Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Buß- und Bettag

Buß- und Bettag (Foto: Lolostock - fotolia)

Der Bußtag

Weil er kein gesetzlich geschützter Feiertag mehr ist, droht der Buß- und Bettag in Vergessenheit zu geraten. Er ist seit elf Jahren ein ganz normaler Arbeitstag. Kaum bekannt ist, dass Arbeitnehmer zumindest in Baden- Württemberg das Recht haben, an diesem Tag – allerdings unbezahlten – Urlaub nehmen zu können.

Dennoch bieten viele Kirchengemeinden am Buß- und Bettag – meist abends – einen Gottesdienst an. Nicht wenige haben sich mit der katholischen Nachbargemeinde auf einen ökumenischen Gottesdienst geeinigt.

In früheren Jahrhunderten wurden Bußtage bei Hungersnöten, Seuchen oder Kriegsgefahr angesetzt. Das waren Tage des öffentlichen Bekennens von Schuld. Damit verbunden war die Forderung nach Umkehr. Heute sind Bußtage nicht nur Tage des allgemeinen Sündenbekenntnisses, sondern vielmehr Tage des Innehaltens.

Und dazu braucht man keinen gesetzlich geschützten Feiertag. Innehalten kann man morgens zu Hause – dann vielleicht ganz bewusst den Bibeltext lesen, der für den Buß- und Bettag in diesem Jahr vorgesehen ist (Offenbarung 3,14–22), in der Mittagspause oder am Abend in einem Gottesdienst. Innehalten heißt auch, sich das zu Ende gehende Kirchenjahr zu vergegenwärtigen, sich zu fragen, was Schuld heute bedeutet und wo man selber schuldig geworden ist. Man kann auch den Buß- und Bettag bewusst als Fastentag gestalten. Auch das gehörte früher zum Ritual der Bußtage.

Wichtig ist dabei, dass der Buß- und Bettag auch ein Tag der Entlastung ist. Wir können uns Gottes Vergebung gewiss sein. Und das macht uns bereit für das Neue, das auf uns zukommt. Der Theologe Paul Tillich hat das so ausgedrückt:„Gott schenkt uns Vergebung für das Vergangene, Mut für das Zukünftige und Ruhe in seiner ewigen Gegenwart.“

Nur in Sachsen ist der Buß- und Bettag gesetzlicher Feiertag - Bußzeiten gab’s schon im antiken Rom

Gemeinsame Bußzeiten waren schon im Altertum bekannt. In Notzeiten wurden zum Beispiel in Rom „Sühnetage“ (feriae piaculares) vom jeweiligen Staatsoberhaupt angeordnet. Auch in der Bibel werden Bußtage beschrieben und die Notwendigkeit der Umkehr zu Gott thematisiert; etwa in Ninive (Jona 3).
Angesichts der drohenden Kriegsgefahr durch die Osmanen rief 1535 Kaiser Karl V. das Reich zur Buße auf. Die Reichsstädte Straßburg, Ulm und Augsburg verordneten die ersten evangelischen Bußtage. Im 17. Jahrhundert breiteten sich die Bußtage in evangelischen Kirchen aus, vor allem im 30-jährigen Krieg. Meist wurden sie von der weltlichen Obrigkeit angeordnet, oftmals in Verbindung mit Betstunden in Not- und Seuchenzeiten.

So hat der preußische König Friedrich Wilhelm I. Bußtage ausdrücklich angeordnet, damit alle Preußen, Untertanen und Obrigkeit gemeinsam Gott um Vergebung für die Unvollkommenheit staatlichen Handelns und des daraus entstehenden Leides bitten sollten. Vielerorts gab es mehrere Bußtage pro Jahr, in Württemberg sogar monatlich. 1878 existierten den Chroniken zufolge in den 26 evangelischen Gebieten des Deutschen Reiches 47 unterschiedliche Bußtage.

Das Aufkommen der Eisenbahn, die Reichsbildung und im Zuge kirchlicher Einigungsbestrebungen versuchte die evangelische Kirche auf der Eisenacher Konferenz seit 1852, zentral einen festen Termin für einen Bußtag einzuführen. Sie empfahl den Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres als Feiertag.

Dieser Termin wurde erst 1934 von allen deutschen Ländern anerkannt. Bereits 1939 wurde der Buß- und Bettag per Erlass von Hitler faktisch abgeschafft. Er verlegte diesen Feiertag auf einen Sonntag. Nach dem Krieg führten einige Länder den Bußtag dann wieder ein. 1981 wurde der Tag in der ganzen Bundesrepublik Deutschland gesetzlicher Feiertag, ab 1990 auch in den neuen Bundesländern. Doch 1994 wurde er als arbeitsfreier Tag abgeschafft, um die Mehrbelastung für die Arbeitgeber durch die Beiträge zur neu eingeführten Pflegeversicherung durch Mehrarbeit auszugleichen.

Nur im Freistaat Sachsen ist der Bußund Bettag ein gesetzlicher Feiertag geblieben. Dafür müssen alle dort Beschäftigten einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung leisten als im übrigen Bundesgebiet.
Allerdings ist der Bußund Bettag seit 1996 bis heute in den übrigen Bundesländern ein „gesetzlich geschützter“ Feiertag geblieben. Das bedeutet, dass es durch die Feiertagsgesetzgebung jedem Arbeitnehmer und jedem Schüler möglich ist, an diesem Tag vormittags einen Gottesdienst zu besuchen. Dafür muss kein Urlaub genommen werden, aber der Tag oder die Zeit, in der man nicht im Betrieb ist, wird einem vom Gehalt abgezogen.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 47/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Soll man an Weihnachten aufs Schenken verzichten?
Ja.
Nein
Ich bin unentschieden.