Christliche Themen für jede Altersgruppe

Unsere Einbürgerungsurkunde

Römer 16,25–27 Dem aber, der euch stärken kann gemäß meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, durch die das Geheimnis offenbart ist, das seit ewigen Zeiten verschwiegen war, nun aber offenbart und kundgemacht ist durch die Schriften der Propheten nach dem Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden: dem Gott, der allein weise ist, sei Ehre durch Jesus Christus in Ewigkeit! Amen.

Impuls zum Predigttext für den 2. Sonntag nach dem Christfest: Römer 16,25–27.  Von Anne-Kathrin Kruse

Anne-Kathrin Kruse ist Dekanin im Kirchenbezirk Schwäbisch Hall.

Sie stehen in einer Reihe, festlich gekleidet und ganz aufgeregt! Der Bürgermeister überreicht ihnen die Einbürgerungsurkunde. Endlich zu Hause ankommen! Endlich dazugehören mit allen Rechten und auch Pflichten – das haben sie sich schon lange gewünscht. Dafür sind sie einen langen Weg gegangen. Die Einbürgerung bedeutet für sie weit mehr, als eine Urkunde und den deutschen Personalausweis zu erhalten. Sie ist ihr Bekenntnis zu ihrer neuen Heimat und zu den Werten, die mit einem Leben hier verbunden sind.
Ein anderer Neubürger hat es endlich geschafft! Der Predigttext für den 2. Sonntag nach dem Christfest ist ein echter Randsiedler: Ganz hinten, am Ende des Römerbriefes ist er angesiedelt. So konzentriert er den ganzen Römerbrief in einen Satz über drei Verse zusammenzufassen sucht, stammt er wohl kaum von Paulus selbst. Und in den 36 Jahren seit der Reform der Ordnung der Predigttexte für jeden Sonntag ist er noch nie gepredigt worden. Aber vielleicht hat ja gerade dieser fremde Text etwas Wesentliches und Unerhörtes beizutragen, das wir noch nie so gehört haben.
„Das Geheimnis, das seit ewigen Zeiten verschwiegen war, nun aber offenbart und kundgemacht ist durch die Schriften der Propheten nach dem Befehl des ewigen Gottes.“ Das Christfest – es ist wie ein großes, prächtiges, buntes Mosaik.

An den Weihnachtsfesttagen haben wir aus der Nähe viele kleine Mosaiksteinchen gesehen: die Geburt des Kindes im Stall, die Krippe, Ochs und Esel, die Hirten auf dem Felde, und die Engel singen „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ Nun treten wir ein paar Schritte zurück. Das Ganze kommt in den Blick, die Geschichte Gottes mit den Menschen, wie sie die biblischen Geschichten erzählen.

Wir sehen dort auf dem Mosaik, wie Gott die Welt schafft, Himmel und Erde, Pflanzen, Tiere und die Menschheit. Noah und Abraham, Jakob und seine zwölf Söhne als die zwölf Stämme Israels sind zu sehen. Wir entdecken das Bild, wie Gott sein Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei befreit und durch die Wüste Sinai führt. Für den Weg in die Freiheit gibt er seinem Volk seine Weisung zum Leben, die Gebote. Sein Volk Israel, das kleinste und unscheinbarste unter den Völkern, wählt er aus und gibt ihm den Auftrag, Licht für die Völker zu sein und Gott in der Welt zu bezeugen.

Und wir Heiden? Wir aus den anderen, nichtjüdischen Völkern? Was ist mit uns? Wir tun uns schwer damit, dass Israel Gottes erwähltes Volk ist und nach Paulus auch bleibt. „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen“ (Römer 11,28). Aber Gott will doch, dass alle Menschen gerettet werden.

Das mag wohl das Geheimnis sein, von dem der Predigttext erzählt: Weihnachten – das ist das kleine Kind in der Krippe, das in seiner Ohnmacht und Wehrlosigkeit die Welt verändert. Weihnachten – das ist der Jude Jeschua („Gott wird erretten“) aus dem Gottesvolk Israel, der Messias Gottes, der für uns die Tür zum Volke Gottes öffnet, um „den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden“. Der uns zu Neubürgern und Weggenossen Israels macht. Weihnachten – das ist unsere Einbürgerungsurkunde: wissen, wohin ich gehöre, wo meine Zuflucht ist. Zu Hause ankommen und das Hören auf Gott, den „Gehorsam des Glaubens“, groß sein lassen.

Zugegeben, das klingt theoretisch, abgehoben und feierlich, wie vielleicht so eine Einbürgerungszeremonie. Aber zu wissen: Jesus Christus ist für mich gekommen. Ich darf dazugehören, Gott will nicht ohne mich sein, das macht mich froh. Und dann wird es lebendig und ganz praktisch: „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude!“ Freude und Jubel, Danken und Singen und Loben, eben Feiern ist angesagt, denn das Fest ist noch nicht zu Ende! Dem Gott, der allein weise ist, sei Ehre durch Jesus Christus in Ewigkeit! Amen.

Gebet:

Gott, dein Licht scheint in der Dunkelheit.
Deine Kraft stärkt die, die müde sind.
Deine Zärtlichkeit berührt alle,
die sich nach dir sehnen.
Dir vertrauen wir uns an,
du Licht und Leben in Ewigkeit.
Amen.

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