Christliche Themen für jede Altersgruppe

Adventszeit

Vier Lichter müssen Kinder am Adventskranz anzünden dürfen, dann kommt das Christkind. An den vier Sonntagen spannt die kirchliche Liturgie einen großen dramaturgischen Bogen. Und der 1. Advent beginnt mit einem Text, den man eher in der Osterliturgie vermuten würde. 

Vier Kerzen müssen es sein (Foto: Smileeus/Fotolia)

Wie viel Vorbereitung braucht es? Sieben Tage, vier Sonntage oder mehr? Das war nicht immer einheitlich. Es heißt, vier Sonntage vor dem Christfest seien um 600 von Papst Gregor dem Großen als Adventszeit festgelegt worden. Sie beginnt mit der Vesper am 1. Advent bis in die Nacht vor dem Christfest am 25. Dezember.

Gregor war vorher Roms Stadtpräfekt und blieb als Papst seinem Regierungsstil, Entscheidungen fällen und sie durchdrücken, mit diesem Hang zur Systematisierung treu. Kein Wunder, dass die Erzdiözese Mailand sogleich Widerspruch eingelegt haben soll, unter Berufung auf ihre ältere Tradition. Dort ist nicht nur die Messe anders aufgebaut, sondern auch die Adventszeit traditionell wesentlich länger, sie beginnt bereits nach dem Martinstag. In halb Oberitalien, überall dort, wo der ambrosianische Ritus gilt, gibt es sechs Wochen Adventszeit.

Advent war einmal bei den Christen, die vor uns lebten, ganz anders als heute, bewusst eine „Stille Zeit“, das heißt keinerlei größere Festivitäten. Advent war eine Fastenzeit. Also: Reize zurückschrauben, das Leben verlangsamen, um nicht nur fettärmer zu speisen, sondern um im übertragenen Sinne „ärmer“ zu leben. Weil damit dann innerlich Platz wird für die reiche Fülle des Himmels mit Jesu Zur-Welt-Kommen. Adventszeit als Fastenzeit wurde als spirituell stimmig empfunden.

Advent ist ein geistlicher Raum, und unsere Seelen brauchen diese Dimension, um sich auf Weihnachten vorzubereiten, indem ein Weg gegangen wird. Die vier Adventssonntage bestimmen dabei das Leben vor Weihnachten. Daher lohnt sich ein Blick auf ihre liturgischen Texte. Sie bieten Überraschungen.

Sind die katholischen Adventssonntage traditionell geprägt durch die drei Themen „Wiederkunft des Herrn“, „Johannes der Täufer“ (zwei Mal), sowie „Maria und Elisabet“, hat das die Kirche der Reformation behutsam korrigiert. Johannes der Täufer als Vorläufer des Herrn kommt nur einmal vor, am 3. Advent. Dafür beginnen der 1. Advent mit Jesu Einzug nach Jerusalem. Der 2. Advent hat die Wiederkunft des Herrn zum Thema, und am 4. Advent geht es um Maria und Elisabet.

Jesu Einzug in Jerusalem passt direkt und bildlich sehr gut zu der Urbedeutung des Advents als „adventus domini“, der Ankunft des Herrschers. Denn das Wort Advent stammt aus dem Lateinischen, von adventus. Genauer adventus divi, das meint die Ankunft des göttlichen Herrschers, ist also ursprünglich ein Begriff aus der Politik. Der Begriff stammt aus dem römischen Kaiserkult. Imperatoren haben so einen Event organisiert, mit Geschenken von der Speisung von Tausenden bis zu Geld¬regen und Wunderheilungen von Lahmen, Tauben und Blinden. Die junge Kirche hat mit adventus Domini den Begriff übernommen für ihre Vorbereitung auf das Fest der Geburt des Herrn, seiner Menschwerdung, seines Erscheinens und seiner Ankunft auf Erden.

Die Ankunft des Herrn, verknüpft mit der Geschichte vom Einzug nach Jerusalem also. Das erinnert eher an die Passionsgeschichte als an Weihnachten. Aber wer kennt das nicht, wie bald Menschen umschwenken. Erst heißt es „Willkommen!“ wie damals die Rufe „Hosianna!“ und „Gelobt sei, der kommt im Namen des Herrn!“, doch dann „Kreuziget ihn!“

Der Einzug Jesu in Jerusalem hat die Wahrheit dieser Zweideutigkeit, es ist ein Blick in menschliche Abgründe. Und doch wäre es wirklich jammerschade, wenn das Kommen eines Friedenskönigs, bewusst nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel, völlig von der Passionstheologie verschlungen werden würde und nur am Palmsonntag vorkäme. Dabei war doch diese Prophezeiung in Sacharja 9 Jesus so wichtig: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Daher: Der Einzug in Jerusalem passt gut zum ersten Advent.

Liturgisch passend sind zu jedem der vier Adventssonntage jeweils ein Wochenlied zugeordnet und zu den sechs Jahrgängen die Predigttexte vorgeschlagen, entsprechend ihrer Thematik. Erkennbar ist so etwas wie eine Dramaturgie mit einer inneren Logik: Jesu „Einzug in Jerusalem“, sein erstes Kommen passt zum 1. Advent. Die Wiederkunft des Herrn lenkt unsern Blick auf seine zweite Ankunft, den künftigen Advent sozusagen. Damit ist der große Bogen für den Raum Advent aufgespannt, Anfang und Vollendung. Und dazwischen?

Vorbereitungen für das Auftreten von Jesus: Am 3. Advent wird auf Johannes den Täufer gehört, den Vorläufer des Herrn. Und der hatte nicht nur nette, süßliche Worte parat, als sei Religion so ein Sahnehäubchen.

Der 4. Advent bietet nach diesem Weg eine weitere, tiefe Dimension: Mit Maria und Elisabeth kommt ein Perspektivwechsel auf die Mütter und ihre Gefühle. So kommt es zur frohen Botschaft, ohne dass es kitschig oder abgeschmackt wirkt. Marias Besuch bei Elisabeth und Marias Lobgesang: „Meine Seele erhebt den Herrn“ (Lukas 1,39-56). Die Texte verkünden die Freude, die wir schon haben, weil uns das Kommen des Herrn verkündet ist, der Frieden in diese Welt bringt. Wer die  Adventsgottesdienste besucht, kann erleben, wie seine Seele einen besonderen Raum durchschreitet, den Menschen früherer Zeiten für sich entdeckt und aufgebaut haben, damit Weihnachten werden kann.

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