Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wasser für die steilen Anstiege

Johannes 7,37–39 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.


Impuls zum Predigttext für den Sonntag Exaudi: Johannes 7,37–39.  Von Bernhard Elser

Berhard Elser ist Pfarrer in Waiblingen-Hegnach.




Wenn das Tour de France-Spektakel in die heiße Phase geht und flimmernde Sommerhitze über den  Passstraßen der Pyrenäen steht, dann sind sie am wertvollsten. Sie schaffen Wasser heran. Sie bieten Windschatten. Sie führen nach einer Panne wieder an das Feld heran. Sie überwachen die wichtigsten Gegner. Sie sind unentbehrlich. Sie schaffen erst die Voraussetzung für das Erreichen der Passhöhe und des Etappenziels: die Wasserträger. Die Helfer. Im Radsport-Jargon: die „Edel-Domestiquen“. Und wörtlich: die „edlen Dienstboten“.
In den erbarmungslosen Anstiegen der Pässe sehen sie, wenn sich die Trinkflaschen ihrer Mannschaftskapitäne leeren und stecken selbstlos die mühsam herbeigeschafften Wasserflaschen in die Getränkehalter an den Rädern ihrer Chefs. So bekommen diese die Kraft für die steilen Anstiege.
Als das Fest-Spektakel im erhitzten Jerusalem in die heiße Phase geht, sieht er den wahren Durst der Menschen. Einen Durst, den das religiöse Fest-Spektakel nicht zu stillen vermochte. Er sah, wie die Menschen in den erbarmungslosen Anstiegen des Lebens dürsteten. Er sah die Menschen in der „Tour der Leiden“. Deshalb macht er sich zum selbstlosen Wasserträger. Er macht sich aufs Neue zum Edel-Domestiquen. Zum edlen Dienstboten Gottes.
Höchstpersönlich schafft er das Wasser des Lebens heran. Er schöpft dieses Wasser aus seiner engen Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater. Dieses Wasser ist Gottes Geist. Selbstlos tritt er hinter das große Angebot Gottes zurück und ruft: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ Unfassbar: Der Dominus macht sich zum Domestiquen! Der Kapitän aus Gottes Herrlichkeit macht sich zum Wasserträger. Der, dem keiner das Wasser reichen kann, reicht das Wasser.
Schon der Täufer erkannte es und sagte: „Ich bin nicht wert seine Schuhriemen zu lösen.“ Petrus schon sah es und rief: „Du Herr willst mir die Füße waschen?“ Der Hauptmann entdeckte es und bat: „Ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst.“ Aber Gottes Edel-Helfer steht heute neu mit seinem Angebot vor uns und sagt: „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke.“
Was für eine Chance in den heißen Phasen des Lebens. Wir können ihm heute noch antworten: Ja, Herr, uns dürstet, trotz der großen Fest-Spektakel. Uns dürstet auf den Durststrecken des Alltags. Ja, Herr, gib uns zu trinken vom Geist, der uns aufleben lässt in den ausgesetzten Passstraßen dieser Zeit und Welt. Ja, lass uns deinen Geist, deine Kraft voll in uns aufnehmen. Und lass uns ankommen auf der Passhöhe in Gottes Ewigkeit!
Wenn Gott uns Wasser des Lebens, also seinen Geist schenkt, ist das kein geistliches Doping. Diese Kraft macht uns nicht zu unverletzlichen Gipfelstürmern, sondern ist die Grundversorgung unseres Glaubens. Es ist die Kraft für das Treten in die Pedale der Nachfolge. Es ist letztlich eine Kraft, die uns befähigt zu lernen, was es heißt, in seinem Team Wasserträger zu werden. Menschen zu werden, durch die Gottes Kraft zu anderen Menschen fließen kann.
In der Hitze des Alltags ist er am wertvollsten. Er schafft das Wasser der Hoffnung heran. Er bietet Windschatten bei Gegenwind. Er führt nach Pleiten, Pech und Pannen wieder in die Gemeinschaft mit Gott. Er überwacht die härtesten Feinde. Er ist unentbehrlich. Gottes Edel-Domestique. Gottes edler Dienstbote. Gottes Wasserträger: Jesus!



Gebet
Wasser des Lebens fließt
wie ein Strom vom Himmel her,
von Gottes Thron.
Es überflutet das dürre Land,
das ist der Segen aus Gottes Hand.
Amen.
Aus: Lothar Kosse, So weit

Luthers-Familienzeit

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THEMA - Die Bergpredigt

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