Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zielstrebig, aber nicht verbissen

1. Korinther 9,24–27 Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Septuagesimä.  Von Martin Hauff

Der promovierte Theologe Martin Hauff ist geschäfts­führender Pfarrer in Langenau im Kirchenbezirk Ulm.


Karl Fezer war Praktischer Theologe und Predigtlehrer in Tübingen. Im letzten Jahrhundert vermittelte er eindrucksvoll einer ganzen Generation württembergischer Pfarrer die zentrale Bedeutung der Predigt für die theologische Existenz des Pfarrers und für das Leben der Gemeinde gleichermaßen. Fezer hat unter seinem Schreibtisch einen Eimer mit kaltem Wasser stehen gehabt. In diesen Eimer stellte er seine Füße zu nächtlicher Stunde, um seinen Körper zur Wachsamkeit zu zwingen, wenn er die Predigt auswendig lernte. Anderntags auf der Kanzel der Tübinger Stiftskirche strahlte er einen heiligen Ernst aus. Er hätte sich gut mit Paulus verstanden, der als Globalisierer des Christentums gewirkt und dabei seinen Körper in keiner Weise geschont hat. Im Bild gesprochen habe er, so der griechische Urtext, gezielte Schläge auf empfindliche Körperstellen vollführt und das Letzte aus seinem Körper herausgeholt. Wie ein Langstreckenläufer oder ein Boxkämpfer monatelang auf die olympischen Spiele trainiert und dabei auf alles verzichtet, was den Sieg gefährden könnte, so ist Paulus mit ganzem Einsatz in der Spur Jesu unterwegs. Er hat immense Strapazen, körperliche Qualen und viel Wachen auf sich genommen, um Menschen die Freiheit schmackhaft zu machen, die Jesus Christus schenkt – eine Freiheit, die gerade nicht schrankenlos ist, sondern das Recht und die Würde des Nächsten im Blick hat. Allerdings ist dieses Wirken des Paulus an seinem Körper keineswegs spurlos vorbeigegangen.

Ich habe Respekt vor solchen Ausnahme-Existenzen wie Paulus. Aber ich glaube nicht, dass die Art und Weise seines Einsatzes, der asketische Momente bis hin zu einer Verbissenheit in sich trägt, allgemein gültiger Maßstab für alle Christinnen und Christen ist. So wie ja prozentual die wenigsten von uns Olympia-Teilnehmer mit entsprechend entbehrungsreichem Trainingsprogramm sind. Was ich von Paulus aber lerne, ist dies: So wie der Läufer im Stadion sich auf die Ziellinie ausrichtet und nicht abseits der Aschenbahn läuft, so wie der Faustkämpfer übt, nicht Luftschläge zu vollführen, die ihr Ziel verfehlen, so gilt es einzuüben, unser Christenleben auf Jesus Christus auszurichten und an seinem Liebesgebot zu orientieren. Der Sonntag Septuagesimä, 70 Tage vor Ostern, richtet unsere Blicke nun weg von Krippe und Weihnachtsbeleuchtung, hin zu Jesus, der nach Jerusalem zieht, dem Dunkel des Karfreitag und dem Morgen seiner Auferstehung entgegen. Am Ostermorgen hat Gott Jesus als den Bürgen seiner Liebe bestätigt. Ihm gilt es, zielstrebig, aber nicht verbissen zu folgen und seine Liebe weiterzugeben. Wer den Spuren Jesu folgt, erlebt viel Beglückendes. Aber der Weg geht nicht nur durch blumige Wiesen. Der Weg von einem Menschen zum anderen kann durch Dornen und Gestrüpp mit entsprechendem Verletzungsrisiko führen. Theophil Askani hat einmal gesagt: „Liebe hat mit Opfer zu tun und mit Verzicht, und wer sich darin versucht, der weiß auch vom Scheitern und Schuldigwerden. Man kommt nicht glatt davon, wenn man den Spuren Jesu nachgeht.“  

Christlicher Glaube ist kein zielloses Umherschlendern. Er richtet unser Leben aus auf ein letztes Ziel, das Ankommen beim auferstandenen Jesus, bei dem es nicht nur einen einzigen ersten Preis gibt. Auf diesem Weg gilt es, andere mitzunehmen, und dabei nicht mehr zu verlangen, als man selbst umsetzen kann. Wir müssen nicht wie Fezer die Füße in kaltes Wasser stellen. Und wir dürfen Paulus gegen Paulus stark machen, der an anderen Stellen vom Leib als Wohnung des Heiligen Geistes spricht und damit die Spur zu einem pfleglichen Umgang mit dem Körper legt. Denn auch der Heilige Geist, der unseren Weg immer wieder neu auf Christus einjustiert, freut sich an einer einladenden und gepflegten Wohnung.


Ihr Gebet

 
Gebet

Für Christus leben in dieser Zeit;
Er schenkt die Gnade, er ist nicht weit.
Unsere Sorgen in ihm geborgen,
er hält die Siegeskrone bereit.

Mária Royová. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 640,3.

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THEMA - Die Bergpredigt

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