Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von den Verheißungen Gottes

Matthäus 21,1–9 (In Auszügen) Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf und er setzte sich darauf. Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herren! Hosianna in der Höhe!

Impuls zum Predigttext für den 1. Advent: Matthäus 21,1–9.  Von Gabriele Wulz

Prälatin Gabriele Wulz leitet die Prälatur Ulm.

„Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!“ Mit diesem ersten Adventssonntag zieht Aufbruchsstimmung in unsere Gemeinden und in unsere Kirchengebäude ein. Freudige Erwartung liegt in der Luft.

Zur Vorbereitung eines Festes gehört es aber auch, Platz zu schaffen. Vieles hat sich im Laufe eines Jahres angesammelt – nicht nur an Materiellem, sondern auch an enttäuschten Hoffnungen und Bitterkeit. Wir ahnen: Die Fülle, die uns umgibt, kann die innere Leere nicht kompensieren.

Der Evangelist Matthäus kann mit solch novemberlicher Befindlichkeit nichts anfangen. Er ist ganz anders gestimmt und nimmt uns deshalb am 1. Advent mit hinein in eine Geschichte voller Hoffnung. Mit seiner Schilderung des triumphalen Einzugs Jesu in Jerusalem will er auch uns in eine gespannte Erwartung versetzen.

Die Vorbereitungen muten zwar ziemlich konspirativ an. Nur die Eingeweihten verstehen die Zeichen. Aber intuitiv kapiert das Volk, worum es geht, und jubelt: „Hosianna dem Sohn Davids!“ Und wir stimmen in den Jubel mit ein und singen: „Komm, o mein Heiland, Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.“ Das Vertrauen, „dass Gott uns nicht im Stich lässt“, verbindet uns über die Jahrtausende und über Kontinente hinweg mit der jubelnden Menschenmenge in Jerusalem.

Aber so ganz unbefangen können wir uns dann auch wieder nicht in die fröhliche Menschenmenge einreihen. Wir wissen ja, wie es weitergeht. Auf das „Hosianna“ wird ein paar Tage später das „Kreuzige“ folgen.

Wenn aber Erwartungen enttäuscht werden und Hoffnungen sich zerschlagen, dann geht etwas verloren.

Ich kann deshalb Menschen gut verstehen, die nichts mehr erwarten wollen und die sich vor der vor ihnen liegenden Advents- und Weihnachtszeit regelrecht fürchten.

Vielleicht hilft denen ein anderer Gedanke. Dietrich Bonhoeffer sagte einmal, dass Gott nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen wahrmachen werde.

Für den 1. Advent 2014 könnte das heißen: Jesu Einzug in Jerusalem ist nicht nur ein großes Fest, sondern auch ein gewaltiges Missverständnis. Die Wünsche der Menge werden sich nicht erfüllen. Aber die Verheißung eines Königs, der nicht mit Heer oder Gewalt, sondern mit seinem Geist die Welt verändern wird, die ist wahrgeworden. Der Sanftmütige und von Herzen Demütige reitet auf einem Esel in die Stadt und wird zum Symbol des Friedens in einer friedlosen Zeit.

Dieses Bild erreicht auch uns und gibt unserer Hoffnung neue Kraft. Ich sehe diese Kraft am Werk, wenn Mina, die Leiterin der kleinen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Saporoshje in der Ukraine erklärt: „Gott lässt uns nicht im Stich.“ Kaum zu glauben angesichts der äußeren Verhältnisse. Aber trotzdem wahr. Und so setzt sich Mina tapfer und geradlinig für ihre Gemeinde ein und gibt in Zeiten der inneren und äußeren Verunsicherung und Not ein Zeichen der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes.

Der 1. Advent gibt uns die Chance, die kleinen Dinge zu entdecken und uns nicht vom Vordergründigen blenden und hinreißen zu lassen. Und selbst für Enttäuschte tun sich neue Perspektiven auf, wenn sie ihren Blick für das Unscheinbare schärfen. In meinem Engagement für das Gustav-Adolf-Werk erlebe ich oft, wie Christenmenschen in der Diaspora mir zum Beispiel dafür werden, wie Gott seine Verheißungen wahrmacht, auch wenn ich mir das alles ganz anders vorgestellt habe.

 

Ihr Gebet

Gebet

Wohin du kommst, Jesus Christus,
da kehrt Frieden ein,
da werden Menschen verwandelt,
zu hoffen und zu lieben,
sich zu freuen und sich geborgen zu fühlen.
Komm zu allen, die erschöpft sind und abgestumpft,
die nicht mehr an deine Liebe glauben können.
Komm zu allen, die in Streit und Unfrieden leben,
die grausamen Kriegen ausgeliefert sind,
die hungern und frieren und obdachlos sind.
Amen.

Aus: Gottesdienstbuch für die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Erster Teil, Stuttgart 2004, S. 223.

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