Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was Erntedank bedeutet

Hebräer 13,15+16 So lasst uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gutes zu tun und miteinander zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Impuls zum Predigttext für das Erntedankfest: Hebräer 13,15+16. 


Der promovierte Theologe Jörg Dinger ist Landesbauernpfarrer und Leiter der ländlichen Heimvolks­hochschule Hohebuch.

„Die Erntegaben auf dem Altar kommen dem Seniorenstift zugute, das Opfer ist je zur Hälfte für den Tafelladen und für den Notfonds des Evangelischen Bauernwerks bestimmt.“ So etwa könnte es am Sonntag beim Erntedankgottesdienst abgekündigt werden. Passend zum zweiten Satz aus dem Hebräerbrief. Einander Gutes tun und miteinander teilen als „Opfer“, an denen Gott seine Freude hat. Das leuchtet uns ein, selbst wenn wir nicht immer danach handeln.

Ist das alles, was uns zu Erntedank einfällt – ein Appell zum Abgeben, zum Teilen? Wo bleibt der Dank an Gott? Für das, was wir ernten durften. Genauer: was die geerntet haben, die Äcker bewirtschaften, Weinberge oder zumindest einen Garten mit Obst und Gemüse.

Vielleicht steckt der Dank ja im seltsamen Wort „Lobopfer“. Kein Tier, das Gott zum Opfer dargebracht wird, auch nicht die ersten Früchte der Ernte wie in 5. Mose 26. Vielmehr Worte, die Gott loben, hier auch „Frucht der Lippen“ genannt.

Gott loben – wie ein Lehrer seine Schüler, eine Chefin ihre Mitarbeiterinnen lobt? Wie wir dem Koch, der Köchin unser Lob aussprechen, wenn das Essen besonders gut geschmeckt hat? Wenn es so wäre, könnten wir Gott für den Sommer und die Ernte Zensuren geben. Der Sommer – ziemlich verrückt: an Pfingsten heiß, im Juli schwül, der August teils herbstlich kühl, dazu viel Regen nach dem trockenen Frühjahr. Die Ernte: insgesamt gut, bisweilen so reichlich, dass die Preise in den Keller gehen.

Feststellen können wir das selbstverständlich – aber Gottes Tun zu bewerten steht uns Menschen nicht zu. Das ist mit „Loben“ auch nicht gemeint. „Wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den Herrn, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat“ (5. Mose 8,10). Sagen wir „danken für das gute Land“ wird klarer, was gemeint ist. Und wir sind mittendrin in dem, was Erntedank vor allem heißt: eine Haltung der Dankbarkeit einnehmen.

Dankbar für das „tägliche Brot“, für Essen und Trinken, das uns in unserem Land so reichlich und in guter Qualität zur Verfügung steht. Dankbar für die Arbeit der Bauern, die Äcker bewirtschaften und Tiere halten, damit wir zu Essen haben. Dankbar Gott gegenüber, der Wachstum und Gedeihen schenkt. Dankbar, dass wir in einem guten Land leben mit gemäßigtem Klima und einer funktionierenden Rechtsordnung.

Dankbarkeit Gott gegenüber – das ist eine Lebenshaltung: Ich tue mein Teil, weiß aber, dass ich mir Gottes Segen nicht erarbeiten oder erkaufen kann. Was gut ist in meinem Leben, habe ich mir nicht einfach verdient. Ich verdanke es oft anderen Menschen, letztlich aber Gott, unserem Schöpfer.

Ersetzen wir also „Loben“ durch „Danken“, und alles ist klar? Nicht ganz. Denn „Gott loben“ eröffnet einen noch weiteren Horizont. Wenn wir Gott bitten und ihm danken, geht es meistens um konkrete Anliegen. Zum Beispiel die Ernte, das tägliche Brot: die Vaterunser-Bitte, der Erntebittgottesdienst, das Erntedankfest.

Bitten und Danken – dabei spielt unser Verstand eine wichtige Rolle. Gott loben – das ist umfassender, Begeisterung und Staunen spielen mit hinein. Meine eigenen Anliegen treten zurück, ich öffne mich für die größere Wirklichkeit Gottes (Psalm 104,1): „Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.“ Das Lob Gottes sind nicht nur Worte, es ist Musik, die uns mit der ganzen Schöpfung zusammenschließt: „Ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen“ (Evangelisches Gesangbuch, Nummer 503,8).

Das „Lobopfer“ und die „Frucht der Lippen“ öffnen einen weiten Raum für unseren Erntedank. Und für mehr. Darauf weist nicht zuletzt das „durch ihn“ hin. Gemeint ist Jesus Christus. „Durch ihn“ sollen wir Gott unser Lob bringen. Weil Jesus sich für uns Menschen geopfert hat, bleiben für uns nur noch „Opfer“ im übertragenen Sinne: Gott zu loben und seine guten Gaben miteinander zu teilen.

 

Ihr Gebet

Gebet

Gott des Lebens,
teile aus die Fülle – aus deiner Hand
kommt alles Leben,
teile aus die Fülle – durch deine Güte
erhältst du unser Leben,
teile aus die Fülle – dein guter Geist
öffnet uns die Hände.
Dir sei Ehre und Preis in Ewigkeit.

Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 387.

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