Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von der Barmherzigkeit Gottes

2. Mose 34,6–8 Und der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand, sondern sucht die Missetat der Väter heim an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied! Und Mose neigte sich eilends zur Erde und betete an.

Impuls zum Predigttext für den 19. Sonntag nach Trinitatis: 2. Mose 34,4–10.  Von Viola Schrenk

Viola Schrenk ist Pfarrerin in Waldhausen im Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd.

Heimsuchung bis ins dritte und vierte Glied: Das ist ein schwieriger Text. Er löst unangenehme Gefühle aus,  weil wir in der Regel eher am Negativen hängen bleiben: Wie kann das sein, dass die unschuldigen Kinder für die Sünden der Vorfahren büßen müssen?

Bei genauerem Zusehen ist aber genau das die menschliche Erfahrung: „Wem gehörsch du?“ fragen die Älteren in ländlichen Gebieten Kinder, die sie nicht kennen. Aber wenn sie dann wissen, in welche Familie das Kind gehört, ist alles klar – im Guten wie im Schlechten. Und wenn sich in einer Großfamilie einmal etwas Gravierendes ereignet hat, dann bleibt das im Gedächtnis, mitunter bis ins dritte und vierte Glied. Denn das ist die Zeitspanne, die ein einzelner Mensch maximal überblicken kann: von den Großeltern bis zu den Enkeln. Drei, maximal vier Generationen.

Das menschliche Gedächtnis ist besonders unbarmherzig, wenn es sich um negative Dinge handelt, um Fehlverhalten, um Schuld. Wenn jemand Schuld auf sich lädt, hat das immer auch Auswirkung auf die weiteren Lebenszusammenhänge und die eigene Familie. Sind die Eltern schlecht angesehen, hat das Kind in der Schule nichts zu lachen. „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Das ist ungerecht und grausam. Aber es ist menschliche Realität.

Doch sollte es bei Gott genauso ungerecht und grausam zugehen? Ist hier etwa der „Rachegott des Alten Testaments“ am Werk, wie es Bibelausleger in früheren Zeiten in Abgrenzung zum Judentum formulierten?

Ich denke nicht. Im Gegenteil. Gerade diese Stelle zeigt, dass Gottes Gnade und Treue durch die Zeiten hin an erster Stelle und über allem standen und stehen. Denn die Überschrift über dem Ganzen ist nicht die zeitlich begrenzte Nachwirkung der Missetat, sondern die unbegrenzte Barmherzigkeit Gottes: „barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde.“

Drei bis vier Generationen gegen tausende! Anstelle von 1000 Generationen könnten wir auch „immer“ oder „ewig“ sagen. Gottes Barmherzigkeit, Gnade, Geduld und Treue ist das Übergeordnete, die Überschrift, das Vorzeichen – für immer und ewig. Wie es in Psalm 103,8 aufgenommen ist und durch die Zeiten hin gebetet wurde und wird: „Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.“

Doch wenn das so ist, wozu braucht es dann nach dem Zuspruch noch das „Aber“? Wir könnten den Text doch einfach mit diesem schönen Vers der Gnade enden lassen! Aber das ist gerade die Stärke und Tiefe dieser Bibelstelle, dass sie sich nicht scheut, von Konsequenzen zu sprechen, wie es auch der menschlichen Erfahrung entspricht. Aber diese Folgen von Schuld und Sünde bleiben immer eingeordnet in den übergreifenden Zusammenhang der Barmherzigkeit und der Vergebung.

Das ist das Entscheidende: Schuld und Sünde werden nicht unter den Teppich gekehrt  und zugedeckt, aber sie werden von Gott her begrenzt, trotz aller menschlichen Unversöhnlichkeit. Das heißt: Vor Gott ist niemand für immer auf seine Fehler festgelegt, und schon gar nicht auf die Fehler der Vorfahren.

Ohne das „Aber“ bliebe die Gnade blass und harmlos. So aber strahlt sie umso heller, denn: „Barmherzig, geduldig und gnädig ist er“ (Evangelisches Gesangbuch, Nummer 608).

 

Ihr Gebet

Gebet

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen.
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat,
der dir alle deine Sünden vergibt
und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.
Barmherzig und gnädig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.
Amen.

Psalm 103,1–4+8

Evangelisches Gemeindeblatt

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