Christliche Themen für jede Altersgruppe

Trost und Klarheit

Johannes 16,7+8  Aber ich sage Euch die Wahrheit: Es ist gut für Euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe kommt der Tröster nicht zu Euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu Euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht.


Impuls zum Predigttext für Pfingsten: Johannes 16,5–15.  Von Gabriele Arnold

Gabriele Arnold ist Prälatin in Stuttgart.




Muttertag, Vatertag und Pfingsten. Die Monate Mai und Juni sind voller Feiertage. Für Muttertag sind Erzieherinnen und Grundschullehrer wochenlang mit den Kindern am Basteln und Auswendiglernen, und ich erinnere mich mit leiser Rührung an die kleinen Geschenke, Gedichte und Bilder meiner Söhne. Und am Vatertag, der ja eigentlich der Himmelfahrtstag ist, ziehen Väter und solche, die es werden wollen, in ganzen Rudeln durch die Wälder. Aber Pfingsten?
Pfingsten ist für die Kirche von größter Bedeutung. Wir feiern den Geburtstag der Kirche und in diesem Jahr, im Jahr des Reformationsjubiläums, feiern wir den Geist der Freiheit, der die Kirche am Leben erhält, reformiert und zu neuen Ufern und Aufgaben führt. An Pfingsten feiern wir die Ankunft Gottes in seinem Geist bei uns auf der Erde. Leider ist der Geist nicht so goldig wie ein Baby und lässt sich auch nicht so gut vermarkten wie eine heilige Familie. Aber eigentlich müssten wir an Pfingsten genauso gut besuchte Kirchen haben wie an Heilig Abend. Denn Gott kommt, er kommt im Geist. Und von diesem Geist spricht Jesus, und er versucht seine Jünger mit dem Versprechen des Heiligen Geistes zu trösten. Zu trösten über seinen Weggang aus der sichtbaren Welt.
Trost hatten die Jüngerinnen und Jünger damals bitter nötig, denn der, um den ihr Leben kreiste, war nicht mehr da. Sie konnten ihn weder sehen noch hören. Ganz so, wie es uns geht. Aber Jesus verspricht auch uns, dass wir nicht allein bleiben. Er schickt uns den Heiligen Geist. Den Tröster, so nennt er ihn. Tröster, das ist ein besonders schöner Name für Gott. Denn es ist ja Gott selber in seinem Geist, der als Tröster zu uns unterwegs ist. Und so entdecke ich plötzlich Gottes Spuren in meinem Leben. Den Tröster. Da ist die junge Krankenschwester, die mich in den Arm nimmt und sagt, das wird schon wieder mit Ihrem Mann, oder es ist der Kollege, der sagt, geh heim, ich übernehme das für dich, schau nach deiner Familie. Gottes Wege in unserer Welt sind so überraschend und so vielfältig. Immer ist der Tröster unterwegs in unserem Leben. Nicht nur sonntags im Gottesdienst. „Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet“ heißt es beim Propheten Jesaja. Kann es etwas Näheres, Vertrauteres geben?
Aber der Heilige Geist kann noch mehr als trösten. Der Heilige Geist ist die große Kraft der Erneuerung. Und dazu gehört, sich einzugestehen, wie wir dran sind. Das meint Jesus, wenn er vom Geist sagt, dass er uns die Augen auftun wird. Die einen sind Meister im Vertuschen, Wegschauen und Beschönigen. Andere reden alles schlecht, sehen überall Gefahren und verbreiten so das schleichende Gift der Resignation. Beidem wehrt der Heilige Geist. Er erlaubt uns nicht, uns unser Leben so lange schön zu reden, bis es rund und bruchlos ist. Aber er verbietet uns auch, immer nur nach Fehlern und Gefahren zu suchen. Der Geist macht uns mutig. Und er hilft uns, das Elend der Welt auszuhalten, auch dann wenn wir lieber wegschauen würden, wenn es kalt und blutig wird in der Welt.
Der Geist macht unseren Blick klar und schärft unser Gewissen. Wir können uns nicht zufrieden geben mit den Ungereimtheiten in unserem Leben und dem Elend der Welt. So hilft uns der Geist, dem Bruder die Hand zu reichen und um Vergebung zu bitten, er hilft uns, nicht so nachtragend und beleidigt zu sein – jedenfalls nicht so lange. Und der Heilige Geist befreit uns von dem Gesetz der Resignation. „Da kann man nichts machen“, ist ein geistloser Satz und somit ein zutiefst gottloser Satz. Wir können etwas tun. Es ist eben nicht egal, was ich einkaufe und wo. Und es ist nicht egal, ob ich meinen Geldbeutel für die Armen öffne oder nicht, und es ist auch nicht egal, was ich denke, wie ich rede und welche Partei ich wähle. Wie schön, dass uns Gottes Geist an Pfingsten daran erinnert. In diesem Sinne: Frohes Fest.



Gebet
Komm Heiliger Geist und erneuere das Angesicht der Erde und fang bei mir an.
Komm Heiliger Geist und verwandle die Resignation in  Aufbruch und fang bei mir an.
Komm Heiliger Geist und tröste die Schwachen und fang bei mir an.
Amen.






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THEMA - Die Bergpredigt

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