Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wucherer der Nächstenliebe

Matthäus 25,14–30 (in Auszügen) Ein Mensch rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen. Der fünf Zentner empfangen hatte, gewann weitere fünf dazu. Der aber einen empfangen hatte, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit forderte der Herr dieser Knechte Rechenschaft von ihnen. Der fünf Zentner empfangen hatte, sprach: Herr, ich habe weitere fünf Zentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Der einen Zentner empfangen hatte, sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Impuls zum Predigttext für den 9. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 25,14–30.  Von Charlotte Sander.

Charlotte Sander ist Pfarrerin in Stuttgart-Mühlhausen.

Das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden ist sprichwörtlich geworden. Da vergräbt einer sein Talent. Da verbirgt einer seinen Schatz. Da macht einer nichts aus seinen Gaben und Möglichkeiten. Damit missachtet er die Gaben, die Gott in ihn gelegt hat. So lesen wir heute meist dieses Gleichnis. Im Gleichnis selbst ist von Talenten Silber die Rede, also von sehr viel Geld. Es geht um einen Schatz, der verteilt wird.

Im Gleichnis von den anvertrauten Pfunden bereitete Jesus seine Freunde auf den Abschied, auf das Ende vor und auch auf die Zeit danach. Wie wird es weitergehen? War das, was Jesus gelebt und gelehrt hat, sinnlos? Oder gibt es noch eine Hoffnung für die Botschaft von der Liebe Gottes?

Mit deutlichen Worten erklärt Jesus seinen Freunden, wo die Hoffnung nun liegt: in ihren Händen. Ein unermesslicher Schatz ist ihnen anvertraut. Und er wird aufgeteilt: Der eine bekommt mehr, der andere weniger davon, je nach seinem Vermögen, ihn verwalten zu können. Die einen sind da geschickter, die anderen weniger.

Dieser unermessliche Schatz ist die Botschaft von der Königsherrschaft Gottes, die besagt, dass Gott der Herr des Lebens ist und kein römischer Tyrann, kein angeblich gottgewollter Kaiser und auch kein Führer. Dieser Schatz ist die Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen, die den Menschen richten will, aufrichten, gerade richten, so dass alle Menschen in Liebe und Respekt einander begegnen können.

Dieser Schatz ist die Botschaft von der Nächstenliebe, ist das höchste Gebot. Immer wieder schärft Jesus das seinen Freunden ein: Liebt einander, liebet euren Nächsten, liebet eure Feinde. Gebt Gottes Liebe an die Geringsten weiter. Diese Liebe ist der große Schatz, den Gott euch anvertraut. Das ist die Essenz des Himmelreiches. Himmel verwirklicht sich da, wo ihr das weitergebt.

Nun gibt es Menschen, die mit vollen Händen austeilen können, die Gottes Liebe ausstrahlen und widergespiegelt bekommen. Aber es gibt auch die Ängstlichen, Zaghaften und Misstrauischen: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist; ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das deine.

Die Botschaft von der Liebe Gottes wird vergraben, verbuddelt, versteckt. Vielleicht ist Gott doch nicht so freundlich, vielleicht gibt es ihn gar nicht, vielleicht ist alles nur Schwindel, vielleicht mache ich auch alles falsch. Zaghaftigkeit, Misstrauen, Feigheit, eine Mischung aus vielem lässt solche Knechte den Schatz vergraben. Nächstenliebe eine Illusion, Glauben, nur etwas fürs stille Kämmerlein. Wer sich so einschränkt, ja eingräbt, der ist ein schlechter Haushalter Gottes.

Das Evangelium will gelebt und gewagt werden, will bekannt sein, braucht mutige und fröhliche Bekenner. Solche, die mit heißem Herzen das Evangelium weitertragen und solche, die es mit kühlem Verstand weitergeben. Verzagte, Lauwarme, die Gottes Schatz für sich behalten, das sind schlechte Botschafter.

Die Jünger Jesu haben das Gleichnis verstanden. Sie haben sich die Talente anvertrauen lassen und sind mit heißem Herzen in die Welt gezogen, um mit Gottes Pfund zu wuchern.

Die einen mit mehr, die anderen mit weniger Talenten. Wucherer der Nächstenliebe, diese Haushalter kann Gott brauchen.

Ihr Gebet

 

Gebet

Gott unser Herr hat uns gesagt,
ihr sollt ein Segen sein,
weil diese Welt es nötig hat,
sollt ihr ein Segen sein.
Nun sind wir aufgerufen, sein Werk mit ihm zu tun,
und wenn Gott will, wird, was wir tun,
ein Segen sein.
Amen.

Eric Bond/Jutta Hager


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