Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zwietracht um Jesu willen?

Matthäus 10, 34?–?39  Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird‘s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird‘s finden. 

Impuls zum Predigttext für den 21. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 10,34–39.  Von Martin Weeber

Der promovierte Theologe Martin Weeber ist
Pfarrer an der  Petruskirche
Gerlingen.

So kennen und so lieben wir Jesus: Als den sanftmütigen Heiland, der alle zu sich einlädt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28) Aber Jesus hat offensichtlich auch eine andere Seite: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde.“ Zwietracht und Zwist bringt er, nach seinen Worten, die bis in die Familien hineinreichen.
In unseren Tagen sind viele Menschen der Meinung, dass der Glaube und dass die Religionen Unfrieden in die Welt bringen. Sie könnten sich durch den Predigttext dieses Sonntags bestätigt fühlen. Freilich muss man im Auge behalten, worauf Jesus mit seinen harten Worten zielt: Es geht ihm letztlich nicht um das Zerstören des Lebens, sondern um dessen Finden: „Wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird‘s finden.“
Offensichtlich kann man sein Leben auf falsche Weise „finden“ – dann wird man’s verlieren. Wir dürfen es wagen, interpretierend zu ergänzen: „Wer meint, sein Leben in den Lebenseinstellungen und Genüssen zu finden, die uns etwa die Werbung vor Augen führt, der wird es in Wirklichkeit verlieren, weil sich ihm der wahre Sinn des Lebens verschließt.“

Der wahre Sinn des Lebens erschließt sich uns im Kreuz Jesu. Das Kreuz Jesu ist der Inbegriff der Lebenshingabe Jesu. Jesus gibt sich uns Menschen ganz hin, und diese gänzliche Hingabe führt ihn ans Kreuz. Seine Hingabe führt ihn also an den Ort, an dem er sein Leben an den Tod zu verlieren scheint. Als Christinnen und Christen glauben wir freilich, dass Christus nicht im Tode bleibt. Der Ort des scheinbaren Lebensverlustes wird zum Ort des tatsächlichen Lebensgewinns.

Dieser Glaube ist allerdings nicht ausweisbar und nicht beweisbar. Er wird umstritten bleiben bis zum Jüngsten Tage. Und darum wird es immer Streit geben, ob es eine gute Lebensentscheidung ist, sich auf den Weg Jesu einzulassen. Dieser Streit kann Familien durchaus entzweien.

Geschehen ist solche Entzweiung in Familien manches Mal in der DDR: Es brachte Nachteile mit sich, wenn man sich zu Jesus und zur Kirche hielt. Und dann kam es durchaus vor, dass die Frage gestellt wurde, ob sich „das“ denn lohne. Darüber kam es dann zum Streit, und nicht selten war es ein Mitglied der Familie, das die Christin oder den Christen in der Familie als „inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit“ bespitzelte: „Des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“
Was Jesus zu seinen Jüngern in unserem Predigttext sagt, ist eine Anweisung für die Extremsituation. In solchen Extremsituationen stecken wir hierzulande und in unserer Gegenwart nicht. Gott sei Dank! Und wir sollen uns nach solchen Extremsituationen auch gar nicht sehnen. Viel schöner ist es, wenn der Glaube an Jesus vereint, als wenn er entzweit. Aber man braucht wenig Fantasie, um sich vor Augen zu führen, dass in anderen Weltgegenden solche Extremsituationen fast der Normalfall sind. Dort führt einen der Glaube leicht in die Extremsituation der Verfolgung. Wir wollen die Mitchristinnen und Mitchristen, die solcher Bedrängnis ausgesetzt sind, nicht vergessen.

Jesu Worte sind extrem. Aber sie werden richtig verstanden nur als Worte für die Extremsituation.
In ruhigen und friedlichen Zeiten dürfen wir es genießen, wenn uns der Glaube nicht von unseren Liebsten trennt. Wir dürfen Vater und Mutter und Sohn und Tochter durchaus lieben. Nur eben nicht mehr als Jesus.

Bringt der Glaube an Jesus Zwietracht und Zwist, Unfrieden und Streit? Nur im Extremfall.

Gebet
Lass uns Frieden halten,
wo und wann immer es uns möglich ist.
Und lass uns streiten nicht für uns,
sondern nur für Dich.
Aber auch dann nur so,
dass der Streit dem wahren Leben dient.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 47/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.