Christliche Themen für jede Altersgruppe

Verbindung mit Herz

DORNHAN (Dekanat Sulz) – In Dornhan ist aus einer Städtepartnerschaft deutsch-französische Ökumene entstanden. Seit 20 Jahren feiern evangelisch-lutherische, methodistische und katholische Christen ­gemeinsam Gottesdienste. Eindrücke von einer besonderen Freundschaft. 


Kerstin Schmidt-Peterseim und Hans Frieder Breynayer verbinden mit der ökumenischen Freundschaft eindrückliche Erinnerungen. (Foto: Julia Klebitz)

Wenn Hans Frieder Breymayer vom vergangenen Besuch der Franzosen in Dornhan erzählt, ist er auch zwei Monate später noch begeistert. „Es war wieder etwas ganz besonderes“, sagt der ehemalige Dornhaner Gemeindepfarrer. Seit mittlerweile 20 Jahren kommen im Sommer eine Gruppe aus dem Städtchen Pont de Vaux an der Saône bei Mâcon nach Dornhan im Dekanat Sulz. Breymayer hat viele dieser Besuche miterlebt.

160 Franzosen waren dieses Mal mit Bussen und Autos in die kleine Ortschaft am Rand des Schwarzwalds gereist. Und viele dieser 160 seien nach mittlerweile 20 Jahren Partnerschaft langjährige und gute Freunde.

Begonnen habe eigentlich alles mit einem Schüleraustausch, erzählt Breymayer. Nach ein paar Jahren seien dann auch Verbindungen zwischen den Feuerwehren, den Reit-  und den Sportvereinen entstanden. Und dann wagte Breymayer den Schritt, von dem die Partnergemeinden bis heute profitieren: „Ich dachte mir, wenn zwischen allen Vereinen und zwischen den Kindern Verbindungen bestehen, dann sollten doch auch die Kirchen zusammenkommen.“ Was einfach klingt, sei damals gar nicht so ohne weiteres möglich gewesen. „Für die Franzosen war es nicht vorstellbar, dass es nur eine protestantische Kirche gibt“, erklärt der Pfarrer. Und auch Gottesdienste, zu denen alle eingeladen waren, egal ob evangelisch oder katholische Christen, habe man sich zunächst nicht vorstellen können. Dennoch war Breymayer mutig: „Ich habe gefragt, ob ich ein Grußwort in der Kirche in Frankreich sprechen darf.“ In Pont de Vaux sei man erst skeptisch gewesen. „Klar, die Katholiken dort kannten ja keine Protestanten“, sagt  Breymayer. Das Okay bekam er dennoch. „Und meine Worte kamen gut an“, erinnert er sich.

Dieser Tag vor 20 Jahren war der Beginn eines jährlichen Konfessionen und Nationalitäten übergreifenden Gottesdienstes. Um die letzten Bedenken der französischen Freunde zu beseitigen, leisteten Breymayer und seine Kollegen der anderen Dornhaner Kirchengemeinden Aufklärungsarbeit. „Für die Schüler biete ich beispielsweise immer eine Führung durch die Kirche an“, erzählt der Pfarrer. Er finde es schade, dass viele der Kinder und Jugendlichen die Geschichte ihrer schönen gotischen Kirchen in Frankreich nicht kennen. „Weil sie dort keinen Religionsunterricht haben.“

Es gehe aber nicht nur um Glaube bei seinen Führungen, auch Kunst, Geschichte und Musik seien Themen. Besonders an einen der französischen Schüler erinnert sich Breymayer noch gut: „Der kleine Matthieu hat sich an die Orgel gesetzt. Und er hat sofort wunderbar losgespielt. Ein sehr begabter Junge.“

Als sehr eindrücklich und bewegend hat Breymayer auch in Erinnerung, als
Deutsche und Franzosen gemeinsam zum Kriegerdenkmal in Dornhan gewandert seien, um dort einen Kranz nieder zu legen und als sie am Hafen von Pont de Vaux ein pyramidenförmiges Denkmal für ihre Freundschaft errichtet haben. Ein ganzer Festzug sei da durch den Ort gezogen, die Musikvereine voraus. „Ich habe selten so etwas Herzliches erlebt wie diese Partnerschaft“, betont Breymayer immer wieder. Man feiere die Einschulung der Kinder gemeinsam, treffe sich auf dem Weihnachtsmarkt, gebe immer wieder gemeinsame Konzerte der deutschen und französischen Chöre und Musikvereine – mal in Frankreich, mal in Deutschland. Und dann sind da natürlich noch die ökumenischen Gottesdienste, die in dieser ausgeprägten Form nicht häufig vorkämen.

Auch Kerstin Schmidt-Peterseim, Pastorin der evangelisch-methodistischen Kirche in Dornhan, hält sie für etwas besonderes und wichtiges. „Sogar der Bürgermeister fragt jedes Jahr, ob wir wieder einen feiern“, sagt sie und freut sich darüber. Zweisprachig werde er abgehalten, „um die Sprache als größtes Hindernis zu überwinden“.

In diesem Jahr etwa hätten vier Geistliche den Bibeltext Johannes 1, 35-40 ausgelegt. Um die Frage „Meister, wo wohnst du?“ von Simon und Andreas an Jesus gehe es da, sagt Breymayer. Der katholische Pfarrer aus Pont de Vaux, die katholische Gemeindehelferin aus Dornhan, die evangelisch- methodistische Dornhaner Pastorin, und er, der frühere Dornhaner Gemeindepfarrer, hätten alle deutlich gemacht, wie die Jüngerfrage von damals auch die heutige Frage nach Sinn und Heimat sei. Im Glauben könne man beides finden, davon sind sie überzeugt.

Eine Vorstellung, die die Gottesdienstbesucher aus Frankreich und Deutschland vereint. Sogar für die „non-pratiquants“, die Franzosen, die sonst nicht in die Kirche gehen, seien die ökumenischen Gottesdienste ein Grund, immer wieder ein Gotteshaus zu besuchen. Die Partnerschaft sei also in vielerlei Hinsicht wichtig. Für den Glauben aber auch die Gemeinschaft an sich. Denn nach dem Beten komme auch das gemeinsame Essen und Feiern nie zu kurz. „Maultaschen und Kartoffelsalat und dazu einen Württemberger, das mögen die Franzosen“, weiß der Pfarrer. Die Delegation aus Dornhan könne sich dafür bei den Reisen nach Pont de Vaux auf ein „Bresshuhn“ freuen.

Eine Frage, die Breymayer trotz der guten Freundschaft bewegt: Wird es weiter gehen? „Ich hoffe, dass die Jungen, die nächste Generation, die Partnerschaft weiter pflegt“, sagt er und hält es nicht für selbstverständlich. Für ihn und seine Alterskollegen sei es etwas ganz besonderes gewesen, nach Frankreich reisen zu dürfen. „Heutzutage ist Frankreich aber kein Traumland mehr für junge Leute. Sie wollen nach Amerika oder Australien.“ Breymayer hat dennoch Grund zu hoffen: Zwar trügen hauptsächlich die Älteren die Partnerschaft, doch es kämen auch immer mehr Junge zu den Gottesdiensten und Feiern.

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