Christliche Themen für jede Altersgruppe

Verantwortlich glauben

Philipper 1,3–11 (in Auszügen) Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke für eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tag an bis heute; weil ich euch in meinem Herzen habe, die ihr alle mit mir an der Gnade teilhabt in meiner Gefangenschaft und wenn ich das Evangelium verteidige und bekräftige.

Impuls zum Predigttext für den 22. Sonntag nach Trinitatis: Philipper 1,3–11.  Von Annegret Weigl

Annegret Weigl ist Pfarrerin in Erdmannhausen.



Paulus schreibt diese Zeilen aus dem Gefängnis an die Gemeinde in Philippi. Jedes seiner Worte spiegelt für mich wider, mit welcher Beständigkeit und Beharrlichkeit er für das Evangelium eintritt. Er wollte, dass viele erfahren, was er selber erfahren hat: wertgeschätzt, gewollt, angesehen von Gott zu sein.

Beharrlich und beständig, diese Eigenschaften gehören für mich untrennbar zu Paulus dazu. Wieviel Kraft mag es ihn gekostet haben, immer wieder von Gott zu erzählen, auch dann wenn die Menschen sich von ihm abgewendet haben, ihn nicht hören wollten. Mit den Philippern, die von ihrer heidnischen Umwelt bedrängt werden, fühlt er sich im Leiden und im Evangelium verbunden.

Beständig und beharrlich für seine religiösen Überzeugungen einzutreten, erfordert Mut. Denken wir nur an Martin Luther, der auf dem Reichstag zu Worms 1521 für seine Überzeugung des Evangeliums vor Kaiser und Reich einstand. An Dietrich Bonhoeffer, der auch im Gefängnis nicht aufhörte, an der Hoffnung festzuhalten, und dadurch damals wie heute anderen Menschen Mut zusprach. An Corrie ten Boom, die aufgrund ihrer christlichen Überzeugung viele Juden in den Niederladen versteckte, entdeckt wurde, ins KZ Ravensbrück deportiert wurde und dort heimlich Bibelstunden hielt, um den Überlebenswillen vieler Mitgefangener zu stärken.

Beständig und beharrlich für den Glauben einzutreten, bereit zu sein, dafür zu leiden, diese Vorstellung ist heute negativ besetzt. Kommen uns da doch die Schreckensbilder von New York, Paris oder Brüssel in den Sinn. Auch wenn die Ereignisse der letzten Zeit fast alle einen islamischen Hintergrund haben, so müssen wir doch offen zugeben, auch im Namen des Christentums wurde Blut vergossen und Schuld auf sich geladen.

Paulus hat selbst am eigenen Leib erfahren, dass Beständigkeit und Beharrlichkeit auch negative Auswirkungen haben kann: Mit Beharrlichkeit und Härte hat er vor seiner Bekehrung in Damaskus die Christen verfolgt.

Vielleicht ist es gerade diese Erfahrung, die ihn voller Liebe und Zuneigung über die Philipper schreiben lässt: „Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi, erfüllt mit Frucht der Gerechtigkeit durch Jesus Christus zur Ehre und zum Lobe Gottes.“

Mit Liebe und Gerechtigkeit beständig und beharrlich seinen Glauben zu leben, dafür einzutreten und sich dabei in allem von Jesus Christus leiten zu lassen, das ist der Wunsch des Paulus für die Gemeinde in Philippi und auch für uns.

Was dies bedeuten kann, haben er und Silas in Philippi kurz nach der Gründung der Gemeinde vorgelebt. Wegen ihres Glaubens saßen beide im Gefängnis. Anstatt sich mit aller Gewalt körperlich oder verbal dagegen zu wehren, begannen sie zu beten und Gott zu loben. Den Peitschenschlägen begegneten sie mit Lobliedern, der Einsamkeit des Gefängnisses mit dem Gebet füreinander. Auf wundersame Weise wurden sie aus dem Gefängnis befreit. Neues Leben wird möglich. Wer der Gewalt nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe begegnet, in dem wird Gott die guten Werke, die er angefangen hat, vollenden (Vers 6).  Zu lieben, wo einem Hass begegnet, zu verzeihen, wo man verletzt wurde, ist nicht immer einfach und lässt uns auch an unsere Grenzen stoßen.

Ich wünsche uns aber, dass wir durch den Predigttext und die dahinter stehende Geschichte, wie Paulus und die vielen anderen unseren Glauben verantwortungsvoll und tolerant leben und so in der Liebe und der Erkenntnis wachsen.


Gebet

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt.
dass ich verbinde da, wo Streit ist.
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich dein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

Friedensgebet aus Frankreich

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

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