Christliche Themen für jede Altersgruppe

Tür um Tür hin zu Jesu Geburt

Adventskalender sind schon seit dem 19. Jahrhundert in Mode. Kindern und Erwachsenen gefällt es, jeden Tag ein Türchen zu öffnen und dahinter hübsche Bilder oder auch etwas Größeres zu entdecken. Dabei spielt die Tür im Advent auch eine geistliche Rolle.


Hinter die Türchen des Adventskalenders schauen, ist nicht nur ein Spaß für Kinder, sondern hat auch eine geistliche Dimension. (Foto: fotolia/wendeliu)

Als Kind habe ich mich jeden Tag gefreut, wieder ein kleines Fenster am Adventskalender aufmachen zu dürfen. Und gegen das Licht gehalten ,konnte man als schimmerndes Bild etwas Kleines, kostbar Geheimnisvolles schauen: spannende Zeit – ganz frühe Erinnerungen. Für Kinder ist so ein Warten, Abwarten, das so unvorstellbar viele Tage dauert, gar nicht so leicht. Bescherung gibt’s erst an Weihnachten.

Die Spannung macht das Warten eindringlicher und schöner: Was wartet hinter dem nächsten Türchen? Dann das Türchen am 24., am Ziel, kein Vergleich zu vorher. Ein Bild des Friedens, schön und groß, größer als vorher.

Advent und Tür – das gehört zusammen, diese besondere Zeit und ihr großes Symbol. Eine verschlossene Tür, wie eine Wand, nichts zu sehen, nichts zu machen. Alles versperrt. Der Zustand des Abgeschottetseins, entweder niemanden einzulassen, einsam, arm und verbohrt. Oder umgekehrt selber draußen zu sein, getrennt zu sein, keinen Zugang zu haben. Klopfen, rufen, schreien – wenn das alles zwecklos ist, sieht’s traurig aus, trostlos, zappenduster. Hoffnungslosigkeit schleicht sich ein, Verzweiflung macht sich breit.

Wie anders ist die offene Tür. Es wird licht. Wie eine freundliche Einladung, einzutreten, eingelassen zu werden. Ich bin gehört worden. Ich gehöre dazu. Da ist nichts Trennendes mehr. Einlass. Eingang. Eintritt. Freier Zugang. Nähe.

Diese beiden Bilder geben eine große Spannung wieder zwischen Glück und Desaster, von erlebter Depression und der Sehnsucht nach erfülltem Leben. Und Advent mit manchen Bräuchen und seiner Symbolik gibt der Sehnsucht der Seele nach dem Erlöser eine Bühne. Düfte, Klänge wie Vorboten für etwas Besonderes, Verheißung einer kommenden Welt. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich.“ Das ist das erste Lied in unserem Evangelischen Gesangbuch.

Das Lied stimmt gleich einen ganz weiten Horizont an, weit über mein privates Wohlergehen hinaus. Die Welt um uns herum ist so finster, weil der Erlöser ausgesperrt wird. Weil wir zumachen, uns verschließen und einigeln. Nach dem Motto: „Wir machen so weiter wie immer. Wir brauchen nichts und niemanden. Wir wissen, was am besten ist und lassen uns nicht helfen?…“

„Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit.“ Georg Weissel hat das Lied 1623 gedichtet. Der Dreißigjährige Krieg beschert Brutalität, nichts war mehr heilig, es gab keinen Respekt, keine Mitmenschlichkeit. Regiert wird ohne Nachsicht, roh und brutal. Das ganze geschundene Land sehnt sich nach einer Erlösung, Advent hat eine politische Dimension.

Fast gleichzeitig, 1622, hat Friedrich Spee von Langenfeld, ein Jesuit, ein mutiger Kämpfer gegen den Wahn der Hexenprozesse, ein Seelsorger, Professor und Prediger, das vielleicht eindringlichste Adventslied gedichtet (Evangelisches Gesangbuch, Nummer 7). „O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.“

Die Adventstür in kosmischer Dimension gedacht. Dieser Schrei, Gott soll Tor und Tür aufreißen. Ein biblisches Bild, der Prophet Jesaja schreit es heraus (63,19): „O Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß, im Tau herab, o Heiland, fließ. Ihr Wolken, brecht und regnet aus den König über Jakobs Haus.“

Das ist weder ländlich noch romantisch gemeint: „Träufelt, ihr Himmel, von oben, und ihr Wolken, regnet Gerechtigkeit!“, heißt es bei Jesaja (Jes 45,4), der hier zitiert wird. Eine schlimme Welt im Schock. Eine verwüstete Erde dürstet nach erlösenden, gerechten Verhältnissen. Weihnachten steht vor der Tür. „Friede auf Erden!“

Aber der kommt nicht. Darum so ein gesungener Notruf, dieser Hilfeschrei in der Sprache des Propheten. Politischer Advent! – kein Eiapopeia vom Himmel. Das Lied fand offene Kirchentüren, es ist ökumenisch in viele Gesangbücher eingegangen, Gott sei Dank.

Unsere Sehnsucht nach einer erlösten Welt in kosmischen Bildern und im Bild der Tür. Wir sind am Ziel, wenn wir beim Blick hinter die Türen, Tore und Türchen im Advent merken, wen wir erwarten. Wer hinter dieser Symbolik steht, wen sie meint. Es ist Jesus, der gesagt hat: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird Weide finden. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen“ (Johannes 10,9).



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