Christliche Themen für jede Altersgruppe

Versuchungen von heute

Matthäus 4,1–11 (in Auszügen) Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. Er aber antwortete: Es steht geschrieben: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ ... Da führte ihn der Teufel auf einen hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach: Das alles will ich dir geben, wenn du mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.“ Da verließ ihn der Teufel. Und Engel traten zu ihm und dienten ihm.


Impuls zum Predigttext für den Sonntag Invokavit: Matthäus 4,1–11.  Von Georg Ottmar

Georg Ottmar ist Dekan des
Kirchenbezirks Weinsberg.
(Foto: Markus Berroth)




„Führe uns nicht in Versuchung.“ So beten wir im Vaterunser. Aber wo erleben wir das heute, dass wir in Versuchung geführt werden? Welchen Verführungen können wir nur schwer widerstehen?

Eine häufige Versuchung ist das Streben nach Besitz. „Hast du was, dann bist du was!“ Wir kennen das aus der Werbung: „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht…“ Was uns gehört, hebt unser Selbstwertgefühl und steht uns zur Verfügung. Besitz und Macht gehören deshalb zusammen. Und: Besitz besteht nicht nur aus materiellen Dingen. Auch die Beziehungen, in denen wir leben, oder unser Engagement für eine gute Sache können als Besitz erlebt werden, als einen Machtbereich, über den wir verfügen wollen. Da heißt es dann: „Meine Familie, mein Kirchenchor, mein Ehrenamt…“ Lauter wertvolle Lebensbereiche! Umso größer ist deshalb die Versuchung, dass wir sie missbrauchen, um vor uns selbst und vor anderen gut dazustehen.

Anders ist es mit der Versuchung zum Leichtsinn. Es ist die Verlockung, Grenzen auszutesten: Grenzen des Erlaubten, Grenzen des Gewissens, aber schlicht auch Grenzen dessen, was vernünftig ist. Wenn es zum Beispiel um Steuerhinterziehung geht, wo ist da unsere Schmerzgrenze? Ist das eigene Schummeln bei der Steuererklärung nur ein Kavaliersdelikt? Aber wann sind die Grenzen überschritten? Bei den 28,5 Millionen eines Uli Hoeneß? Oder bei den Milliarden, die uns die weltweit aktiven Unternehmen vorenthalten, deren Produkte wir so häufig kaufen?

Auch die Verführung zum Leichtsinn gibt es in ihrer religiösen Spielart. „Wenn du nur genug betest, dann gelingt dir alles! Dann wirst du gesund! Dann hat du Erfolg!“ Gefährlicher Leichtsinn, wenn etwa das Gebet als Ersatz für eine dringend notwendige Krebstherapie empfohlen wird! Oder wenn riskante Entscheidungen getroffen werden mit der Begründung, Gott werde einen schon vor Schaden bewahren. Wer so handelt, ist nicht nur leichtsinnig, sondern verantwortungslos – gegen sich selbst, seine Mitmenschen und gegen Gott.

Und die vielleicht größte Versuchung: dass wir unsere Seele verlieren, indem wir irgendwelchen Trends oder Stimmungen oder Meinungsführern folgen. Es ist gewiss nicht leicht, sich über so aktuelle Fragen wie Flüchtlingspolitik ein eigenes Urteil zu bilden. Aber es ist notwendig, um nicht den Einflüsterungen der großen Vereinfacher zu folgen, die mit unseren Ängsten spielen und Fehlinformationen verbreiten und Fremdenfeindlichkeit schüren. Gott dienen und seinen Geboten folgen, das ist das Gebot der Stunde, einmal mehr!

Jesus wurde versucht wie wir: Macht und Besitz, geistlicher Leichtsinn, Abkehr von Gott und seinen Geboten, das wollte der Teufel, der „diabolos“, zu deutsch: der Durcheinanderbringer. Jesus, der Sohn Gottes, hat sich nicht durcheinanderbringen lassen. Und hat auch uns, die er „Kinder Gottes“ genannt hat, das Handwerkszeug dazu gegeben: Gottes Gebote – und das Gebet, insbesondere die Bitte des Vaterunsers: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“

 

Ihr Gebet

Gebet

Herr Gott, himmlischer Vater,
du hast deinen Sohn in die Welt gesandt,
dass er die Macht des Bösen besiege.
Erhalte uns in allen Versuchungen,
und gib uns deinen Geist,
dass wir dem Bösen widerstehen
und es durch dein Wort überwinden.
Im Heiligen Geist wirst du gepriesen
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 295.


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