Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sorglos leben

Markus 4,26–29 Und Jesus sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Sexagesimä: Markus 4,26–29. Von Katrin Zürn-Steffens

Katrin Zürn-Steffens ist Pfarrerin an der Citykirche Reutlingen.


Jesus erzählt von der Zukunft. Mit einfachen Worten redet er vom Reich seines Vaters: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie.
Ein Mensch legt den Samen in die Erde und wartet selbstverständlich darauf, dass der Same aufgeht, auch wenn ihm schleierhaft ist, wie genau das passiert. Aber seine Erfahrung sagt ihm, es passiert – so wie jedes Jahr: Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.
Das Wesentliche passiert wie ein Wunder und ohne, dass der Mensch es versteht, von selbst wächst der Halm, die Ähre und zuletzt der Weizen in der Ähre heran. Ein kleines Korn bringt üppigen Ertrag, und der Mensch tut nichts dazu, er muss nur noch ernten: Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da. Die Ernte erscheint wie ein reich gedeckter Tisch, an den man sich nur setzen muss.
So ist das mit dem Reich Gottes. Der Same ist schon gelegt, und Nacht und Tag vergehen, unaufhaltsam bricht die gute Zukunft in unsere Gegenwart hinein – und wir müssen nichts tun. Jesus erzählt mit provozierender Sorglosigkeit. So sicher wie die keimende Saat im Frühling und der gelbe Weizen im Sommer ist es, dass Gott sein Reich baut.
Die Zukunft, für den Menschen im Gleichnis bedeutet sie alles. Die Ernte fest im Blick, legt er den Samen in die Erde. Ganz ähnlich sind auch wir aufgestellt. Wir denken darüber nach, welche Weichen wir stellen, um es in Zukunft gut und schön zu haben. Schul- und Berufswahl, Familienplanung, die Zeit der Rente bis zur Wahl des Ortes für die letzten Lebensjahre: Immer müssen Pläne gemacht, Entscheidungen getroffen werden, die unser weiteres Leben bestimmen. Unser Blick geht nicht selten mit Sorge in Richtung Zukunft.
Planen und Sorgen ändern nichts daran, dass die Zukunft nicht in unserer Hand liegt. Der bange Blick nach vorne lähmt, macht blind für das Hier und Jetzt. Jesus bricht das auf, er wendet unseren Blick zum Anfang, zeigt uns, dass der Samen schon in der Erde liegt. Und er zeigt auf das Ende, die reiche Ernte, den gedeckten Tisch. Vergangenheit und Zukunft sind schon bestimmt – auf gute Weise. Die Saat wächst, sein Königreich kommt, dieses Wunder passiert Tag und Nacht und ohne unser Zutun.
Zwischen Anfang und Ende, zwischen Vergangenheit und Zukunft liegt unsere Zeit. Zeit, die wir leben dürfen in Sorglosigkeit. Wenn das Ende schon ein positives Vorzeichen hat, das wir auch nicht mehr ändern können, bleibt plötzlich mehr Freiheit für das Hier und Jetzt: Zeit für Ruhe und innere Einkehr, Zeit, die Spuren der wachsenden Saat zu entdecken und ihnen zu folgen. Fest verwurzelt in Gottes Anfang und Ende entwickelt sich eine neue Perspektive auf die Gegenwart: Es entsteht Lebenszuversicht, die das Leben nach Plan unnötig macht.
Das Bild von der Ernte, die üppig und ganz von allein wächst, vom faulen Landwirt, der einfach nur abwartet, um dann reich belohnt zu werden, provoziert. Es passt nicht in unsere protestantische Wirklichkeit, in der die Arbeit, die Mühe und das Planen hohe Anerkennung genießen. Das Bild, das wir von Martin Luther und seiner Frau malen, macht das deutlich: Luther wird mit seiner legendären Unermüdlichkeit im Kampf um Wahrheit zum Helden. Katharina ist die Frau, die mit viel Fleiß und sehr erfolgreich den Hof ihres Mannes führt und ihm den Rücken freihält. Die Strebsamkeit dieses vorbildlichen Paares wirkt nach.
Wenn es um Gottes Reich geht, dann müssen wir einfach nur abwarten. Es liegt nicht an uns, dass es kommt. So wie dem Menschen im Gleichnis Zeit, Nacht und Tag geschenkt werden, so schenkt uns Gott mit dieser Perspektive Zeit, die wir füllen sollen. Jesus lebt diese Zeit in Sorglosigkeit, und wer sollte es besser wissen als er? Ihm zu trauen und damit unser Sorgen und Planen in die richtige Perspektive zu setzen, das ist die Herausforderung unserer Tage.


Gebet

Bevor wir da waren,
noch im Mutterleib – ohne Form,
da warst du da, Gott, und nanntest uns dein Eigen.
Auch jetzt, wo wir unsere Träume träumen
oder die Zukunft austüfteln,
bist du da und sagst: „Ich bin der Weg.“
Du erwartest nicht, dass wir erfolgreich sind,
sondern treu.
Unsere Zukunft legen wir in deine Hände:
Dein Reich komme, dein Wille geschehe.
Amen.





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