Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was uns zusammenhält

Hebräer 10,19-25 (in Auszügen) Weil wir denn nun, liebe Schwestern und Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes. Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasst uns aufeinander achthaben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken, und nicht verlassen unsre Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.

Impuls zum Predigttext am 1. Advent: Hebräer 10,19 - 25.  Von Klaus Käpplinger

Klaus Käpplinger ist Dekan im Bezirk Zuffenhausen (Kirchenkreis Stuttgart).

Der Predigttext am 1. Advent nimmt uns hinein in eine Gemeinde, deren beste Zeiten der Vergangenheit angehören. Statt Hoffnung und Zuversicht machen sich Müdigkeit und Resignation breit. Es fällt immer schwerer, die Menschen zum Besuch des Gottesdienstes und zur Mitarbeit zu gewinnen.

Diese Situationsanalyse mag uns seltsam bekannt und aktuell vorkommen. Tatsächlich ist die Adventszeit als Zeit des Innehaltens, der Ein- und Umkehr, der Buße kaum noch im Bewusstsein lebendig. Stattdessen wird der Posaunenchor mal mehr, mal weniger verschämt gefragt, ob er nicht anlässlich des Weihnachtsmarktes am 1. Advent vor dem Rathaus „O du fröhliche“ spielen könnte.

Und in zahlreichen Gemeinden gab es vor dem 1. Advent, an dem in diesem Jahr auch die Kirchenwahlen stattfinden, die gespannte Erwartung, ob es wohl zu einer echten Wahl für den Kirchengemeinderat kommen wird.

Trotzdem: Die Sehnsucht und die Hoffnung, dass das, was wir sehen und erleben, nicht alles ist, die ist in vielen Menschen lebendig. Sie sind offen für neue, alte Wege. Für den Weg vom Profanen zum Heiligen.

Der Weg dorthin mag durch Dunkelheit, durch Zeiten des Zweifels und der Unsicherheit führen. Aber am Ende dieses Weges wartet Gott in seinem Sohn, unserem Bruder auf uns. Ja, er kommt uns entgegen.

Der Predigttext für den ersten Adventssonntag erinnert uns daran, dass der Weg zu Gott, wie eine Türe offensteht oder wie es der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt einmal ausgedrückt hat: „Ich kann in Gottes Gegenwart eintreten, wie ich durch eine Tür in ein anderes Zimmer eintrete.“

Dabei sollen wir diesen Weg nicht alleine, sondern in der Gemeinschaft gehen. Es geht nicht darum, dass sich jede und jeder für sich alleine auf die Ankunft Christi vorbereitet. Es geht nicht darum, dass sich jede und jeder für sich alleine besinnt.

Es geht darum, dass das Licht, das von der Krippe in Bethlehem ausgeht, dass das nicht nur unsere winterliche Dunkelheit erhellt, sondern unsere Herzen öffnet und weitet für den, der da kommt und für seine Botschaft, die bleibt.

Der Verfasser des Hebräerbriefes kann sich ein Leben als Christ nicht ohne die Gemeinschaft mit anderen, nicht ohne das Gespräch mit ihnen und ohne die Auseinandersetzung mit ihnen über den Glauben vorstellen. Selbst, wenn ich das Gefühl haben sollte, dass mir der Besuch des Gottesdienstes nichts bringt, dann sollte ich daran denken, dass die anderen mich brauchen zum Singen, zum Beten, zum Nachdenken, zum Reden.

Vor diesem Hintergrund verstehe ich auch den Appell im Predigttext: „Lasst uns aufeinander achthaben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken, und nicht verlassen unsere Versammlungen.“

Wir brauchen einander. Nicht nur im Gottesdienst. Dort auch, aber auch im Kirchengemeinderat, im Stadtrat, im Schülerbibelkreis, im Umweltteam, in der Demenzgruppe, im Arbeitskreis Asyl, im Krankenpflegeverein.

Wir brauchen einander in aller Verschiedenheit. Was uns als Gemeinde zusammenführt und zusammenhält, das ist nicht in erster Linie die gegenseitige Sympathie, sondern das Kind in der Krippe. Weil er zu jeder und zu jedem von uns Ja sagt, darum sollen auch wir zueinander ja sagen, aufeinander zugehen und es immer wieder neu miteinander versuchen.¦

Gebet
Ich habe dich, mein Gott, gefunden
und freue mich wie ein verirrtes Kind,
wenn es aus der Ferne
eine vertraute Gestalt erblickt.

Ich habe dich gefunden, mein Gott,
und ich nenne dich weder groß
noch gerecht noch gut.

Ich sage: „Mein Gott!“
Ich sage: „Mein“ und habe Vertrauen.

Amen.

Janusz Korczak: Allein mit Gott. Gütersloher Verlaghaus 1980, S. 58.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.