Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wenn Gott kommt

1. Korinther 4,1–5  Dafür  halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden. Mir aber ist’s ein Geringes, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir zwar nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist’s aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.


Impuls zum Predigttext für den 3. Advent.  Von Renate Meixner

Renate Meixner ist Dekanin in Weikersheim.


„Du genügst nicht. Wir sind nicht zufrieden mit dem, was du bringst.“ So beurteilt zu werden, ist nicht schön, womöglich sogar kränkend. Wie reagiert man darauf? Je nach Typ geht man entweder in sich, übt Selbstkritik, oder man geht in die Abwehr, verteidigt sich, oder…?

Der Apostel Paulus musste sich als Leiter der Gemeinde in Korinth ähnlich  kritische Töne anhören. Die Korinther  hätten sich einen gefälligeren Apostel gewünscht – eine in Wort und Gestalt ansprechendere Person, als Paulus es war.

Die harsche Kritik ist nicht gerade schmeichelhaft für Paulus. Wie geht er damit um? Ihr könnt mich zwar beurteilen und kritisieren, aber das zählt für mich nicht, schreibt er den Korinthern. Ihr seid gar nicht dafür zuständig, mich zu bewerten. Gott allein ist mein Richter. Und deshalb – so folgert Paulus – urteilt nicht voreilig, bevor der Herr kommt.

Ist das nicht arrogant und überheblich? Ein bisschen Einsicht könnte Paulus doch zeigen. Schließlich ist niemand perfekt. Das weiß Paulus auch. Zumindest schließt er nicht aus, Fehler zu machen, die er womöglich gar nicht erkennt. Mir ist zwar nichts bewusst, schreibt er, doch das rechtfertigt mich noch lange nicht. Aber entscheidend für ihn ist nicht, wie Menschen ihn beurteilen, sondern wie Gott ihn beurteilt. Gott ist sein Auftraggeber, und Paulus sieht sich als sein Haushalter allein ihm gegenüber verantwortlich.  Am meisten zählt für ihn dabei die Treue – die wichtigste Eigenschaft, die ein Haushalter oder Diener haben muss. Doch wer will sie beurteilen? Gott allein, da ist sich Paulus sicher, wird ans Licht bringen, was für menschliches Auge und menschlichen Verstand nicht erkennbar ist, nämlich die geheimsten Gedanken und Regungen eines Menschen, seine  Liebe und seine Treue.

Diesem Richter stellt er sich – nur diesem. Ist er deswegen überheblich oder ist er vielmehr ein begnadet freier Mensch? Frei von dem Bedürfnis, bei allen Menschen gut anzukommen. Frei vom Urteil anderer; frei auch davon, sich selbst zu beurteilen oder zu verurteilen. Es ist ja gar nicht zu unterschätzen, wie intensiv wir oft damit beschäftigt sind,  uns selber  zu bewerten und zu  rechtfertigen. Das kann mindestens so belastend sein, wie das Urteil, das andere über uns fällen. Umso befreiender ist es, dies alles Gott zu überlassen.  „Sieh nicht mehr an, was du auch seist. Du bist dir schon entnommen“, heißt es in einem Lied von Jochen Klepper (EG 539). „Nichts fehlt dir jetzt, als dass du weißt: Gott selber ist gekommen!“

Wenn Gott kommt – und das feiern wir jetzt in der Adventszeit – dann können  wir das Richten über andere und über uns selbst bleiben lassen. Anders herum gesagt: Wenn uns das Vertrauen in den nahenden Gott, der uns richtet und zurechtbringt, abhanden kommt, bleibt uns die Abhängigkeit von menschlichem Urteil. Es bleiben uns dann nur  die mühsamen Versuche der Selbstrechtfertigung und des Rechthabens. Und dann bleibt immer noch die Frage, ob wir es denn uns selber glauben, dass wir schon recht sind, oder ob der Zuspruch des göttlichen Wortes von der Rechtfertigung des Sünders nicht einfach unüberbietbar ist.

Reicht ein „du genügst“, als Entgegnung zum „du genügst nicht“? Oder braucht es nicht doch das ganz andere Wort „Lass dir an meiner Gnade genügen…“, um zu einem Ja zu sich selber zu finden, das dem einen oder anderen Nein standhält? Ich glaube schon.


Ihr Gebet

 


Gebet
Ewiger Gott,
wir warten auf Jesus Christus,
deinen Sohn,
der kommt, die Welt zu erlösen:
Gib uns die Zuversicht,
dass sein Urteil voller Gnade ist,
und erfülle uns mit Freude
auf unsere Erlösung.
Dir sei Ehre in Ewigkeit.
Amen

Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 249.

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017