Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sankt Martin - Lichtblick in der Dunkelheit

Neben Sankt Nikolaus ist der Gedenktag des heiligen Martin von Tours ein Tag, der sowohl von katholischen* wie von evangelischen* Christen begangen wird. Grund dafür ist, dass am 11. November der Zehnte der Ernte abgerechnet wurde. Mit dem Martinstag endete das bäuerliche Wirtschaftsjahr, denn die Ernte war eingebracht. So ist er im Gedächtnis des Brauchtums geblieben.

Sankt Martins Umzug (Foto: epd)

Am „Zinstag“, wie man den Martinstag auch nannte, wurde ein Festmahl zubereitet, dessen Hauptgang aus Gänsebraten bestand. Dieser Brauch steht mit einer weniger bekannten Legende um Martin in Verbindung: Während einer Predigt des Heiligen drang schnatternd und flügelschlagend eine Schar Gänse in die Kirche ein und störte die Andacht. Man unterbrach den Gottesdienst, um die Tiere einzufangen. Nach dem Gottesdienst verspeiste man das unfromme Geflügel kurzerhand.

Aber wer war nun jener St. Martin eigentlich?

Er lebte im 4. Jahrhundert und war der Sohn eines hohen römischen Militärs aus Pannonien, dem heutigen Ungarn. Zunächst ergriff er, wie es die Familientradition verlangte, ebenfalls die Soldatenlaufbahn. Martinus war Christ, deshalb neigte er zum Pazifismus, obwohl er sich als Soldat dem römischen Imperium verpflichtet hatte. Später quittierte er aus diesem Grund seinen Dienst vorzeitig. Das einzige Mal, dass er das Schwert gehoben habe, habe er es aus Barmherzigkeit getan. Er zerteilte damit seinen Soldatenmantel, um einen frierenden Bettler vor dem Kältetod zu bewahren. Seine militärische Karriere brachte Martin auch nach Gallien, ins heutige Frankreich. Nachdem er seinen Dienst quittiert hatte, ließ er sich von seinem Freund und Mentor Hillarius, dem Bischof von Poitiers, taufen und zog sich in eine Einsiedelei zurück. Er war ergriffen von dem Ideal des Mönchtums, einer Lebensform, die zu jener Zeit im Abendland noch nicht Fuß gefasst hatte. Martin hatte von einem frommen Ägypter namens Antonius gehört, der als Eremit gelebt hatte. Von seinem Leben und Glauben, so heißt es, war Martin tief beeindruckt. Doch mit der Einsamkeit wollte es ebenso wenig klappen wie mit dem Soldatendasein. Immer mehr Menschen hörten von dem gütigen, frommen Mann und suchten seinen Rat. In Ligugé, einem Ort in der Nähe von Poitiers, gründete er ein Kloster*. Diese Lebensform kam ursprünglich aus Ägypten und Martinus’ Kloster war die erste Einrichtung dieser Art nördlich des Mittelmeers.

Martins Ruhm wuchs unaufhaltsam, insbesondere seine Menschenfreundlichkeit und Weisheit machten ihn weithin bekannt. Als in der nördlich gelegenen Stadt Tours ein neuer Bischof gesucht wurde, sprachen sich die Gläubigen für Martin aus. Und so wurde er – eigentlich gegen seinen Willen – Bischof von Tours. Doch auch während dieser Zeit blieb er seinem mönchischen Ideal treu. Repräsentative Gebäude waren seine Sache nicht. Er blieb bescheiden und residierte, wenn er sich in Tours aufhielt, in einer Klosterzelle.

Die Überlieferung berichtet, der heilige Martin habe in sich alle Eigenschaften vereint, die seine Zeitgenossen von einem Kirchenmann und christlichen Seelsorger erwarten: Hingabe, Demut, Gerechtigkeitssinn. Mut, Weisheit und Barmherzigkeit. Kurz: Er war ein glaubwürdiger Mann des Glaubens.

Exkurs. Martin Luther verdankt dem Heiligen übrigens seinen Vornamen. Luther wurde am 10. November 1483 geboren und am folgenden Tag getauft. Wie es damals üblich war, wurde er nach dem Heiligen genannt, dessen Gedenktag man beging.

Dass man am Sankt-Martins-Umzug Lichter und Laternen anzündet, hängt zusammen mit dem Beginn der sogenannten Lichtarbeit um den 11. November herum. Ab dieser Zeit wurde nicht mehr draußen auf den Feldern gearbeitet. Sie waren abgeerntet und die Tage wurden immer kürzer. Nun musste man für die meisten Tätigkeiten ein Licht anzünden. Mit dem Umstand, dass selbst kleine Lichter tiefe Finsternis erhellen, verband sich die christliche Lichtsymbolik: Jesus wird als „Licht der Welt“ bezeichnet (Johannesevangelium*, Kapitel 8, Vers 12), aber auch die Gläubigen werden so genannt: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäusevangelium, Kapitel 5, Vers 14). Das Licht der Gläubigen wird sichtbar durch Taten der Barmherzigkeit. Martin ist ein Beispiel für dieses Licht.

Auch sprachlich sinnfällig wird die Verbindung von Licht und Heiligkeit in der Bezeichnung der Heiligen in slawischen Sprachen, z. B. russisch: „Svet“ bedeutet sowohl heilig als auch leuchtend.

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