Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zu wem Jesus gehört

Lukas 2,41–51 Jesu Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. Als sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem und seine Eltern wussten’s nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn. Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.

Impuls zum Predigttext für den 2. Sonntag nach dem Christfest: Lukas 2,41–52.  Von Ulrich Mack

Ulrich Mack ist Prälat der Prälatur Stuttgart

Manchmal verstehen Eltern ihre Kinder nicht. Besonders, wenn Jugendliche erwachsen werden, wenn sie ihre Wurzeln suchen, wenn sie ihren Weg finden müssen. Dann wird deutlich: Wovon sind sie geprägt? Was haben sie an Elternliebe erfahren? Wo gehören sie hin?

Die Erzählung vom zwölfjährigen Jesus – die einzige Jugendgeschichte über ihn in der Bibel – zeigt, wer Jesus ist, wo seine Wurzeln liegen, wo er hingehört. Damals war ein Junge mit zwölf Jahren an der Schwelle zum Erwachsenenalter.

Jesus darf mit zum Passafest. Ein großes Erlebnis! 100?000 Pilger kommen nach Jerusalem. Aus Furcht vor Räuberbanden schließen sie sich zu größeren Reisegruppen (griechisch: „synodia“) zusammen. Kein Wunder, dass die Eltern ihren Jesus erst am Abend des ersten Rückreisetages vermissen.

Sie suchen ihn lange, finden ihn im Tempel. Zwei „Warum“-Fragen stoßen aufeinander: „Warum hast du uns das getan?“, ruft die sorgenvolle Mutter. „Warum habt ihr mich gesucht?“, fragt der junge Jesus zurück. Die Eltern verstehen noch nicht, dass Jesus hierher gehört: in den Tempel, zu Gott.

Die ganze Spannung zeigt sich im (Nicht-)Verstehen, wer der Vater ist. „Siehe, dein Vater …“ sagt Maria und meint Josef. „Ich muss sein in dem, was meines Vaters ist“, antwortet Jesus und meint Gott damit, seinen himmlischen Vater. Mit ihm ist er näher verbunden als mit Maria und Josef. Jesus legt im ersten Wort aus seinem Mund, das die Evangelien überliefern, eindeutig fest, wo er herkommt und wo er hingehört.

Die Eltern verstehen ihn nicht. Er aber hat so viel Verstand, dass sich die Gelehrten wundern. Und Lukas überliefert die Erzählung, damit wir von Anfang an verstehen, wer Jesus ist. „Euch ist der Heiland geboren“, hatten zwölf Jahre vorher die Engel den Hirten erklärt. Er bringt Frieden, frohe Zuversicht. Maria hatte diese Worte „im Herzen bewegt“. Und jetzt wieder vergessen?

In der Geschichte vom zwölfjährigen Jesus steckt die Einladung, zwölf Tage nach Weihnachten, wenn die Weihnachtsgutsle gegessen sind, der Weihnachtsbaum wieder abgebaut und die Weihnachtskrippe wieder im Keller verstaut wird, die Weihnachtsbotschaft nicht zu vergessen: „Gott gibt, unserm Leid zu wehren, seinen Sohn aus dem Thron seiner Macht und Ehren“ (EG 36).

Jesus geht erstmal wieder mit seinen Eltern nach Nazareth zurück. Josef ist noch dabei. Er sagt in der ganzen Geschichte, wie viele Väter in solchen spannungsvollen Momenten, kein Wort. Von ihm erfahren wir danach in der Bibel nichts mehr.

Maria bewegt auch diese Worte in ihrem Herzen. Ob sie viel später wieder daran gedacht hat? Etwa bei jenem Passafest, an dem Jesus am Kreuz starb? Danach berichtet das Evangelium noch einmal, dass sie ihn nach drei Tagen fanden – und zwar als Auferstandenen. Da musste Jesus nicht mehr erklären, woher er kommt. Aber er hatte erklärt, wohin wir kommen sollen: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“ (Johannes 14,2).

 

Ihr Gebet

Gebet

Herr Jesus Christus, du bist zu uns gekommen,
damit wir froh werden.
Du kommst vom Vater.
Du lehrst uns, Vater unser zu beten.
Hilf uns, immer mehr zu verstehen, wer du bist.
Amen.




 

 

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