Christliche Themen für jede Altersgruppe

Weisung für das Leben

Jesaja 2,1–5  (in Auswahl) Dies ist das Wort, das Jesaja schaute: Von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Nationen und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.


Impuls für den 8. Sonntag nach Trinitatis: Jesaja 2,1–5.  Von Gerhard Schäberle-Koenigs


Der promovierte Theologe Gerhard Schäberle-Koenigs ist Pfarrer in Bad Wildbad-Aichelberg.


Propheten sehen mehr als das, was vor aller Augen liegt. Der Prophet Jesaja war ein Seher.

Ich stelle es mir so vor: Er ist auf einen Berg gestiegen. Allein. In der Frühe. Er überblickt das Land bis weit in die Ferne. Er überblickt die Stadt oder das, was von ihr übrig ist. Was er sieht schockiert ihn und macht ihn tief traurig. Die Hänge des Berges sind kahl. Die Weinstöcke am Fuß der Hänge sind abgehauen und ausgerissen. Die uralten Olivenbäume liegen am Boden. Keine Menschenseele ist zu sehen. Ein paar dürre Ziegen nagen an vertrocknetem Dornengesträuch.

Er sieht das alles. Er weiß, wie es gekommen ist. Ganze Heerscharen bewaffneter Krieger waren durch das Land gezogen. Aus allen möglichen Völkern waren sie zusammengewürfelt. Sie haben das Land verwüstet. Sie haben Menschen erbarmungslos aus ihren Häusern vertrieben, gequält und umgebracht.
Und er sieht noch mehr. Über all dieser Trostlosigkeit drängt sich ihm ein Bild auf, das noch kein menschliches Auge gesehen hat. Er sieht viele Menschen in allerlei Hautfarben. Sie sind gekleidet nach den Sitten ihrer Heimatländer. Singend, musizierend kommen sie leichten Schrittes aus allen Himmelsrichtungen. Sie kommen den Berg hoch. Was wollen sie hier?

Jesaja hat später das Bild, das ihm angesichts der Trostlosigkeit vor Augen kam, weitergegeben. In den letzten Tagen, so sagt er, wird es so sein. Alle Völker kommen wieder zum Berg Gottes. Dann aber nicht angetrieben von Zerstörungswut. Sondern mit einer großen Sehnsucht nach Weisheit fürs Leben. Sie wollen endlich wissen, wie das geht: Zusammenleben ohne sich die Köpfe einzuschlagen, ohne Raub, ohne Demütigung, ohne Vergewaltigungen. Ohne das Kostbarste des Anderen zu zerstören. Zusammenleben in Ehrfurcht vor dem Leben – dem eigenen und dem fremden. An den Hängen von Zion, dem Berg Gottes, werden sie diese Weisheit lernen. Dort ist sie immer schon zu Hause. Dort wurde sie zuerst gehört: Gottes Weisung fürs Leben. Gottes gute Gebote.

Jesaja fand es nicht nötig, die Lehrstunden nachzuzeichnen. Die, die ihn hörten, kannten gut genug, worin diese Weisung bestand. Und wenn nicht, konnten sie andere fragen. Auch wir kennen sie. Was ihn bei seiner Schau vielleicht selbst am meisten in Erstaunen versetzt hat, war die unmittelbare Umsetzung in die Praxis. Geschickte Handwerker machen sich daran, aus Kriegsgerät, das keinen Nutzen mehr hat, nützliche Werkzeuge zu schmieden: Sicheln, Rebmesser, Pflugschare.

Das ist es, was Jesaja, der Seher, über dem ganzen Elend vor seinen Augen gesehen hat.
An diesem Sonntag ist es 72 Jahre her, dass die bisher schlimmste Waffenerfindung der Menschheit zum ersten Mal eingesetzt wurde. Am 6. August 1945 zündeten amerikanische Soldaten über der japanischen Stadt Hiroshima die erste Atombombe. Mit einer einzigen Waffe wurde diese große Stadt zerstört. Mehr als Hunderttausend Menschen waren sofort tot. Noch einmal so viele starben danach an den Folgen. Die Stadt war verwüstet.

Es war der Triumph der Kriegstechnologie. Es ist das Symbol des Sündenfalls. Das Schlimmste war eingetreten.

Was Jesaja vor seinem inneren Auge gesehen hat, ist noch nicht eingetreten. Aber das Bild lässt sich nicht mehr aus der Welt schaffen. Die Aussicht, dass die Völker aufhören, Krieg zu lernen, weil Gott der Menschheit eine andere Weisheit gegeben hat, die setzt viele Kräfte frei. Jesajas Vision „Schwerter werden zu Pflugscharen“ beflügelt immer wieder neu.

In den letzten Jahren der DDR wurde dieses Bild vom Schwert, das umgeschmiedet wird, ungeheuer populär. Es gab eine Vignette, die sich viele Menschen auf ihre Kleidung nähten. Die damals Herrschenden verboten es, damit auf der Straße herumzulaufen. Da haben sich viele den Aufnäher wieder herausgeschnitten – samt dem darunterliegenden Stoff. Übrig blieb ein Loch. Das war noch sprechender als das Bild selbst.


Gebet
O Herr, mache mich zu einem Werkzeug
deines Friedens:
Zeige mir die Wege, auf denen meine Füße
deinem Frieden entgegegehen können.
Lass mich die Geschicklichkeit meiner Hände
entdecken, um dem Frieden zu dienen.
Beflügle meinen Geist mit der Weisheit deiner
guten Gebote.
Mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens.
Amen.

Evangelisches Gemeindeblatt

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