Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vom Segen, der frei macht

Hebräer 13,20+21 Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Miserikordias Domini: Hebräer 13,20+21.  

Der promovierte Theologe Richard Mössinger ist Pfarrer in der Friedens­gemeinde in Heilbronn.


Mit einem Segen endet der Hebräerbrief. Eine große Ermutigung beschließt diese Predigt an eine erschöpfte Gemeinde. Der Apostel weiß um die Müdigkeit der Christen. Er kennt ihre Enttäuschung. Er sieht, wie viele die Gemeinde verlassen. Der Hebräerbrief ist alles andere als wirklichkeitsfremd. Trotzdem gibt er den Mut nicht auf und entlässt die Gemeinde mit einem Segen.

„Ite missa est“, so endet die katholische Messe. Auf Deutsch heißt das: „Geht hin, es ist getan.“ Diese Übersetzung ist nicht wörtlich, sondern spricht den Grund der Sendung an, denn die Aussendung gilt ja den Gesegneten.

Glaubt an den Frieden Christi und lebt so. Glaubt an Gottes Güte und lebt so. Glaubt an das Wunder des Heiligen Geistes und lebt so. Folgt dem großen Hirten der Schafe. Bleibt bei allen Enttäuschungen zuversichtlich.

Am Ende des Gottesdienstes steht der Segen, der die Gemeinde für die Nachfolge Christi stärkt. Der Segen wirkt.

Johann Hinrich Wichern hat sich in der Spur des guten Hirten auf die Leidenden seiner Zeit eingelassen. Er machte bei den Elenden Besuche. In persönlichen Notizbüchern hat er sich über die Verhältnisse Rechenschaft abgegeben. Was er sah, war deprimierend: „Den 10. Oktober ging ich zu der Familie. Die Bude enthielt ein Stübchen und eine Diele. Im Zimmer eine hölzerne Kommode, ein Stuhl, ein Ding, das wie ein Tisch sein sollte, ein zerlumpter Lehnstuhl. In der Ecke ein Haufe Stroh, darüber ein Strohsack und Lumpen, unter den Lumpen ein 73-jähriger Mann, an der Brustkrankheit entsetzlich krank, dass er kaum sprechen konnte, ohne Wäsche, ohne Kopfkissen – ein Bild des Entsetzens und des herzschneidenden Jammers. Die Frau (39 Jahre alt) nur mit einem Kattun-Leibchen bekleidet und schier weiter nichts auf ihrem Leibe, so dass das bloße Fleisch heraussah. Ebenso ein großgewachsenes Mädchen Marie (13 Jahre) und ein großer Bengel (Louis 23 Jahre) und zwei Knaben Heinrich 8 Jahr alt und August 10 Jahre, und Naucke 5 Jahre. Alles ohne Wäsche, klappernd vor Hunger und Frost. Die Lippen strömten über von Klagen über ihren Jammer, alle sprachen zugleich.“

Unzählige solcher Begegnungen hat Wichern protokolliert: Elend, Trunkenheit, Prostitution, Diebstahl, Gewalt, es hört nicht auf. Niemand tat etwas. Es gab keinen Sozialstaat. Grenzenlos schien das Elend. Johann Hinrich Wichern hat sich dem ausgesetzt. Er hat sich vom Ausmaß der Not nicht überwältigen lassen. Berührt vom guten Hirten empfand er: Hier muss ich etwas tun. Dafür konnte er vieles zurückstellen. Theodor Heuss prägte für Wichern den wunderbaren Satz. „Er hatte keine Zeit, ein großer Theologe zu werden, da es ihn eilte, ein guter Christ zu sein.“

Johann Hinrich Wichern machte sich auf den Weg. Er sammelte Menschen und öffnete ihnen für das Elend die Augen. Er sammelte Geld. Motivierte Handwerker, die um des guten Hirten willen, den verwahrlosten Kindern etwas Praktisches zu lernen. So wie heute noch Mario, der Friseur, einen Tag seinen Salon schließt und in den Elendsvierteln von Quilmes in Argentinien junge Menschen Haare schneiden lehrt. Sie sollen eine Aufgabe haben und in kleinen Schritten mit einem Lebensunterhalt beginnen können.

Trotz vieler Widerstände nahm sich Wichern der Nöte an. Er war dafür frei im Sinne des „Ite missa est“: Geht hin, es ist getan.

So wirkt der Segen. Gesegnet kann ich für andere frei werden. In der Spur des guten Hirten nimmt die Sorge ab. Wo ich behütet bin, kann ich zu behüten suchen. Christlich gesehen ist das Elend nicht das Ende.

Deshalb kann ich versuchen, mich der öffentlichen Nöte anzunehmen, auch wenn sie so aussichtslos scheinen wie bei Wichern. Und ich entdecke Weggefährten, die auch in der Spur des guten Hirten gehen wie diese Eltern, die in bewunderungswürdiger Fürsorge ihre Geburtsanzeige aufsetzten. „An einem sonnigen Tag wurde unser Kind geboren. Es kam ohne Füßchen auf die Welt. Es wird es schwerer haben als viele andere Kinder. Nun liegt es an uns, ihm alles zu geben, es soll aufrecht durch das Leben gehen.“

 

Ihr Gebet

Gebet

Herr, erwecke deine Kirche
und fange bei mir an.
Herr, baue deine Gemeinde auf
und fange bei mir an.
Herr, bringe deine Liebe und Wahrheit
zu allen Menschen
und fange bei mir an.
Amen.

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