Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von der Vergebung her leben

2. Samuel 12,7+13 Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den Herrn. Nathan sprach zu David: So hat auch der Herr deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.

Impuls zum Predigttext für den 11. Sonntag nach Trinitatis: 2. Samuel 12,1–13+13–15: Von der Vergebung her leben.

Friedrich Zimmermann Friedrich Zimmermann ist Dekan des Kirchenbezirks Ditzingen.

Alles hat er. Dennoch meint er, nicht genug zu haben. Und so greift der fromme König David nach einer verheirateten Frau. Er schaut ihr zu, als sie auf dem Dach ihres Hauses badet. Er vergisst Verstand und Anstand. Gier packt ihn. Er schläft mit Batseba. Danach schickt er sie wieder heim. Aber er hat sie geschwängert. Das bringt David in Not. Am Ende steht der Mord am gehörnten Ehemann.

Es könnte eine der Sex- und Ehebruchgeschichten, eine Skandalgeschichte aus der Regenbogenpresse sein – der König in den Schlagzeilen. Sie steht aber in der Bibel. Als Hirtenjunge zum König von Israel gesalbt, von Gott erwählt – unglaublich. Und dann das. Welche Spannung zwischen Schein und Sein. Am Ende heiratet David die Kriegswitwe. Er macht alle, die nicht Bescheid wissen, glauben, er sei ein Ehrenmann, der sich einer armen, schwangeren Witwe annimmt.

Das Kind wird geboren. Gras scheint über der Affäre gewachsen zu sein. Da tritt Nathan auf. Er hatte einst David im Auftrag Gottes ein ewiges Königtum versprochen. Kommt er nun um zu gratulieren? Nathan schildert David einen Fall: Ein Reicher erhält Besuch. Er will seinen Gast verköstigen. Weil ihm aber seine eigenen Schafe zu schade sind, nimmt er das einzige, geliebte Schaf eines Armen und schlachtet es.

David kocht vor Wut. Er fordert den Tod des Reichen. Zuvor aber soll der noch vierfach seine Schuld gegenüber dem Armen begleichen. „Du bist der Mann!“ Mit aller Wucht wird David von Nathans Botschaft getroffen. Wie Schuppen fällt es ihm von den Augen. Er erkennt sich in der Geschichte. Und er bekennt: Ich habe gesündigt gegen den Herrn. Nur zwei Worte sind das im Hebräischen. Damit ist alles gesagt.

Sünde hat eine zweifache Dimension, eine horizontale und eine vertikale. Sünde trifft Menschen. Und sie trifft Gott. Sünde zerstört Beziehungen zwischen Menschen und die Beziehung zu Gott. Wer an einem Menschen schuldig wird, macht sich auch an Gott schuldig.

Ich habe gesündigt gegen den Herrn. David sucht keine Ausreden: „Hätte Batseba nicht auf dem Dach gebadet...“ Er stellt sich seiner Tat. Er stellt sich Gott. Und er erfährt: Gott stellt sich zu ihm. Gott lässt Nathan sagen: „So hat auch der Herr deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.“

Ist das nicht zu einfach? Ist das nicht zu billig? Da bekennt einer seine Sünde – und schon ist sie vergeben. Was ist mit den Opfern? Was ist mit Batseba? Was ist mit Uria, dem ermordeten Ehemann? Gott macht es nicht billig. Auch wenn David weiterlebt, ab da verläuft sein Leben anders. Das Schwert „lässt nimmermehr von seinem Haus“.

Zwei seiner Söhne, Amnon und Adonja, können ebenfalls ihre sexuelle Gier nicht zügeln und bezahlen sie mit dem Leben. Davids Sohn Absalom zettelt eine Palastrevolte an und kommt am Ende um. Der Sohn, den Batseba ihm gebiert, stirbt. David – und mit ihm Batseba – muss Schweres erleben.

Aber David wird ein anderer. Er nimmt die Chance wahr, die Gott ihm bietet. Er tut Buße. Dazu braucht es jemand, der den Mut hat, Schuld und Unrecht – Sünde – beim Namen zu nennen. Nathan spricht sie an. David kann seine Schuld eingestehen und sie vor Gott bekennen. Weil er mit Gott und Gott zu Gefallen leben will, will er nicht so weiterleben wie bisher. David macht nicht nur Worte. Er nimmt Gottes Vergebung an. Er lebt von ihr. Und er lebt sie selbst. Er lebt Gnade. Sein eigener politischer Erfolg verebbt. Aber er wird zum Zeugen, zum Bekenner von Gott und seiner Liebe. Er wird ein Mensch, der Gott lobt.

Davids Geschichte zeigt: Gott macht nicht klein. Er holt heraus aus Verstrickungen und Verirrungen. Er befreit. Er richtet auf. Er stellt wieder auf die Füße und macht ein Weitergehen möglich. Er fördert das Leben. Das will Gott. Er will, dass wir leben – und zwar befreit – und wir einander zum Segen werden. So ist Gottes Gnade.

 

Ihr Gebet

Gebet

Gütiger Gott,
du widerstehst allen, die sich selbst überschätzen,
und bist gnädig denen, die sich vor dir beugen:
Wir bitten dich um den Geist der Wahrheit.
dass wir unser sündiges Wesen erkennen
und Leben finden im Vertrauen auf deine Gnade.
Durch Christus, unsern Herrn.

Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD, Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 371.

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