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Das Leben hinterm Holzhaufen
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Opas Springerle

Es sind viele Dinge und Sachen, womit Opa die Oma schon überraschte. Aber mit der neuesten Überraschung hätte sie nicht gerechnet. Der 83 jährige Opa will anfangen Springerle zu backen. Die  Oma hat in ihrem ganzen bisherigen Hausfrauendasein noch nie Springerle gebacken und nun kommt Opa vor Weihnachten mit dieser Idee daher. Zwei kleine Begebenheiten könnten für diesen Wunsch ausschlaggebend gewesen sein. Opa und Oma besuchten in der Adventszeit eine Bekannte, die seit Sommer im Seniorenstift ist. Sie erzählte, dass sie immer Springerle gebacken hat und jetzt nicht mehr kann. Das bedauern Einige von denen sehr, die bisher immer von ihr dieses Gebäck bekamen. Zum andern kam Opas Schwager, Witwer und auch im Ruhestand, der erzählte, dass er schon dreimal Springerle in diesem Jahr gebacken hat und brachte noch ein Versucherle mit. Er hat das Rezept aus dem alten Schulkochbuch von Luise Haarer genommen. Da erinnerte sich unser Opa, dass im oberen Stock auf einem Schrank solche Springerlesmodel liegen. Er holte sie schnell herunter und nun wurden sie von allen dreien begutachtet. „Oh, die sind aber sehr schön“ meinte der Schwager. „Die sind bestimmt uralt.“ Und tatsächlich steht auf der Rückseite ein B und 91, also 1891 geschnitzt. Wirklich eine Rarität, sehr wertvolle Kunstwerke.
Freitag vor dem 3. Advent war es soweit. Oma wusste noch von ihrer Ahne und Mutter, dass die immer 5 – 6 Wochen vor Weihnachten Springerle gebacken hatten, damit sie bis Weihnachten mürbe waren.
Wie heißt es bei Gebrauchsanweisungen? Sorgfältig durchlesen. Das tat weder der Opa noch die Oma und so kam es wie es kommen musste. Die Zutaten wurden zu einem Teig von ihm zusammen geknetet, danach schaute er sich das Springerlesrezept noch einmal genauer an und entdeckt zu seinem Schrecken, dass da steht: „Zucker und Eier sehr schaumig rühren“. Oh, oh, das sah für beide gar nicht gut aus. Opa machte Oma für diesen Fehler verantwortlich, und Oma ärgerte sich, dass sie sich auf dieses waghalsige Abenteuer überhaupt eingelassen hatte. Was muss der alte Mann auch noch Springerle backen wollen und das zum ersten mal, wie wenn es nicht auch die Gutsle täten, die Oma schon gebacken hat. So ein leichtes Schuldgefühl kam aber doch bei ihr auf, denn sie war es schließlich, die das Mehl und den Puderzucker auf das Backbrett siebte, sodass Opa nur noch die Eier unterkneten musste. Das Hirschhornsalz wurde zuvor unter das Mehl gemengt. 
Aber nun was tun mit dem Teig? Er wurde kalt gestellt, so wie es im Rezept angegeben war.
Opa verzog sich in seinen Fernsehsesssel und in Oma kämpfte es. Soll sie noch einmal Puderzucker kaufen, damit Opa doch  noch zu seinem Erfolgserlebnis kam? Das Gute siegte, sie ging einkaufen.
Als sie zurück kam, stellte sie demonstrativ die zwei Päckchen Puderzucker auf den Tisch, so dass Opa sie auch sehen konnte. Alles weitere überließ sie ihm. Und er sah sie tatsächlich. So machte er sich zum zweiten Mal daran, den Teig für Springerle zu machen. Oma agte: „Dieses Mal halte ich mich ganz heraus.“ „Das ist auch besser“, antwortete Opa.
Der erste Teig war inzwischen kalt genug um weiter verarbeitet zu werden. Die Springerlesmodel waren gesäubert und lagen bereit, um gebraucht zu werden. Die ersten Springerle sahen noch etwas
nach zweiter Wahl aus, aber mit jedem Stück neuem Teig wurden sie schöner und vollkommener.
So war bald der erste Teig aufgebraucht und er Zweite genügend kalt und fest, sodass die Arbeit weiter gehen konnte. Auf den Backblechen lagen sie nun zum Abtrocknen über Nacht, die Hasen, Rehe, Lämmer, Schwäne, Schiffe und Blumen. Da die Model noch aus der Kaiserzeit stammen, sind auch Schwertlilie und Anker mit Schwert unter den Mustern. Am anderen Morgen nahm Opa jedes
einzelne Plätzchen auf, bepinselte es auf der Unterseite mit Wasser wie angegeben und schob sie zum Backen in den Backofen. Jetzt war die Spannung groß, würden sie aufgehen und Füßchen bekommen, wie es bei gut gelungenen Springerle der Fall ist? Ja, sie gingen hoch, nicht gleich, etwas Geduld musste noch aufgebracht werden. Jetzt durfte und wollte auch Oma sich wieder beteiligen und sie freute sich nicht weniger am Gelingen der Springerle, als Opa.
Das schönste an der Geschichte ist noch, nach dem Backen konnte man nicht mehr feststellen, ob man ein Springerle vom ersten oder zweiten Teig gerade gegessen hatte, sie schmeckten beide gleich gut. Opas Schwager, dem Bruder von Oma gefielen diese Muster so gut, dass er die Springerlesmodel auslieh um noch einmal eine Portion Springerle zu backen.

 

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