Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wir sollen Licht der Welt sein

Lukas 6,36+37+39 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben… Jesus sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

Impuls zum Predigttext für den 4. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 6,36–42.  Von Frank Banse

Frank Banse ist geschäfts­führender Pfarrer an der Stadt­kirche in Schwenningen.

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Das ist leichter gesagt als getan – in einer gnadenlosen Welt.

Barmherzigkeit – viele verstehen schon das Wort kaum. Barmherzigkeit ist aus der Mode gekommen, wenn sie je modern war. Außer vielleicht beim barmherzigen Samariter, bei Franziskus aus Assisi oder Elisabeth von Thüringen. Aber: Warum ist die Welt gnadenlos? Doch weil Menschen wie wir gnadenlos sind. Und wir gehen damit gnadenlos vor die Hunde, und unsere Seele geht zum Teufel, wenn sie da nicht schon längst ist.

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Barmherzigkeit in einer gnadenlosen Welt, das ist nicht eine Forderung Jesu zu allen anderen Forderungen und Anforderungen dazu, die täglich an uns gestellt werden. Seid barmherzig, das ist ein Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Barmherzigkeit ist ein Stück des Weges in Gottes neuer Welt.

Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Vergebt, so wird euch vergeben. Aufrichten, nicht abrichten, zurechtrichten und nicht zugrunde richten, ist die Aufgabe der Jüngerinnen und Jünger Jesu. Seid barmherzig! Richtet nicht! Vergebt! Der andere ist ein Mensch wie du. Wer immer und wie immer er ist, er ist ein Kind Gottes – wie du. Genauso wenig wie Gott an ihm alles gefällt, gefällt ihm an dir alles. Aber du bist und du bleibst das Kind unseres Vaters im Himmel.

Dazu eine kleine Geschichte: „In der Zeit, als Papst Johannes XXIII. noch Erzbischof von Venedig war, erhielt er eines Tages den Hinweis, einer seiner Priester sei Alkoholiker. Daraufhin sagte Bischof Johannes seinem Sekretär: „Da müssen wir hin!“ Vor dem Pfarrhaus angekommen, schickte man den Bischof und seinen Sekretär wie selbstverständlich ins nächste Gasthaus. Johannes bat seinen Sekretär, den Priester zu holen. Der Sekretär kam unverrichteter Dinge zurück und sagte: „Sein Hut hängt da, aber er ist nicht zu sehen.“ Darauf Johannes: „Wenn der Hut da ist, ist auch der Mann da“, und schickte den Sekretär noch einmal in das Gasthaus. Ein paar Minuten später kam der Sekretär mit dem Priester aus der Wirtschaft und Johannes ging mit ihm ins Pfarrhaus. Dort bot der Bischof seinem Priester einen Stuhl an und sagte: „Bruder, setz dich! Ich möchte bei dir beichten.“

Nicht richten, vergeben: Wer das will, braucht ein großes Herz. Aber wir werden merken, wie gut das tut: nicht richten, sondern vergeben.

Jesus sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein – sagen wir. Und manchmal sind wir schon in so eine Grube gefallen. Dass ein Blinder einem Blinden den Weg nicht zeigen kann, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber wir sind nicht blind! Wir sind die Nachfolgerinnen und Nachfolger dessen, der sagt: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht der Welt haben.

Um Gottes willen sind wir nicht blind! Wir sind selbst ein Teil vom Licht der Welt. Wir sind – wenn auch nicht Gottes Leuchttürme – so doch hoffentlich wenigstens Gottes Streichhölzer. In der Bergpredigt sagt Jesus zu denen, die ihm zuhören, die zu ihm gehören: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Wir sind keine Tranfunzeln und Pechfackeln, sondern Lichter, die Gottes Liebe in diese Welt hineinleuchten – auch in ihre Dunkelheiten. Hoffentlich wenigstens!

Blinde Blindenführer erleben wir im Kleinen wie im Großen um uns herum. Blinde Blindenführer! Wie oft sind wir das selbst – und sind damit schon auf die Nase oder in die Grube gefallen.

Aber wir sind – sagt Jesus – das Licht der Welt. Wir müssen das ernst nehmen! Und wir sollten damit ernst machen: Licht der Welt zu sein – barmherzig, vergebend und aufrichtend.

Ihr Gebet

 

Gebet

Lieber Vater im Himmel!
Du bist barmherzig.
Du richtest auf, nie zugrunde.
Danke!
Und bitte – bitte lass auch uns barmherzig sein:
mit den anderen Menschen und mit uns.
Amen.

























Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.