Christliche Themen für jede Altersgruppe

Woran unser Herz hängt

Matthäus 6,19–24 (in Auszügen) Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Impuls zum Predigttext für das Erntedankfest: Matthäus 6,19-24.

Der promovierte Theologe Jörg Dinger ist Landesbauernpfarrer und Leiter der ländlichen Heimvolkshochschule Hohebuch.

Machen wir uns nichts vor: Da liegen Welten dazwischen. Zwischen dem, was uns zu Erntedank 2013 bewegt, und der ernsten Mahnung Jesu im Blick auf den „schnöden Mammon“.
Vom Danken ist da nicht die Rede, genauso wenig vom Säen und Ernten, auch nicht von den Sorgen und Freuden, die das für Bäuerinnen und Bauern mit sich bringt. Für die, bei denen die Ernte trotz des schwierigen Wetters überraschend gut ausgefallen ist. Für die anderen, die dieses Jahr kaum etwas einbringen, weil eine schlammige Brühe auf Wiesen und Feldern stand, weil riesige Hagelkörner alles kurz und klein schlugen. Die Stimmungslage zum Erntedankfest könnte kaum unterschiedlicher sein als in diesem Jahr.

Doch dann empfiehlt Jesus, sich Schätze im Himmel zu sammeln, nicht hier auf der Erde. Er erinnert uns daran, dass aller irdische Reichtum vergänglich ist. Schließlich stellt er uns vor die Alternative: Gott oder Geld. Ist das das Evangelium, die froh und frei machende Botschaft zum Erntedankfest 2013?

Zuerst ist die Botschaft realistisch: Die Sicherheit, die Geld und Besitz bieten, ist oft trügerisch. Sie können schleichend an Wert verlieren – dafür stehen die Motten und der Rost, die am zurück Gelegten fressen. Oder es geht schlagartig: Einbrecher, Unwetter, menschliche oder Naturgewalt.

All das kann geschehen. Gott sei Dank aber geschieht es nicht laufend. Sonst hätten Säen und Ernten keinen Sinn, wären Not und Hunger allgegenwärtig. Wissen wir, wem wir das zu verdanken haben? „Dass Feuerflammen uns nicht allzusammen / mit unsern Häusern unversehns gefressen, / das macht´s, dass wir in seinem Schoß gesessen. / Lobet den Herren! / Dass Dieb und Räuber unser Gut und Leiber / nicht angetast´ und grausamlich verletzet, dawider hat sein Engel sich gesetzet. / Lobet den Herren!“ (Paul Gerhardt, Evangelisches Gesangbuch, Nummer 447,4+5)

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir in einem wohlhabenden Land leben, in dem es genug zu Essen und zu Trinken gibt – aus eigener Ernte wie aus fernen Ländern. Es ist nicht selbstverständlich, dass unser gemäßigtes Klima eine Menge Getreide, Gemüse, und Obst reifen lässt, die wir in den meisten Fällen auch einbringen können. Es ist nicht selbstverständlich, aber wir dürfen uns daran freuen und dankbar sein. Dankbar gegenüber Gott, unserem Schöpfer. So führt uns Jesu Mahnung doch ins Danken – an Erntedank 2013.

Denn die Worte zielen mitten ins Herz: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Martin Luther hat den Gedanken weitergeführt: Woran du dein Herz hängst, worauf du dich im letzten verlässt – „das ist dein Gott“.
Wir alle müssen uns die Frage gefallen lassen, was uns am wichtigsten ist. Als Verbraucher: viel und billig – kann das der Maßstab sein, zum Beispiel beim Einkauf von Lebensmitteln?

Als Landwirte: Was kann ich leisten und verantworten? Und wo lasse ich mich antreiben zu immer größeren Investitionen und Risiken – weil andere es auch tun, weil ich befürchte abgehängt zu werden?

Als Gesellschaft: Kann es sein, dass nur noch zählt, was sich rechnet – etwa bei der Pflege alter und kranker Menschen? Als Weltgemeinschaft: Schaffen wir es, unsere auf Gewinnstreben gründende Wirtschaftsordnung so zu verändern, dass nicht mehr fast eine Milliarde Menschen hungern, dass wir mit den Tieren und den natürlichen Lebensgrundlagen schonender umgehen?

Jesu kritische Worte über den „Mammon“ führen uns in globale Dimensionen. Zuerst aber zielen sie auf unser Herz, auf jede und jeden persönlich. Woran hängt mein Herz, wo ist mein „Schatz“? Hier auf der Erde, beim „Sach“? Oder „im Himmel“, bei Gott? Der hat uns das „Sach“ ja anvertraut, damit wir davon leben und uns daran freuen, damit auch die leben, die weniger haben und ernten. Damit wir miteinander Gottes gute Gaben dankbar genießen und ihm die Ehre geben. Erntedank 2013.

Gebet

Nun danket all und bringet Ehr,
ihr Menschen in der Welt,
dem, dessen Lob der Engel Heer
im Himmel stets vermeld’t.
Amen.

Paul Gerhardt. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 332,1.

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