Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wo bist du?

1. Mose 3,1–19 Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: An dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn zwischen den Bäumen im Garten. Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Invokavit: 1.  Mose 3,1–19 (20–24).  Von Ulrich Dreesman


Der promovierte Theologe Ulrich Dreesmann ist Pfarrer an der Lutherkirche in Bad Cannstatt.


Gott, der Herr, ist auf der Suche nach Adam und Eva, als der Tag kühl geworden ist. Doch das erste Menschenpaar ist abgetaucht. Es ist zwischen den Bäumen des Paradiesgartens verschwunden.
„Wo bist du?“ Das ist die erste Frage, die Gott dem Menschen in der Bibel stellt. Weitere Fragen werden folgen. Und bald wird sich die Frage umkehren. Bald wird der Mensch fragen, dann jenseits von Eden: „Gott, wo bist du?“
Der Sündenfall: So ist die Szene aus 1. Mose 3 in der Lutherbibel überschrieben. Sünde, das zeigt die Urgeschichte, ist nicht die kleine Gemeinheit zwischendurch. Das ist sie auch. Doch Sünde ist etwas Größeres, Gewichtigeres, Tiefergehendes. Biblisch verstanden ist sie eine Störung: eine Störung im Verhältnis des Menschen zu seinem Gott.
Eben noch war der Mensch auf du und du mit seinem Schöpfer. Eben noch hat der ihm die Tiere gebracht, dass er ihnen einen Namen gebe. Eben hatte er das Gegenüber gemacht, das ihm entspricht.
Das ist das Glück des Anfangs: Gott mit uns und wir mit ihm. Doch dann der Bruch. Adam und Eva folgen der Einflüsterung der Schlange: „Sollte Gott gesagt haben?“ Sie kosten von der verbotenen Frucht. Ihnen gehen die Augen auf, und sie erkennen, was gut und böse ist.
Was ist gut, was ist böse? Zunächst erkennen Adam und Eva sich selbst. Sie schauen sich an und begreifen: Ich bin ja nackt, schwach und bedürftig. Das ist eine Entdeckung, die irgendwann jedes Kind macht. Gestern noch plantschte es quietschvergnügt nackt im Wasser. Nun will es sich etwas anziehen. Die Unbefangenheit des Anfangs ist dahin.
Adam und Eva schämen sich ihrer Nacktheit und ihrer Blöße. Sie verstecken sich voreinander in Schurzen aus Feigenblättern. Als der Tag kühl geworden ist, verstecken sie sich ein weiteres Mal, jetzt vor ihrem Schöpfer. Und der fragt: „Wo bist du?“
Mit dem Sonntag Invokavit beginnt die Passionszeit. Auch evangelische Christen nutzen die sieben Wochen bis Karfreitag und Ostern längst als Zeit des freiwilligen Verzichts auf liebgewordene Angewohnheiten und selbstverständliche Routinen.
Gut so. Denn wer verzichtet, sieht klarer. Wer etwas sein lässt, kommt sich selbst auf die Schliche. Wo bin ich, wo stehe ich? Was ist gut und was ist böse? Was macht mich gut, was lässt mich böse werden? Wer von sich selbst Abstand nimmt, hört neu und besser: auf sich selbst, auf Gottes Stimme.
„Wo bist du?“ Ich höre Gottes Frage nicht als Drohung, sondern als Ausdruck der  Zuwendung. Gott sucht, was verloren ist, von Anfang an. Er fragt nach mir, aber nicht, um mich bloßzustellen, sondern weil ihm etwas an mir liegt. Ich bin sein geliebtes Kind um Christi willen. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ (Jesaja 43,1)


Gebet

Ewiger Gott, lieber himmlischer Vater,
du bist mein Schöpfer und Geber aller guten Gaben.
Dafür danke ich dir.
Und bitte dich: Suche mich und finde mich.
Hilf mir, das Gute zu tun und das Böse zu meiden.
Nichts soll mich trennen von dir.
In Christi Namen.
Amen.










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THEMA - Die Bergpredigt

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