Christliche Themen für jede Altersgruppe

Stürmische Zeiten

Matthäus 14,22–33  Und alsbald drängte Jesus die Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm ans andere Ufer zu fahren, bis er das Volk gehen ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er auf einen Berg, um für sich zu sein und zu beten. Und am Abend war er dort allein. Das Boot aber war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer. Und da ihn die Jünger sahen auf dem Meer gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin‘s; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und sie stiegen in das Boot und der Wind legte sich. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

Impuls zum Predigttext für den 4. Sonntag nach Epiphanias: Matthäus 14,22–33. Von Stephan Schwarz

Stephan Schwarz ist Pfarrer in Großdeinbach im Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd.

Die Angst zu ertrinken, muss schrecklich sein. Die Angst davor, keine Luft mehr zu bekommen, Wasser einzuatmen, schlicht zu ersticken. Petrus hat sie gespürt, diese lebensbedrohliche Angst, als er Jesus auf dem See entgegenging und befürchten musste, unterzugehen.

Die Angst zu ertrinken, muss schrecklich sein. Die Angst davor, keine Luft mehr zu bekommen, Wasser einzuatmen, schlicht zu ersticken. Amerikanische Gefangene haben sie gespürt, als man sie dem sogenannten „Waterboarding“ unterzog. Beim Gefolterten entsteht der Eindruck, er müsse ersticken. Der amerikanische Präsident George W. Bush hatte sie nach dem 11. September 2001 angeordnet. Man kann davon ausgehen, dass die gefolterten Menschen schwere psychische Schäden davontrugen.

Die Angst zu ertrinken, muss schrecklich sein. Die Angst davor, unterzugehen, keine Luft mehr zu bekommen, Wasser einzuatmen, schlicht zu ersticken. Ich weiß nicht, wie viele Menschen sie spüren, die auf der Flucht über das Mittelmeer mit zweifelhaften Booten versuchen, ins sichere Europa zu gelangen. Laut Schätzungen der UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, sind allein im Jahr 2016 mehr als 5000 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer durch Ertrinken gestorben, mehr als je zuvor, mehr als vierzehn an jedem einzelnen Tag des Jahres. Der sechzehnjährige Malang aus dem westafrikanischen Gambia ist einer derjenigen, die es überlebt haben. Mit vierzehn Jahren ist er aus Not aus seiner Heimat geflohen, weil er zuhause keine Lebensperspektive mehr sah. Anderthalb Jahre lang war er auf einer Odyssee auf sich allein gestellt unterwegs. Und hat sein Leben riskiert, um leben zu können.

Petrus hatte Glück. Jesus streckte ihm seine Hand entgegen, packte ihn und zog ihn heraus. Und Petrus wurde gerettet. Was für ein Glück!

Am 22. Januar 2009, unmittelbar nachdem er im Amt war, ordnete der amerikanische Präsident Barack Obama an, das „Waterboarding“ und andere Folterpraktiken  zu verbieten. Was für ein Glück, wenn es Regierende gibt, die sich der Rechtsstaatlichkeit und den Menschenrechten verpflichtet wissen. Und was für eine Katastrophe, wenn sich Machthaber durch Menschenverachtung und Gewalt hervortun.
Der sechzehnjährige Malang aus Gambia ist in Württemberg von einer Pflegefamilie aufgenommen worden. Nun ist er nicht mehr auf sich allein gestellt, lernt Deutsch, besucht eine Schule. Ob sein Asylantrag anerkannt wird, ist noch offen. Wie sein Leben weitergehen wird, auch.

Die Anhänger Jesu haben die Geschichte vom Sturm auf dem See immer wieder erzählt: Wie es war, als sie Todesangst im Sturm auf dem See ausgestanden haben, wie es war, als Jesus Petrus mit kraftvoller Hand gerettet hat, und wie am Ende alles gut ausging: Der Sturm hatte sich gelegt, das Boot war nicht gekentert, und Jesus war bei ihnen. Und wir erzählen die Geschichte weiter.


Gebet
Jesus,
du kennst meine Angst.
Strecke mir deine Hand entgegen.
Sag auch zu mir: „Fürchte dich nicht!“.
Amen.

Luthers-Familienzeit

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THEMA - Die Bergpredigt

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