Christliche Themen für jede Altersgruppe

Weil die Juden nicht evangelisch wurden

Die Judenfeindschaft Luthers war bekannt, wurde jedoch über Jahrhunderte kaum thematisiert. Erst jetzt wird ihr Ausmaß, das bis zum offenen Judenhass ging, öffentlich. Am Ende seines Lebens hat Luther sogar dazu aufgefordert, Synagogen anzuzünden.  

In Schmäh­bildern wurden Juden verächtlich gemacht. Die damals so genannte „Judensau“ war auch an der Wittenberger Stadtkirche angebracht. Seit 1988 gibt es darunter ein Mahnmal. (Foto: epd-Bild)

Zuerst war Martin Luther den Juden noch freundlich zugewandt. Päpste und Bischöfe hätten die Juden jahrhundertelang schlecht behandelt. Die kirchliche Obrigkeit habe nichts anderes getan „als die Juden zu schelten und ihr Gut zu nehmen“. So ist es in Luthers Schrift „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei!“ von 1523 zu lesen.

Seine Motivation: „Ich hoffe, wenn man mit den Juden freundlich handelt und aus der heiligen Schrift sie säuberlich unterweist, so sollten viele von ihnen rechte Christen werden.“ Es geht dem Reformator um nichts anderes als um die Bekehrung zum neuen Glauben – später wird man den evangelisch nennen.

Doch die Juden wurden nicht christlich und schon gar nicht evangelisch. Darüber war Martin Luther enttäuscht. Bald wurde daraus Zorn. Die Theologin Sibylle Biermann-Rau bringt Luthers Wende unter anderem mit einem Ereignis in Mähren in Verbindung. Dort versuchten Juden, Christen zu bekehren. Das veranlasste Luther 1538 zu einem Brief („Wider die Sabbather“) an einen Freund. Darin fordert Martin Luther die Juden dazu auf, endlich anzuerkennen, dass mit Jesus Christus der von ihnen erwartete Messias bereits erschienen sei.

Doch darauf reagieren die Juden nicht. Nach Auffassung des Göttinger Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann nimmt Luther dies als Beleg für die jüdische Verstocktheit. Martin Luther wird nun zunehmend schärfer.

Höhepunkt ist seine Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543). Neben langen Passagen über die im Alten Testament sichtbare Messianität von Jesus, die die Juden ja nach wie vor leugneten, ist darin auch davon die Rede, Synagogen und jüdische Schulen in Brand zu setzen.

Die Obrigkeit – gemeint sind die Landesfürsten – soll den Juden ihre Betbüchlein nehmen, die Rabbiner sollen nicht mehr lehren dürfen. Außerdem sollen sich die Juden nicht mehr frei bewegen dürfen, sondern „daheim bleiben“. Das ist nicht anderes als ihre Gettoisierung. Und schließlich will Luther Juden enteignen lassen und sie zur Zwangsarbeit nötigen.

Nachdem Luther zuerst darüber geklagt hatte, Juden würden wie Hunde und nicht wie Menschen behandelt, verlangt er nun, sie „wie die tollen Hunde“ zu verjagen. Inzwischen hält er es auch für unmöglich, die Juden zu bekehren. Er schürt mit harten Aussagen die Ängste von Christen. „Ein Christ hat nächst dem Teufel keinen bittereren, giftigeren Feind als einen rechten Juden.“

Luthers scharfe Haltung gegenüber den Juden war zwar schon immer bekannt, ist aber kaum über einen akademischen Kreis hinaus bekannt geworden. Der Theologieprofessor Thomas Kaufmann sagt, die Judenfeindschaft Luthers sei „für Menschen unserer Tage unverständlich, ja unerträglich“. Und die gilt es jetzt öffentlich zu machen und aufzuarbeiten.

Sybille Biermann-Rau
An Luthers Geburtstag brannten die Synagogen
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