Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zuspruch und Zwiesprache

Römer 8,12–17 (in Auszügen) Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet, sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn anders wir mit ihm leiden, auf dass wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.


Impuls zum Predigttext für den 14. Sonntag nach Trinitatis: Römer 8,12–17.  Von Regina Stierlen

Regina Stierlen ist Pfarrerin in Wittendorf und Lombach im Dekanat Freudenstadt.

„Endlich vorbei!“ So atmen wir auf, wenn eine bedrängende Situation überwunden ist. Ernüchtert stellen wir dann fest, dass das Beängstigende gleich wieder in uns und vor uns aufsteht. Von außen sind es Anforderungen und Zwänge. Von innen Sorgen, Ängste, Schuld, negative Prägungen. Wir versuchen, das Leben in den Griff zu bekommen, aber es hat uns im Griff. So beschreibt Paulus im Römerbrief unser Lebensmuster. Wie ein Sklave funktionieren wir. Von außen und innen angetrieben, voller Sehnsucht nach Befreiung. Alle eigene Anstrengung endet in dem Aufschrei: „Wer reißt mich hier raus?“ Ein zweiter Aufschrei, ein Gebet, wendet sich an Gott: „Abba, Papa, lieber Vater!“ Unbefangenes Vertrauen, das Antwort gibt auf Gottes vorausgehende Liebe. Gottes Zuwendung überwindet in uns die Denk- und Verhaltensmuster, die uns von Gott wegziehen. Er wendet uns um ins Leben. Was wir nicht schaffen, schafft er in uns durch seine schöpferische Zusage: „Du musst dich nicht wieder fürchten! Du bist mein geliebtes Kind!“ So verleiht er uns unverlierbare Identität.Im Gespräch mit Gott gewinnen wir Profil, befreit vom Kreisen um uns selbst. Der Sog weg von Gott wird durchbrochen. Der Geist Gottes in uns hält uns mit Gott verbunden. Unzerstörbare Beziehung, die bis in Ewigkeit bleibt. Das Gebet, die Zwiesprache mit Gott, ist unser Lebenselixier. Es ist das Gespräch, das Gott selbst in unser Herz einstiftet und aufrechterhält. Was und wer auch immer uns antreibt, hat kein Recht, unser Leben zu dominieren. Der lebenschaffende Geist, der Jesus Christus von den Toten auferweckt hat und in uns wohnt, prägt uns und verwandelt uns. Nicht unsere Anstrengung, sondern das grundlos verliehene Recht, Gottes Kinder und Erben zu sein, hält uns in der Beziehung zu Gott stabil.„Papa!“ Eines der ersten Lallworte eines Kindes. In Israel ganz ähnlich, „Abba!“ Das Kind kann den Papa ansprechen, sich ihm anvertrauen, bei ihm ist es gut aufgehoben und geborgen. Was Angst macht, kann gemeinsam bewältigt werden. Wer „Papa“ ruft, sucht das Gegenüber, die Stimme, das Gesicht, die ausgebreiteten Arme, die Fürsorge dieses Vaters, die er schon erlebt hat. Er ruft, um sich zu vergewissern.Der Geist der Kindschaft vergewissert uns, dass Gott, der Vater, für uns da ist. Es ist unsre Lebensbestimmung, diesem Geist Raum in uns zu geben, wie Paul Gerhardt in seinem Sommerlied bittet: „Mach in mir deinem Geiste Raum!“. Was für eine Grundgeborgenheit: Wir sind beim Vater geliebt, das ist unsere Identität, das bleibt. Ein kleines Mädchen im Kindergartenalter springt wenige Tage nach ihrer Taufe fröhlich auf mich zu: „Gell, das Kreuz aus Wasser auf meiner Stirn bleibt für immer!“ Die Liebe des Vaters, die Zugehörigkeit zu Christus bleiben für immer. Wir brauchen Vergewisserung. Der Zuspruch „Du bist Gottes geliebtes Geschöpf und Kind! Jesus Christus segnet dich!“ verbunden mit dem in die Handflächen durch Salböl eingezeichneten Kreuzzeichen lässt die Augen der Menschen im Altersheim beim Gottesdienst leuchten. Gerade diejenigen, die dement sind, bedanken sich. Sie brauchen diesen Zuspruch: Du darfst daheim sein bei Gott und seiner Gemeinde. Gott schenkt uns die herzliche Vertrauensbeziehung, das Zwiegespräch im Gebet: Er spricht uns zu, dass wir seine Kinder und Erben sind. Wir antworten ihm und erzählen ihm, was uns bewegt. Der Geist schafft, durchatmet, belebt, vertieft die Beziehung. Nichts und niemand macht uns dieses Kindesrecht, diese Identität streitig. Auch wir selbst nicht. „Christus betet in dir durch den Geist, mehr als du glaubst.“ (Frère Roger, Taize)


Gebet

Lieber Vater im Himmel!
Wir danken dir, dass du unser Vater bist
und wir deine Kinder sind.
Wir danken dir für deinen Heiligen Geist.
Er vergewissert uns, dass wir zu dir gehören.
Durch ihn betest du in uns. Wir wissen nicht,
was wir beten sollen. Du sorgst dafür, dass
wir mit dir in Verbindung kommen und bleiben.
Deine Liebe trägt und prägt unser Leben.
Lass uns den Raum der Freiheit ausschreiten,
den du uns aus Liebe eröffnest.
Wir vertrauen uns und deine Welt dir an.
Wir stellen uns dir zur Verfügung.
Wirke durch uns. Amen.





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THEMA - Die Bergpredigt

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