Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vertrauen auf den Gerechten

Lukas 18,1–7 Jesus sagte ihnen ein Gleichnis darüber, dass sie allezeit beten und nicht nachlassen sollten, und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Witwe in derselben Stadt, die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue, will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage. Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er`s bei ihnen lange hinziehen?

Impuls zum Predigttext für den Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres: Lukas 18,1–8.

Kirsten Huxel ist Pfarrerin in Satteldorf im Kirchenbezirk Crailsheim und außerplanmäßige Professorin für Systematische Theologie an der Universität Tübingen.

Ungerechtigkeiten sind schwer zu ertragen. Sie können Menschen schaden und krank machen an Leib wie Seele. Unwillkürlich entsteht der Impuls, Abhilfe zu schaffen. Ein Kind rennt zu den Eltern. Es erwartet, dass diese von ihrem überlegenen Standpunkt aus den Zustand der Gerechtigkeit wiederherstellen.

Auch wir Erwachsene suchen ein Gegenüber, dem wir die Klage über das geschehene Unrecht anvertrauen können. Oft genügt es schon, wenn uns das Gegenüber anhört und unser Anliegen versteht. Manchmal aber ist es nötig, dass wir es nicht einfach beim Klagen belassen, sondern dass Taten folgen: Jemand wird zur Rede gestellt, bei seinem unrechten Tun behaftet und zur Rechenschaft gezogen.

Nein, es ist nicht unchristlich, in dieser Weise Gerechtigkeit einzufordern, wenn es um Recht und Wiedergutmachung, nicht aber um Rache geht! Auch wenn wir ein Unrecht selbst meinen ertragen zu können, dürfen wir es oftmals doch nicht stillschweigend hinnehmen. Denn dann könnte es geschehen, dass es sich wiederholt und womöglich einen Schwächeren trifft. Die Liederlichkeit macht sich ja gerade dort besonders breit, wo man sie aus falsch verstandener Gutmütigkeit nicht in ihre Grenzen weist.

Wir haben um der Liebe willen die Pflicht, Unrecht nicht einfach stehen zu lassen. Unser ganzes Miteinander lebt davon, dass der gerechte Ausgleich gesucht wird. Darum die Waage als Symbol der Rechtsprechung. Wenn uns Gerechtigkeit widerfährt, dann ist auch unser persönliches Gleichgewicht wiederhergestellt und unser Leben zurück ins Lot gebracht.

Kein Wunder also, dass das Vertrauen auf Gott als Richter eines der großen Hoffnungsbilder des christlichen Glaubens ist. Um Recht schaffen zu können, braucht es Macht, einen überlegenen Standpunkt und ein besonnenes Urteilsvermögen. Auf Erden mag es gerechte oder ungerechte Richter geben. Doch der höchste Richter über alles wird auf jeden Fall sein letztgültiges Urteil sprechen.

Das ist die Hoffnung des Glaubens: Gott wird Recht schaffen! Er wird aufrichten diejenigen, die erniedrigt wurden, und erniedrigen die, die sich unrechtmäßig über andere erhöht haben.

Diese Heilszusage gibt Christus im Gleichnis von der bittenden Witwe – mit Bestimmtheit, aber auch mit einem Augenzwinkern und einer Prise rabbinischen Humors: Dieser hartherzige, selbstherrliche Richter, der selbst Gott nicht fürchtet, lässt sich am Ende doch von einer kleinen, so gar nicht Furcht einflößenden Witwe erweichen. Und dies nur, weil sie sich nicht abwimmeln lässt, sondern immer wieder zu ihm rennt und den Mut hat, unbequem zu sein. Bei so viel bezwingender Hartnäckigkeit rührt sich auch im ungerechten Richter ein Rest von Anstand und Rechtsgefühl.

Doch wenn sich schon ein ungerechter Richter erweichen lässt, um wie viel gewisser erst der gerechte Gott! Jesus hält es allen ungläubigen Zweiflern entgegen: Auch wenn es derzeit noch nicht so aussieht in dieser Welt – Gott wird den Seinen ganz gewiss Recht verschaffen! Eine falsch verstandene Demut soll uns daher nicht den Weg verstellen, unermüdlich auf Gerechtigkeit hinzuwirken.

Im Beten suche ich Zuflucht bei Gott vor meinen Widersachern, aber auch vor meiner eigenen rasenden Wut und Bitterkeit, die mein Leben vergällt und mich aus dem Gleichgewicht bringt. Ich renne immer wieder zu Gott hin und vertraue inständig auf seine Gerechtigkeit.

Gebet

Hilf, Herr,
dass wir nicht der Ungerechtigkeit
das Feld überlassen,
dass wir nicht mutlos und bitter werden.
Erlöse uns von dem Bösen,
auf dass dein Reich komme!
Amen.

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