Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wo der Himmel zur Erde findet

2. Mose 3,1–4  Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Wüste hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und diese wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.

Impuls für den Letzten Sonntag nach Epiphanias: 2. Mose 3,1–10.  Von Siegfried Jahn

Siegfried Jahn ist dekan in Blaufelden

Das Predigtwort von Moses Berufung bildet den Abschluss der Epiphaniaszeit. In dieser Zeit steht das Erscheinen Gottes im Mittelpunkt – als Kind in der Krippe, als Stern am Himmel, der den Weisen aus dem Morgenland den Weg nach Bethlehem zeigt.
Nach all diesen Geschichten bringt Moses Berufung  noch einmal ein sehr hoffnungsvolles Moment des Erscheinens Gottes zur Geltung. Gott erscheint im Unscheinbaren. Dort, wo wir es nicht ahnen; dort, wo wir es nicht suchen; dort, wo wir es uns nicht einmal vornehmen, Gott zu finden.
„Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters.“ So alltäglich beginnt eine große Geschichte, in der Gott zum ersten Mal in der Bibel seinen Namen nennt.
Gott nimmt unser Tagewerk ernst. Ja, er ist sich nicht zu wenig, sich in dem, was uns im Normalen bewegt, finden zu lassen. Das macht unseren Alltag zur Gelegenheit, in der Gott uns aufsucht und begegnet.  Nicht das Außergewöhnliche, sondern das Gewöhnliche wird zum Ort, wo der Himmel zur Erde findet. Er kommt dort hin, wo wir Menschen sind. Gott schenkt unserem unscheinbaren Tun einen Glanz, den sich die Welt nicht selbst geben kann, weil sie ihn nicht kennt. Und doch werden unsere Alltäglichkeiten das Gefäß sein, die Gott mit seiner Gegenwart füllt und in denen der Ewige sich in unserer Zeit erschließt.
Was einen darüber hinaus wundern darf: Gott nimmt Mose in Dienst mit allem, was er an Unheil mit sich bringt. Weder der Alltag, noch die Lasten, die Menschen auf sich geladen haben, hindern Gott an seinem Erscheinen. Mose ist nicht ohne Grund in Midian. Für ihn ist dieses Land ein Zufluchtsort geworden, der ihm vor der Verfolgung seines Totschlags Schutz geboten hat. Und einem solchen offenbart sich der heilige Gott? Ja, auch dem Schuldigen naht er sich. Auch uns erweist er seine Gnade, aller Schuld, die wir auf uns geladen haben, zum Trotz. Gott zeigt sich uns nicht, weil wir würdig genug sind, sondern wir sind würdig, weil er uns als der gnädige und barmherzige Gott begegnet.
Die jüdische Tradition bemerkt dazu etwas sehr Erkenntnisreiches: „Der Heilige, gelobt sei Er, gibt keinem Menschen Größe, ehe er ihn nicht zuvor an einer kleinen Sache geprüft hat.“ Er prüft ihn durchs Hirte sein. Durch die Erfahrung des Berufs verändert er Mose so, dass er zum Werkzeug wird: Er lernt, für Tiere zu sorgen und lernt so auch, die Bedürfnisse der Menschen im Blick zu haben. Eine Erfahrung, die sich beim Auszug aus Ägypten als sehr hilfreich erweisen sollte. Die Erfahrung des Alltags kann uns so formen, dass wir für Gottes Wirken segensreiche Menschen werden.
Jahrhunderte später erscheint Gott wieder in der alltäglichen Arbeit von ein paar Hirten, „die hüteten des Nachts ihre Herde“. Er ruft sie mitten in ihrem Alltag in einen himmlischen Frieden, der weit über das Machbare der Welt hinausgeht. Wie Gott in Moses Berufung die Geschichte der Freiheit, des Auszugs aus Ägypten beginnt, so lässt er die Geburt Jesu in der Welt der Hirten zum Beginn einer ewigen Erlösung werden.
Immer wieder hat Gott im Alltag der Menschen begonnen. Immer wieder wird er es auch bei uns so tun. Am Ende der Epiphaniaszeit wird deutlich: Gott hört nicht auf, uns zu begegnen, wo wir sind. Er macht unseren Alltag zum Ort, an dem sein Wort uns trifft. Darum verdient unser Leben neue Aufmerksamkeit. Nichts ist je auszuschließen, keiner ist zu gering, als dass er von Gott gewürdigt wird. Wo Gott uns begegnet, formt er uns zu Dienerinnen und Dienern, die Menschen zum Segen werden – wie Mose.



Gebet
Herr Jesus Christus,
du bist der Welt erschienen als Heiland und Retter.
Öffne unsern Alltag für die Begegnung mit dir.
Wo immer wir sind, was immer wir tun:
Lass es dir dienen und Menschen zum Segen werden.
Amen.

 







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