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 47/2017

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