Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie man Konflikte löst

2. Korinther 13,11+13 Zuletzt, liebe Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Trinitatis: 2. Korinther 13,11–13. 

Eberhard Feucht ist Dekan des Kirchenbezirks Herrenberg

„Der kann’s nicht!“ Dabei hatte er alles getan. Bis an die Grenzen seiner Kräfte hatte er sich eingesetzt. Nahm unzählige Reisekilometer auf sich. Natürlich hatte er auch etwas bewegt. Doch die anderen waren in der Außendarstellung besser. Wussten sich besser zu verkaufen. Bei denen ging etwas ab. Und wenn sie den Mund aufmachten, glich ihre Rede einem rhetorischen Feuerwerk.

Das war nicht seine Sache. Viel eher redete er offen von seiner Schwäche. Das haben sie ihm als solche dann auch ausgelegt. Sie wollten einen, der imponierend auftritt. Doch das konnte er nicht. Auch wenn er Apostel war und Paulus heißt. So kamen andere. Machten ihm den Rang streitig. Stellten seine Apostolizität in Frage.

Dann macht er das, was er richtig gut kann. Er schreibt. Paulus setzt sich hin, bringt die Dinge zu Papier, die zwischen „ihm“ und seiner Gemeinde stehen. Dabei ist er nicht konfliktscheu. Er kehrt auch keine Probleme unter den Teppich. Er benennt das Schwierige offen, weil er weiß, dass ein gutes Maß an Konfliktbereitschaft die Voraussetzung dafür ist, dass Beziehungen lebendig bleiben und sich entwickeln können.

Nun ist sein Brief fast zu Ende. Letzte abschließende Worte: „Zuletzt, liebe Brüder (und Schwestern).“ In der Tat, die letzten Worte entscheiden, wie etwas weitergeht. Schlage ich die Türe zu, oder halte ich sie offen, dass der andere hindurch treten kann? Wer Konflikte konstruktiv lösen will lässt keine Türe ins Schloss fallen.

So macht es auch Paulus. Er öffnet sie weit hin zu seinen Gegnern. Seine Worte werden zu einer Konfliktbewältigungsstrategie. Eine Quintessenz für Konfliktlösung entsteht: Fünf Dinge nennt Paulus, auf die jede und jeder achten sollte. So viele Dinge wie eine Hand Finger hat. Einen handgreiflichen Ratschlag für eine Konfliktlösung hält der Apostel nicht nur für die Gemeinde in Korinth bereit.

Die erste Konfliktlösung: „Freut euch!“ Das scheint für den Konfliktfall doch eher schwierig zu sei. Wer kann sich denn auf Befehl freuen, wenn es spannt, knistert und kracht? Aber vermutlich klingt das nach, was Paulus auch der Gemeinde in Philippi geraten hat: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“

Keine verordnete Freude ist das. Sondern eine Freude, die außerhalb des Menschen verortet ist. Nämlich in Christus selbst. Aus dieser Beziehung heraus sollen wir leben.

Das gleicht einem Perspektivenwechsel. Meine Befindlichkeit und Verletzlichkeit bekommt eine neue und andere Sicht. Und vielleicht gelingt es mir wirklich, dem anderen oder der schier ausweglosen Situation eine zustimmende Bejahung zu schenken. Meine „Freude“ wird hoffentlich auch den anderen anstecken.

Die zweite: „Lasst euch zurechtbringen!“ Das ist ein ziemlich merkwürdiges Wort, das zu verstehen nicht einfach ist. Im griechischen Urtext steht eine viel deutlichere, aber auch anspruchsvollere Formulierung: „Lasst euch vervollkommnen.“ Das heißt nicht, perfekt zu sein. Wir sind ergänzungsbedürftig. Deshalb gilt es wahrzunehmen, was zum anderen gehört. Versuche, dich in ihn hineinzuversetzen. Laufe ein Stück weit in seinen Schuhen. Dann weißt du, wo ihn der Schuh drückt, dann spürst du die Kieselsteine oder Nägel, die durch die Sohlen stechen.

Die dritte: „Lasst euch ermahnen!“ Das klingt nach erhobenem Zeigefinger oder Appell. Aber soll ein Konflikt wirklich gelöst werden, muss einer auch hören können, was der andere sagt. Wer überhört, verpasst die Chance, dass sich etwas ändert.

„Habt einerlei Sinn und haltet Frieden.“ Damit schließt das paulinische Konfliktmanagement. Wie schwierig „einerlei Sinn“ ist, hat Paulus nicht nur in der korinthischen Gemeinde erlebt. Teamgeist ist nicht nur bei Jogi Löws Mannschaft in Brasilien gefragt. Das ist unser tägliches Brot in unseren Familien oder Gemeinden. Gemeinsames wird nur gelingen, wenn Gespräche auf Augenhöhe geführt, Geduld geübt und Kompromissfähigkeit praktiziert wird.

Dass dies gelingt, bedarf es der Gnade, der Liebe und der Gemeinschaft des Dreieinigen Gottes. Sie umschließe alle, die gerade dabei sind, ihre Konflikte einer guten Lösung zu zu führen: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!“

 

Ihr Gebet

Ein Danklied

Gut, dass wir einander haben,
gut, dass wir einander sehn.
Sorgen, Freude, Kräfte teilen
und auf einem Wege gehn.

Gut, dass wir nicht uns nur haben,
dass der Kreis sich niemals schließt
und dass Gott, von dem wir reden,
hier in unsrer Mitte ist.

Manfred Siebald

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 28/2017