Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zwiegespräch mit Gott


2. Timotheus 1,7: Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Impuls zum Predigttext für den 16. Sonntag nach Trinitatis: 2. Timotheus 1,7–10.  Von Regina Korn

Regina Korn ist Pfarrerin  in Lorch und Weitmars.

 

 

„Darüber muss ich erst noch einmal nachdenken.“ – Sich besinnen, innehalten, einen Schritt innerlich zurücktreten, Abstand gewinnen, noch einmal eine Nacht darüber schlafen. Wer traut sich heute schon noch, ehrlich zu sagen, dass er oder sie noch keine feste Meinung dazu hat oder noch keine Antwort darauf weiß, sondern noch einmal darüber nachdenken muss, sich noch einmal besinnen muss?

Freilich, es gibt Situationen, in denen wir schnell reagieren müssen und in denen wir sofort eine Antwort parat haben müssen. An vielen Stellen unseres Alltags ist es notwendig, dass wir hellwach sind und präsent. Aber wäre es nicht eine Wohltat in einem Zeitalter der Gleichzeitigkeit, der Möglichkeit, immer und überall erreichbar zu sein, und der schnellen Reaktionen in der vielfältigen medialen Öffentlichkeit, wenn jemand mal sagen würde: „Darüber muss ich erst noch einmal nachdenken. Ich muss mich erst noch besinnen“? Und zwar in einem doppelten Sinn: Darüber noch einmal nachdenken und mich auf das besinnen, was wirklich wichtig und wesentlich ist.

Der Brief an Timotheus spricht den Empfänger an einem wunden Punkt an: Er scheint verzagt zu sein, verunsichert und in einer diffusen und beunruhigenden Stimmung, eine Krise liegt in der Luft. Der Geist der Furcht erfasst die Seele und die Seele weiß nicht mehr weiter und ist gelähmt, mutlos und ängstlich. Da hilft es nicht, der Furcht auszuweichen oder sie zu verdrängen. Da hilft es gar nicht, sie zu verharmlosen. Sie muss vielmehr angeschaut, benannt und bewusst gemacht werden und damit greifbar und handhabbar werden. Erst dann kann ich der Furcht ihre angstmachende Macht und Dimension nehmen, sie zurückdrängen und in die Schranken weisen. Der Blick für Alternativen wird frei, sichtbar und denkbar. Ich kann wieder Schritte in eine andere Richtung gehen. Wie hilfreich ist es doch, wenn der Blick, wo er durch die Angst verstellt war, wieder frei wird, die Seele sich weitet und ich die Dinge wieder in einem anderen Licht sehen kann!

Es kommt auf den Blickwinkel an, auf das Vorzeichen, auf das, wem oder was wir Macht und Raum geben wollen in unserem Leben. Timotheus wird in diesem Brief an das erinnert, was ihm gegeben ist von Gott. Er wird daran erinnert, wie ihm bei seiner Einsetzung durch Handauflegung dieser Geist Gottes geschenkt wurde und wie er aus diesem Geist leben darf, aus dem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Sich besinnen auf das, woraus wir leben. Sich besinnen auf die Quelle, aus der wir leben und Kraft daraus schöpfen. Als nach dem bis heute unaufgeklärten Tode des Generalsekretärs der Vereinten Nationen Dag Hammar­skjöld in dessen Hinterlassenschaft eine Art Tagebuch gefunden wurde, war man erstaunt, in diesem Politiker einem Menschen zu begegnen, der sein gesamtes Handeln und Wirken als Staatsmann in das Zwiegespräch mit Gott und in die Meditation stellte. Man war verblüfft, einen solch religiösen Denker darin zu finden. „Zeichen am Weg“, so heißt dieses Tagebuch. Es sind Gedanken, die Dag Hammar­skjöld oft in den Nacht- oder frühen Morgenstunden aufgezeichnet hat. Einer dieser Gedanken zeigt die Freiheit und Offenheit, aus der Dag Hammarskjöld lebte: „Je treulicher du nach innen lauschst, umso besser wirst du hören, was um dich ertönt. Nur wer hört, kann sprechen. Führt hier der Weg zur Vereinigung der beiden Träume: das Leben in Klarheit zu spiegeln – in Reinheit zu gestalten?“

Wir können uns darin üben, uns zu besinnen und auf diesen von Gott uns gegebenen und anvertrauten Geist zu vertrauen. Wir können ihm Raum einräumen in unserem Leben: täglich im Innehalten, in einer Stille, in einer Meditation, sonntäglich gemeinsam im Gottesdienst, um mit Kraft und Liebe und eben auch Besonnenheit agieren zu können.¦

Gebet

Lass mich wach sein, mein Gott,
und bereit, Dir zu begegnen.
Lass mich stark sein, mein Gott,
in den Forderungen des Tages.
Lass mich getröstet sein, mein Gott,
und in Dir geborgen, wenn ich falle.
Lass mich offen sein, mein Gott,
und bereit, die Menschen zu lieben.

Katharina Schridde
In: Evangelisches Frauenbrevier, Gütersloh 2006, S. 14)

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