Christliche Themen für jede Altersgruppe

Taufe feiern, aber richtig

Biertische, ein künstlicher Wasserlauf und Musik: In Knittlingen hat die Kirchengemeinde die Taufe erstmals wie ein Dorffest gefeiert. Rund 250 Menschen machten daraus ein unvergessliches Ereignis. Ein Beispiel, wie in Württemberg über Taufe neu nachgedacht wird.


Taufkerze, Bibel, Musik von der Jugendband: Beim Knittlinger Tauffest  geht es feierlich und fröhlich zu. (Foto: Gemeindeblatt)

Für Ilbay Sariyildiz ist das ein ganz besonderer Tag. Schon seit langem bewegt den 38-jährigen Mann die Frage, wann er seinen Glauben öffentlich machen soll. Geboren wurde er als Muslim in Deutschland, als Sohn türkischer Eltern, doch das Leben hier hat ihn dem Christentum immer näher gebracht.

Nun ist der Augenblick gekommen, dass er sich taufen lässt. Das fällt ihm umso leichter, „weil das Fest genauso bunt ist wie mein Leben“. Pfarrer Hans Veit flüstert ihm seinen Taufspruch ins Ohr, während im Hintergrund der Gospelchor weitersingt. Unter dem Taufbecken plätschert ein kleiner Bach, an dessen Rande Sonnenblumen blühen. Und in den feierlich-ernsten Gesichtsausdruck des Täuflings mischt sich nun ein kleines, feines Lächeln. Geschafft.

Ilbay Sariyildiz ist einer von acht, die an diesem Sonntag getauft werden. Vier Kinder sind es und vier Erwachsene, Babys sind keine darunter. „Das Besondere ist“, sagt Pfarrer Hans Veit, „dass diese Täuflinge schon reden können“. Das Besondere ist allerdings auch, wie diese Taufe gefeiert wird: als Dorffest, im malerischen Karée des alten Pfleghofes, zwischen Biertischen, Grillständen und einem Bühnenprogramm. Es ist ihr Tag und ihr Gottesdienst, um nichts anderes als die Taufe geht es an diesem Tag in Knittlingen (Dekanat Mühlacker).

Das Tauffest ist ein Experiment für die Kirchengemeinde. Hervorgegangen aus der Erkenntnis, dass auch in Knittlingen die Zahl der Menschen ohne Taufe inzwischen erstaunlich hoch ist. Und inspiriert von Vorbildern in Baden oder in Ulm, wo Tauffeste jeweils guten Anklang fanden. Warum das Ganze also nicht selbst ausprobieren und den Sonntagsgottesdienst auf 11 Uhr und ins Freie verlegen, wo man mit den Täuflingen und ihren Familien dann gemeinsam feiern kann?

100 Menschen aus der ganzen Stadt werden angeschrieben, bei denen ein Familienmitglied evangelisch, ansonsten aber kein Taufdatum bekannt ist. Informationen wurden verteilt an andere, von denen man weiß, dass sie nicht getauft sind, aber offen sein könnten. Da ist die Frau aus der ehemaligen DDR, die einen christlichen Mann heiratet und ihr Kind taufen lässt. Der Muslim, dessen Partnerin im evangelischen Kindergarten arbeitet. Die fünf, sechs, neun und elf Jahre alten Kinder, die nun selbst entscheiden sollen, ob sie sich taufen lassen möchten.

Wie ein kleines Dorffest: Rund 250 Menschen versammekten  sich im Pfleghof.

Am Ende steht die stolze Zahl acht. „Für drei von ihnen, „sagt Pfarrer Veit, „hat das Tauffest den Ausschlag gegeben“. Weil sie sich dort nicht so beobachtet vorkommen und mehr unter ihresgleichen sind. Weil alles so leger und so locker ist. Und weil es bei dem Gottesdienst so fröhlich zugeht, dass zwischendurch auch mal laut gelacht werden darf.

Sie sind in kunterbunten Farben gekommen zum Taufgottesdienst. Mit Turnschuhen, kurzen Hosen und T-Shirts. Manche tragen Hemd und Hose, jeder so, wie er’s mag. Dann singt die Jugendband, mit E-Bass und E-Gitarre, Musik zum Mitklatschen. Immer wieder gibt es Applaus. „Feiern Sie kräftig mit“, sagt der Pfarrer, der über beide Backen strahlt, weil fast 250 Menschen dieses Fest zu einem richtigen großen Ereignis machen.

Weiterlesen bei EvG-Extra

Wenn Sie diesen Artikel lesen möchten, dann kaufen Sie sich den Inhalt direkt hier für einmalig EUR 0,69 je Artikel. Weitere Informationen zu EvG-Extra erhalten Sie hier.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 47/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.