Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wo Hoffnung wachsen kann

1. Mose 8,6–12 Nach vierzig Tagen tat Noah an der Arche das Fenster auf, das er gemacht hatte, und ließ einen Raben ausfliegen; der flog immer hin und her, bis die Wasser vertrockneten auf Erden. Danach ließ er eine Taube ausfliegen, um zu erfahren, ob die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden. Da aber die Taube nichts fand, wo ihr Fuß ruhen konnte, kam sie wieder zu ihm in die Arche; denn noch war Wasser auf dem ganzen Erdboden. Da harrte er noch weitere sieben Tage und ließ abermals eine Taube fliegen aus der Arche. Die kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, ein Ölblatt hatte sie abgebrochen und trug‘s in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden. Aber er harrte noch weitere sieben Tage und ließ eine Taube ausfliegen; die kam nicht wieder zu ihm.

Impuls zum Predigttext für den 4. Sonntag nach Epiphanias: 1. Mose 8,1–12. Von Ulrich Heinzelmann

Ulrich Heinzelmann ist Pfarrer an der Stadtpfarrkirche St. Martin in Biberach an
der Riß.

Ein vierfacher Vogelflug kündigt die Wende vom Verderben zum Leben an. Nach der ungewissen Zeit des Wartens in der ziellos treibenden Arche öffnet Noah den „Deckel“ des „Kastens“ (so das hebräische Wort für die Arche). Vögel werden als Kundschafter der Hoffnung ausgesandt. Zuerst der Rabe, dann dreimal die Taube. Und bei jedem Versuch bekommt die Hoffnung mehr Flügel.

Die Sintflutgeschichte gehört zu den Urgeschichten der Menschheit. Sie lässt sich nicht geschichtlich festmachen, aber gerade darum enthält sie eine Botschaft, die Menschen zu allen Zeiten anspricht. Sie erzählt davon, dass das menschliche Leben auf der Erde stets gefährdet und immer wieder aufs Neue bedroht ist. Sei es durch eigene Bosheit und Sünde („das Dichten und Trachten ihres Herzens war böse“), sei es durch äußere Katastrophen. Dass dennoch ein Weiterleben auf der Erde möglich ist, dass trotz aller Fährnisse und Bedrohungen Leben ein Versprechen ins Glück birgt – das ist das große Wunder, von dem die Sintflutgeschichte erzählt.

„Die Güte des Herrn ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende“, so fassen die Klagelieder die Sintfluterfahrung zusammen. Der drohenden Katastrophe entspricht die unbedingte Bewahrung und Zusage Gottes. Gott verspricht einen Neuanfang mit Noah und seiner Familie, einen unverbrüchlichen Bund unter dem Zeichen der Versöhnung von Gott und Mensch.

Ich erinnere mich an einen Filmbeitrag in den Nachrichten, der kurz vor Weihnachten ausgestrahlt wurde: Nach dem schrecklichen Taifun, der weite Teile der Philippinen sintflutartig zerstört hat, wurde eine Familie gezeigt, die sich auf das Weihnachtsfest vorbereitet. Im Hintergrund war eine provisorische, aus Brettern und Planen zusammengesetzte Hütte zu sehen. Davor stand ein kümmerliches, zerrupftes Bäumchen, geschmückt mit verbeulten leeren Plastikflaschen als Christbaumschmuck. Der Kommentar der Familie: Wir sind am Leben! Wir haben allen Grund zur Weihnachtsfreude! Trotz allem Schrecklichem: Heute ist Weihnachten, das ist das Wichtigste!

Nicht die Katastrophe steht in der Sintflutgeschichte im Vordergrund, sondern der Dank über das wie durch ein Wunder neu geschenkte Leben. Das Staunen: „Gott lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (Matthäus 5,45). Wird deswegen Noah im Hebräerbrief ein Vorbild für den Glauben genannt: „Durch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche gebaut zur Rettung seines Hauses, als er ein göttliches Wort empfing über das, was man noch nicht sah und hat ererbt die Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt“?

Die Arche ist ein Sinnbild für einen geschützten Ort, wo Glaube und Hoffnung wachsen können. Solche Orte brauchen wir heute nötiger denn je, werden wir doch Tag für Tag überflutet von Informationen, überschwemmt mit Nachrichten, wir ertrinken förmlich im weltweiten Netz der Kommunikation. Sorgen stehen uns wie Wasser bis zum Hals, die Zeit versickert im Nirgendwo, was lange verlässlich war, versinkt im Ungewissen. Da ist es gut, einen Schutzraum zu haben, den Gott uns schenkt. Eine „Arche Mensch“, wo wir aufatmen können und unsere Seele Flügel bekommt. Die „feste Burg“ Martin Luthers, der gesagt hat: „Nur wenn die Seele Gottes Wort hat, ist sie frei.“ Dann wachsen der Hoffnung Flügel. ¦

Gebet

Gott, du gebietest dem Sturm und schaffst Ruhe.
Fege hinweg die Wolken des Zweifels und der Angst.
Stärke uns mit dem Mut des Glaubens
durch Jesus Christus, der uns durch
alle Stürme geleitet.

Amen.

Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, S. 281.

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