Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von Ostern her leben

1. Korinther 15,20–22 Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.

Impuls zum Predigttext für den Ostersonntag: 1. Korinther 15,19–28.

Søren Schwesig ist seit Sommer 2013 Stadtdekan des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart.

„Sicher ist nur eins: der Tod!“ Eine alte Binsenwahrheit. Sie besagt: Das einzig Sichere im Leben ist, dass wir alle sterben müssen. Und der Tod wird unumkehrbar sein. Einmal tot, immer tot. Und das hat für die, die ihr Leben vom Tod her buchstabieren, Konsequenzen. „Nichts verpassen! Soviel Leben mitkriegen wie möglich. Irgendwann ist alles vorbei!“ So leben viele und merken nicht, wie sehr der Tod ihr Denken, Fühlen und Handeln bestimmt. Sie buchstabieren ihr Leben vom Tod her. „Sicher ist nur eins: der Tod!“

Ähnlich reden manche unter den Christen in Korinth: Es gibt keine Auferstehung der Toten! Noch nie ist jemand von den Toten zurückgekehrt. Auch Jesus nicht! Die Verwirrung ist groß. Schließlich schaltet sich Paulus mit einem Brief ein. In einem langen Kapitel versucht er zu klären und macht deutlich, was es für unseren Glauben bedeuten würde, wenn Jesus nicht auferstanden wäre. Dann wäre unser Glaube letztlich vergeblich. Dann könnten wir uns angesichts des Todes an keine Hoffnung halten. Am Ende schreibt er: „Nun aber ist Christus auferstanden!“ Kurz und prägnant sagt er das – fast trotzig. Und das hat seinen Grund.

Denn die natürliche Reaktion des Menschen auf die Auferstehung ist nicht Glaube, sondern Erschrecken, Zweifel, Unglaube. So auch die Jünger. Als Maria von der Begegnung mit dem Auferstandenen erzählt, sagen sie: „Leeres Geschwätz.“ Die Jesu Predigt und Wirken selbst erlebt haben, glauben ihr nicht. Wen wundert es da, dass die Botschaft von der Auferstehung nie aufgehört hat, Menschen zum Grübeln und Zweifeln zu bringen.

Wer von der Ewigkeit nichts weiß, dem ist das Leben eine grausam kurze Spanne, die genutzt werden muss. Sinn und Unsinn des Lebens müssen sich hier und jetzt entscheiden. Ruhelos und rastlos versucht der Mensch, um nicht in Vergessenheit zu geraten, ewige Denkmäler zu setzen, die die Erinnerung an ihn wach halten. Die ablaufende Zeit ist seine größte Gegnerin. So sieht die Wirklichkeit dessen aus, der sein Leben vom Tod her buchstabiert.

Und plötzlich bricht Gott in diese Wirklichkeit ein. Am Ostermorgen durchbricht er die menschliche Wirklichkeit mit seiner Wirklichkeit. Er zeigt sich als der, der auch vor dem Tod nicht halt macht. Gott überschreitet die Grenze des Todes und entreißt dem Tod seine Beute. Ein für allemal. So sieht die Wirklichkeit Gottes aus. Und das übersteigt das Vorstellungsvermögen des Menschen. Kein Wunder, dass die Jünger alle Rede von Auferstehung zunächst als „leeres Geschwätz“ abtun.

„Nun aber ist Christus auferstanden!“ sagt Paulus. Beweisen lässt sich das nicht. Daran kann ich nur glauben. Anders gesagt: Ich kann letztlich nur darauf vertrauen, dass Gottes Weg mit mir nicht mit dem Tod endet, weil er Herr über Leben und Tod ist.

Die ihr Leben von Ostern her buchstabieren, dürfen Osterzeugen sein. Zeugen, die ihre Ostergeschichten erzählen. Geschichten der Dankbarkeit über gelungenes und reiches Leben, Geschichten der Errettung aus einer Krankheit, Geschichten von Freunden und Freundschaften, die aus Einsamkeit herausführten.

Als Pfarrer bin ich immer wieder Menschen begegnet, die von befreienden, tröstlichen, hilfreichen Erfahrungen berichtet haben. Das waren oft keine aufregenden Ereignisse, sondern kleine Dinge, unspektakuläre Begegnungen, die dem Leben wieder Sinn und Richtung gaben. Eine Frau erzählte mir: Nach dem Tod ihres Sohnes hat sie jeden Tag in der Osterwoche eine Osterglocke in ihrem Briefkasten gefunden. Eine Woche lang. Jeden Tag. Bis heute weiß sie nicht, von wem diese Osterglocken waren. Aber sie haben ihr sehr gut getan. Und sie tun ihr auch heute – viele Jahre danach – immer noch gut.

„Nun aber ist Christus auferstanden.“ Das ist die Grundlage unseres Glaubens. Darum: „Sicher ist nur der Tod“ – das sollen die Unverständigen sagen. Für uns gilt anderes. Wir dürfen unser Leben anders buchstabieren. Nicht vom Tod her, sondern von Ostern, vom Leben her.

 

Ihr Gebet

Gebet

Lebt Christus, was bin ich betrübt?
Ich weiß, dass er mich herzlich liebt;
wenn mir gleich alle Welt stürb ab,
g’nug, dass ich Christus bei mir hab.

Amen.

Johann Heermann. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 111,13

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