Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was Jesus nachfolgen bedeutet

Hebräer 13,12+13 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Judika: Hebräer 13,12–14. 

Der promovierte Theologe Matthias Figel ist Pfarrer in Hausen ob Verena mit Seitingen-Oberflacht im Kirchenbezirk Tuttlingen.

Die älteste uns bekannte Kreuzesdarstellung befindet sich in Rom. Ein unbekannter junger Mann hat sie im zweiten oder dritten Jahrhundert in einer Kadettenanstalt auf dem Palatin in die Wand geritzt.

Das Graffito zeigt den Gekreuzigten mit ausgebreiteten Armen – und mit Eselskopf. Dahinter angedeutet: die Balken des Kreuzes. Davor: einen Beter. Darunter in ungelenken Buchstaben: „Alexamenos sebete theon“. Auf Deutsch: „Alexamenos verehrt Gott.“ Ein Spottbild, das den jungen Christen Alexamenos der Lächerlichkeit preisgeben soll. Ebenso den gekreuzigten Christus. Ganz nach dem Motto: Einen Esel betet Alexamenos als Gott an. Und er selber ist auch einer.

Das Kreuz als Skandalon: Anders als heute, wo goldene Kreuzanhänger Ohren und Dekolletés schmücken, galt in der Antike das Kreuz nicht als Heilszeichen, sondern als Schandmal. Gekreuzigt wurden entlaufene Sklaven, Verbrecher ohne römisches Bürgerrecht und Aufständische. Für sie war die Kreuzigung eine bewusst grausame und erniedrigende Hinrichtungsart. Gut sichtbar, auf belebten Plätzen oder am Rand stark frequentierter Straßen wurden die Delinquenten auf bestialische Art an den Pranger gestellt.

Als Jesus am Karfreitag draußen vor der Stadt (Johannes 19,20) gekreuzigt wurde, kam zur Schmach des Kreuzes auch noch der Spott aller Umstehenden hinzu: Pilatus verhöhnte ihn mit „INRI“, dem Titulus am Kreuz. Die Soldaten verunglimpften ihn: „Bist du der Juden König, so hilf dir selber!“ (Lukas 23,37). Die Hohenpriester verspotteten ihn „samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen“ (Markus 15,31). „Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren“ (Matthäus 27,44).

Wie der Herr, so das Gescherr: Wer Jesus nachfolgen will, „der nehme sein Kreuz auf sich“ (Markus 8,34). Der erwarte nicht, dass es ihm anders ergeht. Der erhoffe keine Beifallsstürme, sondern rechne allenfalls mit einem milden Lächeln. Oder gleich mit Hohn und Spott. Wohl gemerkt: Nicht provoziert durch die eigene Unzulänglich- und Taktlosigkeit, sondern als Ausdruck des Unverständnisses der Umwelt über das Skandalon des Kreuzes.

Das musste Alexamenos schmerzhaft erleben. Wie es ihm wohl erging, als er erstmals diese Karikatur an der Wand erblickte? Ob ihm damals schon dämmerte: Ab heute wissen es alle. Ab heute habe ich meinen Ruf weg. Ab heute sehen alle nicht nur mich, sondern in Gedanken zusätzlich auch noch dieses fiese Spottbild. Ob Alexamenos dennoch bei seinem Glauben blieb? Ob er ausharrte – draußen bei dem gekreuzigten Christus? Auch wenn es ihn viel kostete? Ihn vielleicht sogar dasselbe Schicksal ereilen konnte wie Christus selbst?

Nun gibt es bei uns – Gott sei Dank! – keine Christenverfolgung mehr. Im Gegenteil: Jeder kann glauben, was er will. Dennoch leben wir als durchschnittliche evangelische Christen unseren Glauben möglichst unauffällig. Emotional wohltemperiert. Alles Anstößige meidend, um tunlichst kein öffentliches Aufsehen zu erregen. Denn wer sich zu seinem Glauben bekennt, kann leicht anecken. Kann kritisiert und lächerlich gemacht, vielleicht sogar an den Pranger gestellt werden. Wie Jesus. Und Alexamenos.

„So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen“ (Hebräer 13,13). Welchen Stellenwert hat für uns der Glaube? Wie wichtig ist uns Christus, der vor dem Tor gelitten hat und dem wir draußen im frierenden Bettler begegnen? Sind wir bereit, in der Nachfolge Jesu zu unserem Glauben zu stehen und – wo es nötig ist – unsere Haut zu Markte zu tragen

Oder bleiben wir lieber drinnen sitzen? In unseren Kirchen und Gemeindehäusern. Unseren Gewohnheiten und Bequemlichkeiten. „Menschen gehen zu Gott in Seiner Not, finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot, sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod. Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden“ (Dietrich Bonhoeffer, Evangelisches Gesangbuch, Seite 185).

 

Ihr Gebet

Gebet

Gib den Boten Kraft und Mut,
Glaubenshoffnung, Liebesglut,
lass viel Früchte deiner Gnad
folgen ihrer Tränensaat.
Erbarm dich, Herr!
Amen.

Christian Gottlob Barth. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 263,5.

Eines der bedeutendsten Bücher der christlichen Literatur neu aufgelegt

 

 

Thomas von Kempen
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