Christliche Themen für jede Altersgruppe

Von Stärken und Schwächen

2. Korinther 12,9  Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.


Impuls für den Sonntag Sexagesimä: 2. Korinther (11,18,23b-30) 12,1-10.  Von Erika Schlatter-Ernst


Erika Schlatter-Ernst ist Pfarrerin in der Stephanusgemeinde Stuttgart-Weilimdorf.


Im Alltag muss man zeigen, was man zu bieten hat. Man bekommt nur dann einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz, wenn die Bewerbungsmappe super ist. Jede noch so kleine Fort- und Weiterbildung muss durch ein Zeugnis dokumentiert sein, damit man etwas vorweisen kann. Es empfiehlt sich nicht, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Die eigenen Stärken sollte man hervorkehren, selbst wenn es gar keine sind.
Paulus dagegen stellt klar, dass er sein Vertrauen nicht auf seine eigene Stärke setzt, sondern sich in seiner Schwäche auf Gott verlässt. Er reagiert damit auf eine kritische Anfrage aus Korinth. Da gab es Leute, die hatten gegen ihn Stimmung gemacht. Sie stellten sich selbst heraus und rühmten sich ihrer geistlichen Fähigkeiten, und setzten Paulus, den Gründer der Gemeinde, herab. Sie streuten Zweifel aus, ob Paulus überhaupt ein echter Apostel sei. Und dass er auf sein Recht verzichtete, von der Gemeinde finanziert zu werden, und seinen Lebensunterhalt lieber selbst verdiente, das warfen sie ihm auch vor. Ein Verkündiger, der musste stark auftreten, er musste etwas darstellen, er musste auch etwas kosten. Nur dann konnte man ihm auch abnehmen, was er verkündete.

Also lässt Paulus sich hier scheinbar darauf ein, anzugeben, auch wenn er gleich dazu sagt, dass es nichts bringt und er sich damit wie ein Narr aufführt. Paulus erzählt dazu aus seinem Leben. Er muss vierzehn Jahre zuvor überwältigende Gotteserfahrungen gemacht haben – er wurde ins Paradies emporgehoben und hörte unaussprechliche, unsagbare Worte. Paulus könnte mit diesem Erlebnis angeben und sich rühmen.

Aber er tut das gerade nicht, er rühmt sich stattdessen lieber seiner Schwachheit. Ungewöhnlich für damalige Ohren, ungewöhnlich für unsere heutigen Ohren: Schwäche als etwas, das herausgestellt wird. Wir kennen das höchstens so, dass jemand mit seiner Schwäche kokettiert, doch so ist das bei Paulus nicht gemeint!

Weiter führt Paulus an, dass Gott ihm einen „Stachel ins Fleisch gebohrt“ hat. Damit ist wohl eine schwere Krankheit gemeint, unter der Paulus sehr gelitten haben muss und die ihn massiv beeinträchtigt hat. Er schreibt davon, dass alle seine Gebete nichts gefruchtet haben. Gott hat ihm nicht geholfen.

Aber er hört die Worte: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (Lutherbibel 1984). Im griechischen Originaltext steht nichts von schwachen Personen, wie es Luther nahelegt, sondern von Schwäche allgemein. Die Neue Genfer Übersetzung übersetzt daher: „Meine Gnade ist alles, was du brauchst, denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.“ Das ist schon eine bedeutsame Akzentverschiebung, denn damit stellt sich Gott nicht nur auf die Seite der Schwachen, sondern er erklärt gewissermaßen die Schwachheit zu seinem Prinzip. Das klingt absurd, denn Gott muss doch nach landläufiger Auffassung stark und mächtig sein!

Aber der Gott Jesu Christi setzt nicht auf Macht oder Stärke. Der lebendige Gott geht den unteren Weg. „Meine Kraft kommt in der Schwachheit zu ihrem Ziel“, sagt der auferstandene Christus zu Paulus. Es gibt wohl kein sprechenderes Zeichen für die Schwachheit Jesu als Folter und Kreuz. Kein Machtwort Gottes, das den Quälereien ein Ende gemacht hätte. Jesus musste durch Verzweiflung und Tod hindurch, und so kam Gottes Plan zu seinem Ziel.

Paulus hat dies verstanden. Die Zusage Gottes ist ihm in seiner Verzweiflung zum Trost geworden. Und so zieht Paulus die paradoxe Folgerung aus seiner Schwachheit: „Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ Das ist genauso absurd, wie sich seiner Schwachheit zu rühmen. Doch für Menschen, denen aufgrund einer persönlichen Lebenskrise die eigene Kraft ausgeht, ist dieses Wort ein tröstender Zuspruch. Gott ist mittendrin in deiner Schwachheit. Bei ihm brauchst du nicht den dicken Maxe zu markieren, er liebt dich, so wie du bist, so hat er dich gewollt. Er liebt dich auch mit den Fünfern im Zeugnis oder wenn du arbeitslos, krank und kraftlos bist, den Erwartungen nicht entsprechen kannst und dich nutzlos fühlst. Gott hat eine Schwäche für dich. Darauf kommt es an.

Gebet
Bleib bei mir Herr!
Der Abend bricht herein.
Es kommt die Nacht,
die Finsternis fällt ein.
Wo fänd ich Trost,
wärst du, mein Gott, nicht hier?
Hilf dem, der hilflos ist:
Herr bleib bei mir!
Evangelisches Gesangbuch Nr 488,1

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